Die Schweiz verteidigt seit Jahren ihren Spitzenplatz als innovativste Volkswirtschaft der Welt. Doch hinter den glänzenden Statistiken des Global Innovation Index (GII) verbirgt sich eine wachsende Kluft: Während Grosskonzerne die Rankings dominieren, gerät das Rückgrat der Wirtschaft – die KMU – zunehmend unter Druck. «Das Topranking der Schweiz im Innovationsindex vermittelt teilweise ein falsches Bild», sagt etwa Robert Rudolph, CEO des Park Innovaare in Villigen. Seine Erfahrung zeigt: Die Innovationsdynamik bei KMU entwickelt sich schwächer als im Ausland. Um im globalen Technologiewettbewerb zu bestehen, brauchen KMU mehr als nur gute Rahmenbedingungen; sie brauchen den direkten Zugang zu einem dichten Ökosystem aus Forschung und Industrie.
Rudolph weiss, wovon er spricht. Sein Park Innovaare ist gewissermassen ein Deep-Tech-Innovationszentrum von internationalem Format mit Schwerpunkten in hochkomplexen Schlüsseltechnologien von der Quantenphysik bis zur Energienachhaltigkeit. Das Ökosystem des Parks fungiert als Katalysator, indem es kritische Masse auf engstem Raum konzentriert. Durch diese unmittelbare physische Nähe von über dreissig angesiedelten Grossunternehmen, KMU, Start-ups sowie Forschenden des Paul Scherrer Instituts (PSI) entstehen spontane Begegnungen und Kooperationen, die an weitläufigeren Standorten kaum denkbar wären. Mieter erhalten nicht nur Zugang zu einem breiten Netzwerk, Fachveranstaltungen und zur Marke «Switzerland Innovation», sondern profitieren auch von einer unmittelbaren Nachbarschaft, welche die Sichtbarkeit bei Investoren massiv erhöht.
Direkter Draht zur Spitzenforschung
«Im Kanton Aargau besteht ein enges Netzwerk aus unterschiedlichen Organisationen, wenn es um die Förderung von jungen Unternehmen geht», fährt Rudolph fort. «Als Park Innovaare tauschen wir uns regelmässig mit der Standortförderung des Kantons, der Städte Aarau und Baden, der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, des Hightechzentrums und vielen anderen Organisationen aus.» Unterstützung erhalten Unternehmen auch direkt beim Paul Scherrer Institut (PSI), dem zur ETH gehörenden multidisziplinären Forschungsinstitut für Natur- und Ingenieurwissenschaften der Schweiz. John Millard ist beim PSI Leiter Technologietransfer und damit verantwortlich für den Transfer von der Forschung in die Industrie. «Unser Ansatz ist grundsätzlich problemorientiert: Wir beginnen damit, die spezifische Herausforderung eines Unternehmens zu verstehen, und identifizieren dann, welche Kompetenzen, Technologien oder Infrastrukturen am PSI darauf anwendbar sind», erklärt Millard.
Gehe es um die Entwicklung von etwas Neuem, werde innerhalb des PSI nach dem passenden Partner gesucht und würden die technischen Fachleute des Unternehmens mit den eigenen Wissenschaftlerinnen und Experten zusammengebracht. Dabei kann sich Millard auf eine zentrale Stärke des PSI berufen: auf die rund 2300 Mitarbeitenden aus unterschiedlichsten Disziplinen und auf eine einzigartige Infrastruktur inklusive Zugriff auf den gesamten ETH-Bereich. Millard: «Ergänzend stützen wir uns auf eine enge und gut eingespielte Zusammenarbeit mit regionalen Partnern wie dem Hightech Zentrum Aargau, dem Technopark und den kantonalen Standortförderungsstellen – wir arbeiten nach dem Prinzip der offenen Tür: Unternehmen sind eingeladen, mit jeder technologischen Frage an uns heranzutreten. Der Einstieg ist bewusst niederschwellig gehalten.»
Zusammenspiel ist entscheidend
Und welche Erfolgsfaktoren sind unabdingbar, damit die Innovationskraft erhalten werden kann? John Millard: «Aus meiner Sicht beruht nachhaltige Innovation auf drei eng miteinander verknüpften Elementen: exzellente Grundlagenforschung, verlässliche Rahmenbedingungen und gut funktionierende Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Industrie. Keines dieser Elemente genügt für sich allein; es ist ihr Zusammenspiel, das letztlich darüber entscheidet, ob neues Wissen in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen umgewandelt wird.» Für Millard ist ein oft unterschätzter Faktor die Kultur des Austausches: «Innovation gedeiht dort, wo Menschen aus verschiedenen Disziplinen und mit unterschiedlichen Hintergründen miteinander in Kontakt treten. Die Wirtschaftsregion Baden und die Entstehung von Innovationszentren wie dem Park Innovaare, dem Technopark und dem Hightech Zentrum Aargau zeigen, wie wichtig räumliche Nähe, Vertrauen und gewachsene Netzwerke sind.» Diese geografische und fachliche Dichte macht deutlich: Innovationsförderung ist nicht nur eine Frage von Programmen oder Förderinstrumenten, sondern auch eine Frage der Haltung: Offenheit, Kooperationsbereitschaft und der Mut, gemeinsam neue Wege zu beschreiten.