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Meinung

Die Schweiz soll nicht nur mitfliegen

Von Marsmotoren bis Mondzeit: Die Schweiz hat Talente, Technologie und Kapital mit langem Atem – und prägt so die Weltrauminfrastruktur mit.

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Geri Born

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Der Börsengang von Space X hat das Weltraumgeschäft in den Fokus gerückt und unter Investoren die Angst ausgelöst, etwas zu verpassen. Das überrascht nicht, geht es dabei doch um Raketen, eine Billionenbewertung und den Mars.

Über die Autorin

Nicole Herzog ist Tech-Unternehmerin, Privatinvestorin und Mitglied des Advisory Board von ESA BIC Switzerland.
Während alle Augen auf Space X gerichtet sind, ist der Weltraum schon längst in der traditionellen Schweizer Wirtschaft angekommen. Sie liefert nicht das spektakuläre Endprodukt, aber missionskritische Komponenten wie Beschichtungen, Sensoren und Satellitenkomponenten. Manche Wege ins All sind hingegen überraschend. Bcomps Weg führt von Flachsverbundstoffen im Ski bis zu einem Testpanel für Satellitenstrukturen. Maxon begann mit Scherfolien für Rasierapparate. Seit 1997 kamen mehr als hundert seiner Elektromotoren auf dem Mars zum Einsatz. Daneben bauen Schweizer Start-ups Satelliten, entwickeln Transporte zwischen Umlaufbahnen und bringen Rechenleistung in den Orbit.

Die Schweiz sollte den Takt mitbestimmen

Teil einer globalen Lieferkette zu sein, ist gut. Dadurch kann eine breite Basis von Unternehmen vom Weltraum als neuem Absatzmarkt profitieren. Das garantiert der Schweiz aber weder strategischen Einfluss noch einen grossen Anteil an der Wertschöpfung. Die Schweiz setzte bisher vor allem auf internationale Programme statt auf eigene grosse Systeme. Die erfolgreichsten Unternehmen der Schweizer Uhren- und Pharmaindustrie zeigen jedoch, dass dauerhafte Wertschöpfung dort entsteht, wo Unternehmen ihr zentrales Know-how, ihre Produkte und ihren Marktzugang selbst kontrollieren.

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Im September erreichte das deutsche Start-up Isar Aerospace bei seinem zweiten Flug mit der eigenen Rakete von Kontinentaleuropa aus den Orbit und setzte Satelliten aus. Und die Schweiz? Bleibt sie eine exzellente, aber weitgehend unsichtbare Zulieferin? Oder setzt sie auf ihre spezifischen Stärken und baut ausgewählte kritische Infrastruktur selbst auf?
Der Weltraum wird gerade zur Infrastruktur: Nasa und ESA treiben Navigations- und Kommunikationsnetze rund um den Mond voran, und auch Energieversorgung ist in Planung. Wer dort operiert, ob staatlich, wissenschaftlich oder kommerziell, braucht dafür eine gemeinsame Zeitreferenz. Offen bleibt, wer die Zeit physisch auf dem Mond misst. Das ist unsichtbare Infrastruktur, in der Schweizer Stärken zusammenkommen: Präzision und Verlässlichkeit in der Technik. Und das Vertrauen in die Institutionen dahinter. Technisch könnte die Schweiz das. Die Frage ist eine andere.
Die Software-Ära hat eine Schwäche der Schweiz sichtbar gemacht: zu wenig Wachstumskapital. Doch nicht jedes Deeptech- oder Infrastrukturvorhaben lässt sich im Zeithorizont eines klassischen Fonds aufbauen. Dafür braucht es Kapital, das langfristig investiert und nicht vom Ausstieg her denkt.

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Die Schweiz verfügt über industrielle Substanz, exzellente Forschung, insbesondere an der ETH Zürich und der EPFL, herausragende Talente, eine unternehmerische Tradition und langfristig orientiertes Kapital. Das wirtschaftliche Potenzial des Weltraums ist unübersehbar. Jetzt geht es darum, die Stärken auf ausgewählte strategische Felder zu konzentrieren. Die Weltrauminfrastruktur wird mit oder ohne uns gebaut. Die Schweiz kann sich darauf beschränken, weiterhin zuverlässig mitzuliefern. Oder sie kann dort, wo Präzision, Vertrauen und Weitsicht zählen, den Takt mitbestimmen.

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