Wenn der Lift im Hochregallager Waren verschiebt oder Maschinen Bewehrungsstahl biegen, läuft der Stromzähler der Spaeter AG in Sins auf Hochtouren. Ähnlich bei der Aluminium Laufen AG Liesberg, wenn die Produktion im Presswerk und in der Giesserei läuft. Zwei unterschiedliche KMU, eine gemeinsame Ausgangslage: Sie verbrauchen tagsüber viel Strom – genau dann, wenn Photovoltaikanlagen am meisten Energie liefern.
David Stickelberger, Senior Politikberater, Swissolar
Dies sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für die Nutzung von Solarenergie. Denn die Unternehmen können einen grossen Teil des Stroms direkt selbst verbrauchen. Damit stabilisieren sie die Energiekosten auf lange Sicht und werden unabhängiger von schwankenden Marktpreisen. Gerade für energieintensive Unternehmen ist diese Planbarkeit entscheidend. Zwar sind die Strompreise nach der Energiekrise wieder gesunken, doch langfristig bleiben die Entwicklungen unsicher. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Grossverbraucher: Leistungsspitzen («Peaks») können künftig deutlich höhere Kosten verursachen.
Langfristige Strategie
Diese Überlegungen sind für die Spaeter AG entscheidende Gründe, Solarenergie zu nutzen. Das Unternehmen verfolgt dabei eine breit abgestützte Nachhaltigkeitsstrategie: Photovoltaikanlagen wurden bereits an mehreren Standorten installiert, zwei Elektrolastwagen sind im Einsatz, und weitere sollen folgen. Die neueste Anlage in Sins, die im September 2026 in Betrieb geht, übertrifft alle bisherigen in ihrer Grösse. «Wir haben rund 14 000 Quadratmeter Dachfläche, die wir sanieren mussten», erklärt Hans-Rudolf Fuhrer, Projektleiter von Spaeter – eine ideale Gelegenheit für die Installation einer Photovoltaikanlage.
«Doch eine so grosse Anlage wollten wir nicht aus Eigenmitteln finanzieren.» Deshalb entschied sich Spaeter für ein Contracting-Modell. Dabei investiert nicht das Unternehmen selbst in die Solaranlage, sondern ein externer Contractor. Dieser plant, finanziert und betreibt die Anlage. Der Kunde stellt die Dachfläche zur Verfügung und bezieht den Solarstrom direkt vom eigenen Dach. «Für die nächsten dreissig Jahre haben wir einen fixen Strompreis», sagt Fuhrer. Dieser liege deutlich unter dem aktuellen Strompreis. «Und: Der Contractor trägt das gesamte Risiko, wir müssen uns um nichts kümmern.»
Um günstige Preise zu erzielen, braucht es heutzutage intelligente, flexible Systeme, die einen hohen Eigenverbrauch ermöglichen. Der Fachplaner Volton Engineering schlug dem Contractor Romande Energie deshalb vor, bei Spaeter einen Energiespeicher zu realisieren. Parallel dazu optimiert Spaeter seinen Energiebezug mit intelligenten Steuerungen. So sollen beispielsweise grosse Maschinen oder Lifte im Hochregallager sequenziell anlaufen, um unnötige Spitzen zu vermeiden. Alles in allem wird das Unternehmen rund die Hälfte der Solarstromproduktion selbst nutzen. «Wir können rund 70 Prozent unseres gesamten Stromverbrauchs mit Solarstrom vom eigenen Dach decken und unsere CO2-Emissionen jährlich um 124 Tonnen senken», freut sich Fuhrer.
Das grosse Dach bietet aber ein viel grösseres Potenzial, als Spaeter selbst nutzen kann. Deshalb wird eine zweite Solaranlage ohne Eigenverbrauch realisiert. Solche Anlagen erhalten höhere Förderbeiträge als Eigenverbrauchsanlagen. «Das erlaubt uns, das gesamte Dachpotenzial zu aktivieren und die Erlöse so zu strukturieren, dass der Kunde für den Eigenverbrauchsstrom einen günstigeren Preis erhält», so Markus Vogt von Romande Energie. Beide Anlagen produzieren zusammen jährlich rund 2,6 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom – genug für über 600 Haushalte.
Planungssicherheit für 25 Jahre
Auch die Aluminium Laufen AG in Liesberg realisierte ihre Solaranlage im Contracting. Pro Jahr produziert die von der IWB finanzierte Anlage rund 1,9 Millionen Kilowattstunden Solarstrom, die das Unternehmen zu 100 Prozent selbst verbraucht. «2024 konnten wir 90 000 Franken Energiekosten sparen», so CFO Roger Thomann. Mit den gesunkenen Strompreisen seien die Einsparungen zwar nicht mehr so hoch – aber: «Mit dem Contracting fixieren wir einen Teil unserer Stromkosten, ohne dass zusätzlicher Aufwand für den Unterhalt der Anlage entsteht», sagt Thomann.
Doch nicht nur für Grossanlagen kann Contracting eine interessante Möglichkeit sein, wie das Beispiel der Condecta AG am Standort Bern-Bümpliz zeigt. Das Traditionsunternehmen realisierte eine vergleichsweise kleine Solaranlage mit Batterie und Elektroladestationen im Contracting. Der Clou bei diesem Projekt von Solarify: Mitarbeitende und Nachbarschaft können sich über ein Crowd-Investment an der Finanzierung der Anlage beteiligen und eine nachhaltige Rendite erzielen.