Bienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und zahlreiche weitere Insekten leisten einen wichtigen Beitrag für funktionierende Ökosysteme. Sie bestäuben Pflanzen, sichern die Fortpflanzung vieler Arten und bilden die Grundlage komplexer Nahrungsnetze. Gleichzeitig sind ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten unter Druck geraten. Ursachen sind unter anderem der Verlust von Lebensräumen, eine intensive Landnutzung und ein rückläufiges Angebot an blühenden Pflanzen.
Vor diesem Hintergrund rücken sogenannte Blühstreifen zunehmend in den Fokus von Landwirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz. Die gezielt angelegten oder erhaltenen Blühflächen bieten Insekten Nahrung, Rückzugsorte und Orientierung in einer Landschaft, die vielerorts von grossflächigen Kulturen geprägt ist. Dieses Vorgehen gilt als eine von unterschiedlichen Massnahmen, um die Biodiversität in Agrarräumen zu fördern und ökologische Netzwerke zu stärken.
Die Autorin
Laura Billinger, Corporate Communications Manager, Ricola
Aus Überschuss wird Lebensraum
Auch Unternehmen, die eng mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, engagieren sich zunehmend für biodiversitätsfördernde Projekte. Ein Beispiel dafür ist eine aktuelle Initiative in Kooperation mit der Organisation «Bienen Schweiz». Auf zwei Kräuterhöfen im Oberaargau im Kanton Bern wurde in diesem Jahr jeweils rund ein halber Hektar (57 Aren) Salbei nicht geerntet, sondern als Blühfläche stehen gelassen. Es handelte sich dabei um Kräuterbestände, die für das geplante Produktionsvolumen nicht benötigt wurden. Anstatt die Pflanzen vorzeitig umzubrechen, entschieden sich die Beteiligten gemeinsam mit «Bienen Schweiz» dafür, den Salbei vollständig ausblühen zu lassen. Über mehrere Wochen hinweg entstand so eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere bestäubende Insekten.
Gerade in landwirtschaftlich geprägten Regionen können solche Flächen dazu beitragen, das Blütenangebot zu erweitern und Lebensräume in einer oftmals intensiv genutzten Landschaft zu vernetzen. Dieser Ansatz zeigt, wie sich ökologische und landwirtschaftliche Interessen miteinander verbinden lassen. Durch die Nutzung von Überschussbeständen entstehen weitere Blühflächen, ohne dass eigens neue Flächen angelegt werden müssen. Was ursprünglich nicht für die Produktion benötigt wurde, erhält damit einen zusätzlichen ökologischen Nutzen und trägt zur Arterhaltung in der Tierwelt bei.
Mehr als ein schöner Blühstreifen
Fachleute betonen seit Jahren die Bedeutung eines möglichst vielfältigen und kontinuierlichen Blütenangebots. Viele Insektenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert oder benötigen über die gesamte Vegetationsperiode hinweg Zugang zu Nektar und Pollen. Fehlen diese Ressourcen, sinken ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Blühstreifen können deshalb dazu beitragen, Populationen zu stabilisieren und die Artenvielfalt in landwirtschaftlich geprägten Regionen zu erhöhen. Hinweise auf die Wirkung von Blühflächen liefern auch Untersuchungen auf Kräuterfeldern in der Schweiz. Auf einem Betrieb, der vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wissenschaftlich begleitet wurde, zeigte sich, dass in Blühstreifen deutlich mehr bestäubende Insekten und andere Nützlinge vorkommen als in den angrenzenden Kulturflächen. Zudem erhöhte sich die Zahl der beobachteten Nützlinge mit der Nähe zum Blühstreifen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Blühflächen die Biodiversität im Agrarraum fördern und zu stabileren Ökosystemen beitragen können.
Biodiversität als gemeinsame Aufgabe
Der Schutz der Biodiversität ist eng mit der landwirtschaftlichen Wertschöpfung verbunden. Die Zusammenarbeit mit Organisationen wie «Bienen Schweiz» knüpft direkt daran an: Indem – wie bei diesem Projekt – überschüssige Salbeibestände als Blühflächen erhalten bleiben, entstehen wertvolle Lebensräume und Nahrungsquellen für Bestäuber. Das Vorhaben wurde im Frühjahr 2026 als Testprojekt umgesetzt und verdeutlicht, wie Biodiversitätsförderung Teil einer langfristig ausgerichteten Landwirtschaft werden kann.