Es gab eine Zeit, in der der Verkauf einer Private-Equity-Beteiligung auf dem Sekundärmarkt als Warnsignal galt. Nicht selten wurde er mit finanzieller Not, erzwungenen Transaktionen oder einem Scheitern langfristiger Strategien gleichgesetzt. Dieses Narrativ ist heute überholt.
2025 erreichte das globale Transaktionsvolumen im Sekundärmarkt rund 230 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mehr als die Hälfte entfiel auf LP-geführte Transaktionen, also den klassischen Verkauf von Fondsanteilen durch Limited Partners (LPs). Der Markt wird längst nicht mehr von Notlagen getrieben, sondern dient erfahrenen institutionellen Investoren als strategisches Instrument der Portfoliosteuerung.Der LP-geführte Markt hat 2025 weiter an Reife gewonnen. Rund die Hälfte der Verkäufer nutzt ihn erstmals, was ein Zeichen für seine wachsende Akzeptanz ist. Zugleich deutet das starke Wachstum der privaten Märkte im vergangenen Jahrzehnt auf erhebliches Transaktionspotenzial hin. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem anhaltend niedrige Ausschüttungen. Viele LPs halten alternde Portfolios mit gebundenem Kapital, die bislang nur begrenzte Rückflüsse (DPI) generiert haben. Besonders die Jahrgänge 2020 und 2021 haben branchenweit noch kaum Mittel zurückgeführt.Die meisten Verkäufer agieren jedoch nicht aus einem Druck heraus. Stattdessen steuern sie ihre Portfolios aktiv: Sie veräussern selektiv, reinvestieren in jüngere Fonds, gewichten Manager und Strategien neu oder justieren ihre Allokation zu Private Markets. Secondaries sind damit vom taktischen Rebalancing-Instrument zu einem integralen Bestandteil des Portfoliomanagements geworden.
Preise treiben den Markt
Entscheidend bleibt das Bewertungsumfeld. Bei LP-Transaktionen ist die Geld-Brief-Spanne entscheidend, also die Differenz zwischen dem Preis, den Käufer inklusive eines Abschlags auf den Nettoinventarwert (NAV) zu zahlen bereit sind, und dem Preis, den Verkäufer akzeptieren. Diese Dynamik ist letztlich der Preis für Liquidität und Planungssicherheit. Je enger die Spanne, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Aktivität. Da viele Investoren aus strategischen Gründen verkaufen, haben sie je nach Preisniveau die Wahl, zu verkaufen oder abzuwarten. Laut Jefferies lag der Durchschnittspreis für LP-Portfolios 2025 bei rund 87 Prozent des NAV; hochwertige Buy-out-Portfolios wurden im niedrigen bis mittleren 90-Prozent-Bereich gehandelt. Solche Bewertungen machen Verkäufe zu einer bewussten Optimierungsentscheidung, andernfalls warten Investoren ab. Besonders attraktiv erscheint das kleinere Segment des LP-Marktes. Grosse Transaktionen ziehen intensiven Wettbewerb an. Kleinere Deals sind weniger umkämpft, eröffnen breitere Selektionsmöglichkeiten und bieten häufiger Raum für strukturierte Lösungen – mit entsprechendem Wertschöpfungspotenzial. Zudem entstehen durch Erstverkäufer mit begrenzten Ressourcen Informationsvorteile für erfahrene, gut vernetzte Käufer.Der strukturelle Rückenwind bleibt stark: Die Private-Capital-Industrie verwaltet mehr als 13 Billionen Dollar, während der Sekundärmarkt jährlich nur rund 2 Prozent davon umsetzt. Ein jährliches Volumen von 300 Milliarden Dollar innerhalb der kommenden 12 bis 24 Monate dürfte realistisch sein, getragen vom LP- wie auch vom wachsenden GP-geführten Segment. General Partners (GPs) überführen hierbei Vermögenswerte in sogenannte Continuation Vehicles, um weiteres Wachstum zu generieren.Zwar ist das verfügbare Kapital für Secondaries deutlich gestiegen, liegt mit dem 1,3-Fachen des jährlichen Marktvolumens jedoch auf historisch niedrigem Niveau. Ein steigendes Angebot bei nur moderat wachsendem Kapital dürfte günstige Bedingungen für Käufer schaffen.
Das Argument für Secondaries
Secondaries sind heute ein zentrales Instrument im Portfoliomanagement institutioneller Investoren. Die Anlageklasse bietet eine überzeugende Kombination aus attraktiven kumulativen Renditen, reduziertem Risiko und geringerer Volatilität. Diversifikation über Jahrgänge, Manager und Strategien kann idiosynkratische Risiken senken und die Performance glätten. Zudem kann der Erwerb von Vermögenswerten mit NAV-Abschlägen von Beginn an wertsteigernd sein und bietet eine eingebaute Sicherheitsmarge. Der Sekundärmarkt ist damit fester Bestandteil des Investoreninstrumentariums. Für Käufer besteht die Chance darin, diszipliniert zu selektieren und sich auf jene Segmente zu konzentrieren, in denen strukturelle Ineffizienzen nachhaltigen Mehrwert ermöglichen, insbesondere im kleineren Marktsegment.
Der Autor Mauro Pfister ist Managing Director bei Capital Dynamics.