Mit dem Leitzins bei null, volatilen Märkten und geopolitischen Unsicherheiten bleibt das Anlageumfeld in der Schweiz anspruchsvoll. Regelmässige Ausschüttungen gewinnen daher an Bedeutung – sei es als Ergänzung zum Erwerbs- oder Renteneinkommen oder als Quelle besser planbarer Portfolioerträge. Damit rückt «Income Investing» stärker in den Fokus: Hier kombiniert man unterschiedliche Ertragsquellen, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und Einflussfaktoren zu reduzieren. Massgeblich ist dabei, dass Ausschüttungen nicht mit dem tatsächlich erwirtschafteten Anlageertrag gleichgesetzt werden. Der Ansatz lässt sich sowohl in wachstumsorientierte als auch in defensive Portfolios integrieren.
Die Autorinnen
Nicole Fenner, Investment Specialist Active Multi Asset Investments, Lucy Thomas, Head Active Multi Asset Investments; UBS Asset Management
Keine einseitige Abhängigkeit
Eine Income-Strategie vereint Ertragsbausteine mit unterschiedlichen Risiko- und Renditeeigenschaften und kann dazu beitragen, durch Diversifikation über Anlageklassen, Regionen, Währungen und Wirtschaftszyklen hinweg die Stabilität der Erträge zu stärken. Wichtige Bestandteile sind Aktien von Unternehmen mit tragfähigen Geschäftsmodellen, stabilen Cashflows und verlässlicher Dividendenpolitik. Obligationen steuern Couponzahlungen bei. Eine bewusste Mischung von Emittenten, Bonitäten und Laufzeiten hilft, Zins- und Kreditrisiken auszubalancieren. Hinzu kommen Immobilienanlagen, beispielsweise kotierte Immobiliengesellschaften oder -fonds. Ihre Mieterträge beruhen häufig auf längerfristigen Verträgen. Auch systematische Optionsstrategien wie Covered Calls können Erträge beisteuern. Sie generieren Prämien und lassen sich auf eine Vielzahl von Anlageklassen anwenden, darunter Aktien, Aktienindizes und Sachwerte wie Gold. Gerade in seitwärts tendierenden Märkten können daraus regelmässige Einnahmen entstehen. Im Gegenzug begrenzt der Ausübungspreis das Aufwärtspotenzial, während die Risiken des Basiswerts grundsätzlich bestehen bleiben.
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Qualität steht im Mittelpunkt
Entscheidend ist nicht die höchstmögliche Ausschüttung, sondern die Qualität und die nachhaltige Ertragsfähigkeit. Gefragt sind Anlagen mit soliden Fundamentaldaten und langfristig verlässlichen Cashflows. Dazu zählen Unternehmen mit beständiger Ausschüttungspolitik, solide Obligationenemittenten und diszipliniert umgesetzte Optionsstrategien. Bei Immobilien hängt die Verlässlichkeit der Einnahmen unter anderem von Lage, Auslastung, Mieterstruktur, Finanzierung und Vertragslaufzeiten ab. Ziel ist ein möglichst stetiger Einkommensstrom, ohne den realen, also inflationsbereinigten Kapitalerhalt aus den Augen zu verlieren. Ausschüttungen müssen deshalb im Verhältnis zur erzielten Rendite stehen. Werden dauerhaft höhere Beträge ausbezahlt, kann dies die Substanz belasten. Professionell gemanagte Fondslösungen bündeln Anlageklassen und Ausschüttungszeitpunkte. So verteilen sie Zahlungsströme über das Jahr und gleichen Schwankungen einzelner Ertragsquellen teilweise aus.
Für den effektiven Nettoertrag zählt neben der Bruttoausschüttung auch die persönliche Steuersituation. Dividenden und Zinsen gelten in der Regel als Einkommen und können der Verrechnungssteuer unterliegen. Bei Immobilienanlagen ist die Behandlung differenzierter: Direkte Schweizer Immobilienfonds versteuern Erträge und Vermögen auf Fondsebene, häufig zu einem tieferen institutionellen Satz. Für Privatanleger kann dies bei der Einkommens- und Vermögensbesteuerung von Vorteil sein. Auch Optionsprämien sind relevant. Je nach Ausgestaltung und individueller steuerlicher Einordnung können sie in der Schweiz als Kapitalgewinne gelten und für private Anleger steuerfrei sein. Die konkrete Behandlung ist jedoch vom Einzelfall abhängig.
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Solide Einkommensbasis als Ziel
«Income Investing» zielt nicht auf die höchste Ausschüttung, sondern auf eine breite und nachhaltige Einkommensbasis. Eine breite Diversifikation kann Schwankungen abfedern, Verluste jedoch nicht ausschliessen; auch Ausschüttungen sind nicht garantiert. Zentral ist daher nicht nur die Auswahl attraktiver Ertragsquellen, sondern deren wirkungsvolle Kombination und laufende Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Gerade hier setzen Multi-Asset-Lösungen an: Sie führen verschiedene Anlageklassen und Ertragsquellen in einem abgestimmten Portfolio zusammen und ermöglichen es, deren Zusammenspiel gesamthaft zu steuern. So lässt sich das Portfolio fortwährend auf die dynamischen Marktbedingungen ausrichten.
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