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Gastbeitrag

Vom Nischenprodukt zum Portfoliobaustein

Neue Möglichkeiten für globale Kernanlagen, Schweizer Marktstrategien und innovative Ansätze.

Überzeugt: Die erweiterte Palette von Indexlösungen bis zu aktiven ETFs.
Überzeugt: Die erweiterte Palette von Indexlösungen bis zu aktiven ETFs.Shutterstock

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Seit im September 2000 eines der ersten europäischen ETF-Segmente an der Schweizer Börse lanciert wurde, haben sich Exchange-Traded Funds grundlegend weiterentwickelt. Aus einem zunächst vor allem institutionell genutzten Nischenprodukt ist ein fester Bestandteil privater und professioneller Portfolios geworden. Schon früh wurde das Angebot über Aktienindizes hinaus auf Obligationen, Rohstoffe sowie Geldmarkt- und Immobilienanlagen ausgeweitet. Heute reicht das Spektrum von breit diversifizierten Kernanlagen bis zu Länder-, Faktor- und Themenstrategien sowie aktiven Strategien. Per Ende August 2026 waren an der SIX rund 2282 verschiedene ETFs kotiert und verfügbar. Damit stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob ETFs ins Portfolio gehören, sondern welche Aufgabe sie darin übernehmen.

Der Autor

Raimund Müller, Leiter ETF & Index Fund Sales Schweiz und Liechtenstein, UBS Asset Management

Effizient in globale Kernmärkte investieren

Für viele Schweizer Anlegerinnen und Anleger bilden ETFs heute das Fundament der strategischen Allokation. Mit wenigen breit aufgestellten Produkten lassen sich globale Aktien- und Obligationenmärkte effizient abdecken. Im sogenannten Core, dem breit diversifizierten Kern eines Portfolios, zählen vor allem tiefe Kosten, Transparenz, Liquidität und eine einfache Umsetzung. Ein klar aufgebautes ETF-Portfolio schafft Übersicht über die abgedeckten Märkte und Anlageklassen. Gezielte Satelliten können dieses Fundament um häufig aktiv ausgerichtete Akzente ergänzen. In Schweizer Franken gehandelte oder währungsabgesicherte Anteilsklassen bieten dabei vielen Schweizer Anlegern und Anlegerinnen interessante Umsetzungsoptionen. Somit lässt sich die globale Kernallokation auf Portfoliostruktur und Referenzwährung abstimmen. Ergänzend zur globalen Kernallokation spielt der Schweizer Heimatmarkt in vielen Portfolios eine wichtige Rolle. SMI und SPI bilden dabei die etablierten Referenzindizes. Da wenige Grossunternehmen den Markt stark prägen, lassen sich mit dem SPI Extra, dem SLI und dem neuen SMI Equal Weight Index Marktbreite und Titelkonzentration gezielter steuern. Dividenden- und Income-ETFs ermöglichen zusätzlich eine ertragsorientierte Ausrichtung. Damit kann der Heimatmarkt differenziert und entsprechend den individuellen Anlagezielen abgebildet werden. Auch das Spektrum bei Obligationen ist breiter geworden. ETFs ermöglichen Anlegerinnen und Anlegern einen transparenten Zugang zu Staats- und Unternehmensanleihen in Schweizer Franken sowie eine gezielte Auswahl nach Laufzeit und Bonität. Diese Auswahlmöglichkeiten unterstützen eine präzisere Abstimmung von Heimatmarkt, Diversifikation und Risiko.

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Die neue Vielfalt der ETF-Welt

Auch in der Schweiz reicht das Angebot inzwischen deutlich über klassische Indexlösungen hinaus. Eine wichtige Erweiterung bilden aktive ETFs: Sie verbinden die gezielte Titelauswahl und die flexible Portfoliosteuerung aktiver Strategien mit dem transparenten, börsengehandelten Format. Im Gegensatz zu rein indexgebundenen Lösungen können sie ihre Positionierung laufend an veränderte Marktbedingungen und Bewertungen anpassen. Ihre Wertentwicklung kann daher sowohl über als auch unter jener des Vergleichsmarkts liegen.
Faktor-, Nachhaltigkeits- und Themenstrategien setzen weitere Schwerpunkte und ermöglichen es, bestimmte Anlageüberzeugungen gezielt abzubilden, wobei eine stärkere Fokussierung auch höhere Konzentrationsrisiken mit sich bringen kann. Parallel dazu erweitert sich das Spektrum der zugänglichen Anlageklassen. Gold bietet bereits heute einen etablierten börsengehandelten Zugang zu alternativen Anlagen, während regulatorische Entwicklungen künftig auch ETF-Lösungen auf digitale Vermögenswerte wie Kryptoanlagen ermöglichen könnten. ETFs dienen damit nicht mehr nur der breiten Marktabbildung, sondern zunehmend auch der bewussten Ausgestaltung einzelner Portfoliobausteine.
Weiteres Wachstum dürfte sowohl von kostengünstigen, breit diversifizierten Core-Bausteinen als auch von zielgerichteten aktiven und regelbasierten Strategien ausgehen. Aus dem einstigen Indexprodukt ist ein vielseitiger Portfoliobaustein geworden, der je nach Ausgestaltung Kern- oder Ergänzungsfunktionen übernehmen kann. Das wachsende Angebot eröffnet neue Möglichkeiten, ersetzt aber nicht die sorgfältige Auswahl: Produktstruktur, Strategie, Kosten sowie Markt-, Währungs-, Liquiditäts- und Konzentrationsrisiken müssen zum Anlageziel und zur vorgesehenen Aufgabe im Portfolio passen.

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