Weiterbildungen gehören heute zu den wichtigsten Instrumenten, um mit den steigenden Anforderungen der Arbeitswelt Schritt zu halten. Neue Technologien, veränderte Geschäftsmodelle und der Fachkräftemangel verlangen von Mitarbeitenden und Unternehmen, Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sind Weiterbildungen mit Kosten sowie zeitlichen und persönlichen Belastungen verbunden. Deshalb stellt sich die Frage, welchen konkreten Nutzen sie für die Teilnehmenden tatsächlich bringen.
Christine Beeler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Public und Nonprofit Management, Marina Jans ist Mitarbeiterin Datenmanagement am Departement Wirtschaft, und Lukas Lehmann leitet den Schwerpunkt Öffentliches Bildungsmanagement, führt das Weiterbildungsprogramm CAS Educational Management & Governance und unterrichtet in Bachelor und Master, alle drei an der Hochschule Luzern.
Um diesen Nutzen nicht nur zu postulieren, sondern auf eine fundierte empirische Basis zu stellen, liefert eine sich jährlich wiederholende Erhebungsreihe des Departements Wirtschaft der Hochschule Luzern (HSLU W) wichtige Erkenntnisse. So wurde die Erhebung 2025 bereits zum achten Mal in Folge durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 331 Absolventinnen und Absolventen einer Weiterbildung der HSLU W an der Umfrage. Untersucht wurden die Bereiche Zufriedenheit, Einkommen, berufliche Kompetenz und Weiterentwicklung sowie die persönliche Entwicklung.
Spürbarer Mehrwert schon im Studium
Die Ergebnisse dieser repräsentativen Studie zeichnen ein deutliches Bild. 95 Prozent der Befragten geben rückblickend an, von ihrer Weiterbildung in vielerlei Hinsicht profitiert zu haben. Positiv entwickelt haben sich nicht nur die beruflichen und persönlichen Kompetenzen, sondern verbessert haben sich bei vielen auch Einkommen und berufliche Position. Bemerkenswert ist dabei, dass sich der erfahrene Nutzen häufig bereits während der Weiterbildung zeigt: Mehr als drei Viertel der Teilnehmenden berichten, schon während des Studiums positive Effekte erlebt zu haben. Wenig überraschend ist daher der Befund, dass die Befragten mehrheitlich ihre Weiterbildung Personen mit einer ähnlichen beruflichen Laufbahn weiterempfehlen würden.
Ein differenzierter Blick auf die Datengrundlage zeigt, wie die Weiterbildung die berufliche Kompetenzentwicklung beeinflusst: Fast alle Befragten gaben an, ihre Fachkompetenz erweitert zu haben. Und viele berichteten darüber hinaus, dass sie Probleme systematischer angehen, qualitativ bessere Arbeit leisten und produktiver sind. Zudem gaben mehr als 80 Prozent an, dass sie dank der Weiterbildung ihr berufliches Netzwerk ausbauen konnten. Schliesslich übernehmen rund drei Viertel heute anspruchsvollere Aufgaben als vorher und erfahren zudem eine höhere berufliche Anerkennung oder ein gestiegenes Interesse an ihrer Tätigkeit.
Neben fachlichen und beruflichen Effekten zeigt die Studie auch einen deutlichen Nutzen für die persönliche Entwicklung. Neun von zehn Befragten fühlen sich besser auf berufliche Herausforderungen vorbereitet. Viele berichten auch von mehr Selbstvertrauen und einem verbesserten Auftreten. Damit trägt Weiterbildung nicht nur zur fachlichen Qualifikation bei, sondern stärkt auch Kompetenzen, die für den langfristigen beruflichen Erfolg relevant sind.
Die Studie untersuchte auch den finanziellen Mehrwert von Weiterbildungen. Bei 69 Prozent der Befragten erhöhte sich das Einkommen seit Weiterbildungsbeginn. Zudem wurden 30 Prozent der Teilnehmenden innerhalb von drei Jahren nach Abschluss befördert.
Mehr als nur Wissen
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Weiterbildung weit mehr bewirkt als den Erwerb zusätzlichen Wissens. Sie eröffnet Entwicklungsmöglichkeiten, stärkt die persönliche Handlungssicherheit und verbessert die beruflichen Perspektiven. Für die grosse Mehrheit der befragten Absolventinnen und Absolventen hat sich die Investition deshalb gelohnt.
Auf Basis der Studie lassen sich insofern drei grundlegende Erkenntnisse ableiten, welche für die Bewertung einer Weiterbildung zentral sind:
- Ganzheitlich denken: Der Erfolg von Weiterbildung bemisst sich auch aus der Sicht der Teilnehmenden nicht nur am Gehalt. Soft Skills und methodische Souveränität sind zentrale Treiber für langfristige Jobsicherheit.
- Netzwerke aktivieren: Ein Grossteil des Bildungsnutzens entsteht durch den Blick über den Tellerrand hinaus. Ein branchenübergreifender Austausch schult essenzielle Anpassungsfähigkeiten.
- Effekte umsetzen: Die positive Wirkung setzt meist schon während der Weiterbildung ein. Somit profitiert die Praxis sofort.