Das eigene Vermögen einem unabhängigen Vermögensverwalter zu übergeben, bedeutet oft, sich auf eine einzige Person zu verlassen. Für die Studie «Independent Asset Managers in Switzerland 2026» befragte das Zürcher Forschungsunternehmen FIN 21 Ende 2025 rund 1000 unabhängige Vermögensverwalter. Von den 170 Rückmeldungen gaben 58 Prozent an, ihre Nachfolge sei nur teilweise oder gar nicht geregelt – und das in einer Phase, in der gleichzeitig immer mehr erfahrene Kundenberater von Banken in genau diesen Markt wechseln.
Der Autor
Florian Rümmelein, CEO und Mitgründer, Everon AG
Die neue Rolle der Bank
Lange kam im Private Banking alles aus einer Hand: der Berater, die Anlageentscheide, die Verwahrung der Wertschriften und der Quartalsbericht. Heute verlassen Kundenberater ihre Bank, um ihre Kundschaft als Unternehmer bei einem unabhängigen Vermögensverwalter weiter zu betreuen. Laut dem Branchenverband VSV konnten Ende April 2026 über 1400 Verwalter eine Bewilligung der Finma vorweisen. Wie viel sie verwalten, lässt sich nur schätzen. Der VSV rechnet mit rund 440 Milliarden Franken, die FIN-21-Studie geht von 887 Milliarden aus. Die Gründe für den Wechsel sind dabei unterschiedlich. Banken teilen grundsätzlich ihre Kunden nach Vermögen in Betreuungsmodelle ein. Nach einer Reorganisation betreut der langjährige Berater häufig andere Kunden. Andere Berater wollen Anlagen und Depotbank nach dem Bedarf der Kundschaft auswählen statt nach der Produktpalette einer Bank. Möglich macht den Schritt die Technologie: Portfoliomanagement, Risikoüberwachung, Kontrollen und ein Reporting über mehrere Geldinstitute hinweg lassen sich heute auch ausserhalb einer Bank betreiben. Lange brauchte es dafür deren Systeme.
Partner-Inhalte
Werbung
Wichtig: Die Bank verschwindet dabei nicht, sie ändert ihre Rolle. Das Vermögen liegt weiterhin in ihrem Depot, auf den Namen des Kunden. Die Bank verwahrt die Wertschriften, führt die Aufträge des Verwalters aus, gewährt Lombardkredite und Hypotheken und erstellt den Steuerauszug. Der Verwalter erhält eine beschränkte Vollmacht, mit der er anlegen, aber in der Regel kein Geld an Dritte überweisen kann. Wertschriften im Depot gehören so nicht zur Konkursmasse der Bank. Kontoguthaben sind durch die Einlagensicherung bis 100'000 Franken pro Kunde und Bank geschützt. Einige Banken, etwa Lombard Odier, LGT und Pictet, führen für das Geschäft mit externen Verwaltern eigene Einheiten.
Die unternehmerischen Möglichkeiten
Wer sich selbstständig macht, gründet seit dem Finanzinstitutsgesetz von 2020 ein bewilligtes Finanzinstitut, mit Aufsichtsorganisation, Prüfgesellschaft, Mindestkapital, Compliance und Risikomanagement. Im Median hat die typische Firma laut VSV gut drei Vollzeitstellen. In der FIN-21-Studie sind 63 Prozent der Eigentümer über fünfzig Jahre alt. Ein Teil der erfahrenen Berater schliesst sich deshalb einem etablierten Vermögensverwalter an. Sie sind dort angestellt oder beteiligt, führen die Kundenbeziehung weiter und arbeiten unternehmerisch, während die Firma Bewilligung, Compliance, Risikomanagement, Anlageteam und Reporting unter sich hat. In Gesprächen mit Kundenberatern, die einen solchen Wechsel erwägen, kommt oft die Sorge zur Sprache, ob Kunden danach so gut betreut sind wie bei einer Bank. Die Antwort ist: Ob ein Vermögensverwalter bewilligt ist und welche Aufsichtsorganisation ihn überwacht, zeigt das öffentliche Register der Finma. Ebenso wichtig ist der Anlageprozess – also ein Anlagekomitee, dokumentierte Entscheide und eine Risikokontrolle, die nicht beim Berater selbst liegt. Zu klären ist schliesslich, was mit dem Mandat geschieht, wenn der Berater krank wird oder in Pension geht. Es ist zu erwarten, dass in zehn Jahren deutlich mehr Schweizer Privatvermögen von Beratern betreut werden, die nicht bei der Bank angestellt sind, bei der das Geld liegt. Für Kunden heisst dies, dass sie zwei Entscheide treffen: wem sie ihr Vermögen anvertrauen und wo es verwahrt wird.
An dieser Stelle findest du einen ergänzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.
Werbung
Push Benachrichtigungen
Erhalten Sie Push-Benachrichtigungen für die neusten News und Updates.