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Regenerative Landwirtschaft

Verantwortung übernimmt man vor Ort

Nachhaltigkeit beginnt beim Rohstoffanbau, fortschrittliche Marken arbeiten daher Hand in Hand mit den Produzenten.

Wilma Fasola

Regenerative Landwirtschaft bedeutet auch für Oatly Verantwortung zu übernehmen.
Regenerative Landwirtschaft bedeutet auch für Oatly Verantwortung zu übernehmen.Oatly

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Die Frage, wie wir im 21. Jahrhundert eine stetig wachsende Weltbevölkerung ernähren können, ohne die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten vollends zu sprengen, prägt die wichtigsten Debatten der Gegenwart. Jahrzehntelang folgte die globale Agrarwirtschaft einem klaren, aber verhängnisvollen Diktat: Ertrag um jeden Preis. Synthetische Düngemittel, intensive Monokulturen und die Rumpelkammer schwerer Landmaschinen sicherten zwar gefüllte Supermarktregale, hinterliessen aber oft verbrannte Erde. Ausgelaugte Böden, schwindende Biodiversität, eine sinkende Wasserspeicherfähigkeit des Erdreichs und gewaltige Mengen an Treibhausgasemissionen sind der bittere Preis dieser Übernutzung.

Die Auszeichnung

Mit dem Promarca Brand Sustainability Award zeichnet der Schweizerische Markenartikelverband Promarca Mitgliedsunternehmen aus, die mit zukunftsweisenden Projekten neue Massstäbe für Umwelt und Gesellschaft setzen. Eine unabhängige Fachjury bewertet die eingereich-ten Initiativen nach strengen Kriterien: Die Ergebnisse müssen durch quantitative und wissenschaftliche Daten belegt und die Ansätze über das einzelne Projekt hinaus skalierbar sein. Der Award dient somit als wirkungsvoller Katalysator für ein nach-haltiges, zukunftsfähiges Wirtschaften in der Schweiz. Sieger in diesem Jahr ist Zweifel für das Projekt «Regenerative Landwirtschaft». Platz zwei teilen sich Barilla für «Carta del Basilico» und die Groupe Minoteries SA für «Verwertung von Lebensmittelnebenprodukten für eine kreislauforientierte und nachhaltige Bäckerei». Oatly erhält den Anerkennungspreis als erste «Climate Solutions Company» der – Lebensmittel- und Getränkeindustrie und belegt Platz drei.
Es wurde schlichtweg Raubbau an der Natur betrieben. Um diesem Umstand nun wirksam Einhalt zu gebieten, rückt das Konzept der regenerativen Landwirtschaft in den Fokus. Regenerative Landwirtschaft ist jedoch nicht die romantisierende Rückkehr zum Bauernhof von einst, sondern muss als präziser, wissenschaftlich fundierter Gegenentwurf zur Ausbeutung der Natur gesehen werden. Der Ansatz unterscheidet sich dabei fundamental von bisherigen Umweltkonzepten. Denn es geht nicht um Schadensbegrenzung, vielmehr sollen Ökosysteme durch die landwirtschaftliche Nutzung aktiv heilen. Im Mittelpunkt steht die Bodengesundheit. Minimal eingreifende Bodenbearbeitung, der kontinuierliche Einsatz von Zwischenfrüchten, vielfältige Fruchtfolgen und die Reduktion chemisch-synthetischer Betriebsmittel fördern den Humusaufbau und bringen das biologische Leben im Erdreich wieder auf Trab. Gesunde, humusreiche Böden lassen sich mit riesigen Schwämmen vergleichen. Sie speichern Wasser in Dürrezeiten, vermindern Erosion bei Starkregen und binden Kohlenstoff dauerhaft im Erdreich. Dadurch kann Landwirtschaft – unter geeigneten Bedingungen – vom Teil des Problems zu einem Teil der Lösung werden. Gleichzeitig steigt die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegenüber Extremwetterereignissen.

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Promarca Brand Sustainability Award 2026

Dass dieser Wandel nicht nur ein theoretisches Ideal bleibt, sondern in globale Lieferketten integriert wird, zeigen führende Akteure der Lebensmittelbranche. Ein Beispiel ist das schwedische Unternehmen Oatly. Die Marke positionierte sich durch Klimaentlastung via pflanzenbasierte Produkte und wurde 2025 von der Exponential Roadmap Initiative als erstes Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkebranche als «Climate Solutions Company» anerkannt. Grundlage dafür ist, dass Oatly mehr als 90 Prozent des Umsatzes mit Produkten erzielt, deren Klimaauswirkungen mindestens 50 Prozent unter dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Kategorie liegen. Bei der Marke schliessen sich Expansion und Nachhaltigkeit nicht aus. «Wir sehen unser Wachstum nicht als Widerspruch zum Klimaschutz, sondern als essenziellen Hebel dafür», sagt Svenja Fritz, General Manager von Oatly. Je mehr Menschen pflanzenbasierte Alternativen in ihren Alltag integrieren, desto stärker lassen sich solche Lösungen skalieren.
Gleichzeitig räumt Oatly ein, dass ein wesentlicher Teil der produktbezogenen Emissionen beim Anbau des Hafers entsteht. Die Transformation muss deshalb auch direkt auf dem Feld beginnen. Das «F.A.R.M. Programm» – kurz für «Future Agriculture Renovation Movement» – ist eine von mehreren Initiativen des Unternehmens, mit der die Transformation der Lebensmittelindustrie vorangetrieben wird. So will Oatly Anbaumethoden fördern und die Bodengesundheit, Biodiversität und Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe entlang der Lieferkette verbessern. Indem die Marke direkt beim Budget ansetzt, stärkt sie den Betrieben den Rücken. «Um die Kosten des Umstellungsprozesses auszugleichen, unterstützen wir Landwirte, die an unseren regionalen Programmen in Schweden und Kanada teilnehmen, finanziell», erklärt Fritz. Bis 2030 sollen mindestens hundert Haferbetriebe in wichtigen Beschaffungsregionen von der Hilfe profitieren, unter anderem durch den Zugang zu Beratungs- und Technikprogrammen. Das Ziel bis 2050 ist, so viele Produzenten bei der Umstellung auf regenerative Anbaumethoden zu unterstützen, dass die dadurch erzeugte Hafermenge 100 Prozent des eigenen Bedarfs entspricht. Dadurch sinken die Nettotreibhausgasemissionen des Hafers aus den jeweiligen Beschaffungsregionen um 94 Prozent.Beim Promarca Brand Sustainability Award 2026 wurde Oatly ebenfalls ausgezeichnet: Das Unternehmen erreichte den dritten Platz für seine konkrete Arbeit in der Lieferkette. Die Würdigung unterstreicht, dass Nachhaltigkeit nicht bei der Produktkommunikation enden darf, sondern die gesamte Wertschöpfungskette umfassen muss. Das Beispiel Oatly macht zugleich deutlich, dass die Umstellung auf regenerative Methoden für Bauernhöfe mit erheblichen finanziellen Herausforderungen verbunden ist. Die Unternehmen stehen in der Pflicht, sich aktiv an den Kosten und Risiken der Transformation zu beteiligen. Die Kombination einer stärkeren Hinwendung zu pflanzenbetonten Ernährungsweisen mit der konsequenten Einführung regenerativer Praktiken in der Rohstofferzeugung bildet einen wichtigen Baustein für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem – und für den Weg zu «Net Zero 2050».

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