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Gastbeitrag

Strom oder Diesel – final geht es um die Gesamtrechnung

Was ein Nutzfahrzeug heute wirklich kostet, zeigt sich erst über die Jahre.

Elektrifiziertes Vorzeigemodell von Maxus: der eDeliver 7.
Elektrifiziertes Vorzeigemodell von Maxus: der eDeliver 7.Maxus

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Der Kaufpreis täuscht. Was ein Lieferwagen wirklich kostet, zeigt sich erst über Jahre – bei Energie, Wartung, Nutzlast und Restwert. Für Schweizer Gewerbebetriebe zählt daher nicht die Antriebsfrage an sich, sondern der konkrete Einsatz: Wie weit fährt das Fahrzeug, wo kann es laden, was muss es transportieren? Grosse Flotten planen die Elektrifizierung oft strategisch, kleinere Betriebe entscheiden häufig nach Auftrag, Standort und Budget. In beiden Fällen macht erst das Einsatzprofil den Vergleich zwischen Diesel und Elektro aussagekräftig.

Der Autor

Martin Weltrich, Brand Director, Maxus Schweiz

Ein Vergleich über acht Jahre

Was das in Franken bedeutet, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel für einen Handwerksbetrieb: Ein Transporter legt jährlich 25'000 Kilometer zurück und bleibt acht Jahre im Einsatz. Verglichen werden ausschliesslich hypothetische Verbrauchs- und Energiepreisannahmen, keine bestimmten Fahrzeugmodelle oder Marktmittelwerte. Bei beispielhaft 9 Litern Diesel pro 100 Kilometer und 2 Franken je Liter ergeben sich jährlich 4500 Franken Treibstoffkosten. Für einen Elektrotransporter mit angenommenen 30 Kilowattstunden pro 100 Kilometer und Strom zu 25 Rappen je Kilowattstunde sind es 1875 Franken. Über acht Jahre entspricht dies 36 '000 beziehungsweise 15'000 Franken Energiekosten. Die rechnerische Differenz beträgt 21'000 Franken. Die gewählten Werte dienen nur der Veranschaulichung.

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Die Energiedifferenz ist noch kein TCO-Vorteil. In die Gesamtrechnung gehören auch Anschaffung oder Leasing, Wartung, Motorfahrzeugsteuer, Versicherung, Ladeinfrastruktur und der geschätzte Restwert. Die Beschaffungskonferenz des Bundes (BKB) empfiehlt, bei Beschaffungen die Lebenszykluskosten zu betrachten. Die Gesamtkosten ergeben sich aus den Anschaffungskosten und den laufenden Kosten einschliesslich Ladeinfrastruktur, abzüglich des Restwerts. Erst mit konkreten Fahrzeugangeboten lassen sich daraus vergleichbare Gesamtkosten und Rappen pro Kilometer ableiten. Günstiger Solarstrom verbessert die Bilanz, häufiges Schnellladen kann sie verschlechtern.

Hier bleibt Diesel sinnvoll

Eine Sanitärfirma mit planbaren regionalen Einsätzen kann ihre Fahrzeuge nach Feierabend im Betrieb laden. Das reduziert den Bedarf an öffentlichen Ladestationen und macht die Energiekosten berechenbarer. Bei einem Bauunternehmen mit ständig wechselnden Baustellen, langen Anfahrten und regelmässigem Anhängerbetrieb kann dagegen ein Diesel die praktikablere Lösung sein. Entscheidend ist jeweils, was ein Fahrzeug an einem Arbeitstag tatsächlich leisten muss.
Seit dem 1. Oktober 2026 gelten in der Schweiz für bestimmte elektrische Lieferwagen bis 4,25 Tonnen Erleichterungen. Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) entfällt unter gewissen Voraussetzungen die Fahrtschreiberpflicht; im Binnenverkehr gelten Ausnahmen von den Arbeits-, Lenk- und Ruhezeitvorschriften. Damit lässt sich das Batteriegewicht eher durch ein höheres Gesamtgewicht auffangen. Die konkrete Zulassung und Nutzlast bleiben zu prüfen. Für Werkhöfe, Gartenbaubetriebe oder Lieferdienste ist der Aufbau oft ebenso wichtig wie der Antrieb: Dreiseitenkipper, Brücken und Kofferaufbauten bestimmen den Arbeitsablauf. Wo vergleichbare Lösungen für Diesel- und E-Fahrzeuge zur Verfügung stehen, kann eine Umstellung fahrzeugweise erfolgen. Allerdings müssen Gewicht, Nutzlast und allfällige Stromversorgung des Aufbaus bei jeder Konfiguration neu beurteilt werden. Eine belastbare Beschaffung beginnt mit fünf Fragen: Wie weit fährt der Transporter täglich, und wie planbar sind die Touren? Wo kann er laden und zu welchen Kosten? Welche Nutzlast, Anhängelast und Einrichtung braucht er? Wie lange bleibt er im Betrieb, und welcher Restwert ist realistisch? Welche Anforderungen stellen Auftraggeber an Emissionen und Zufahrt? Wer diese Punkte pro Einsatz bewertet, kann Diesel und Elektro sachlich miteinander vergleichen und seine Flotte gezielt dort umstellen, wo es betrieblich und wirtschaftlich sinnvoll ist.

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