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Fachkräftemangel

Mint macht Schule

Warum Mint an Basler Sekundarschulen weit mehr ist als nur ein Wahlpflichtfach.

Wilma Fasola

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In Basel-Stadt kommen Schüler früh mit dem Thema Mint in Kontakt. Getty Images

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Die Sekundarschule Sandgruben in Basel gehört mit über fünfhundert Schülerinnen und Schülern zu den drei grössten Sekundarschulen des Kantons Basel-Stadt – und sie setzt bewusst auf neue Lernformen. Im Zentrum steht ein Bildungsmodell, das über den klassischen lehrerzentrierten Unterricht hinausgeht: das altersdurchmischte Lernen. Schulleiterin Ellen Pähler betont die Bedeutung des sozialen Lernens: «Da Jugendliche besonders stark mit- und voneinander lernen, rückt die Interaktion in den Mittelpunkt des Schulalltags.» Daher wird in vielen Fächern bewusst in niveaudurchmischten Gruppen gearbeitet, um die Vielfalt der Lernenden gezielt zu nutzen.
Wie dieser Ansatz konkret wirkt, zeigt sich besonders im Wahlpflichtfach Mint (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Seit einigen Jahren ist es in Basel-Stadt fest im Schulalltag verankert. Grundlage bilden acht speziell entwickelte Module, die fächerübergreifende Fragestellungen aus der Lebenswelt der Jugendlichen aufgreifen. «Das Fach unterscheidet sich durch seine konsequente Praxisorientierung grundlegend vom klassischen, oft als trocken empfundenen Unterricht», sagt Ellen Pähler. Statt isolierter Theorie stehen Projekte wie der Bau von Papierfliegern, Wasserrädern oder die Entwicklung von Kartenspielen im Mittelpunkt. Der modulare Aufbau soll nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch die Freude an technischen und naturwissenschaftlichen Themen fördern.

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Lernen für eine bewegte Arbeitswelt

Diese praxisorientierte Herangehensweise ist eine bewusste Investition in die Zukunft. Basel ist als Zentrum der Life Sciences und als Innovationsstandort auf junge Talente angewiesen, die mehr können, als Standardaufgaben abzuarbeiten. «Der Mint-Unterricht vermittelt Kompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken; Fähigkeiten, die heute in fast jedem Beruf gefragt sind», sagt die Schulleiterin. «Die Jugendlichen lernen, im Team Lösungen zu entwickeln und ihre Vorgehensweisen laufend zu reflektieren.» In einer zunehmend komplexen Welt ist das entscheidend. Anders als klassische Schulmathematik von früher, die oft nur «richtig oder falsch» kannte, arbeitet Mint mit offenen Ergebnissen. «Die Jugendlichen entwickeln Messkampagnen, überprüfen Hypothesen und lernen, mit Unsicherheiten umzugehen – ein Mindset, das sie für den Arbeitsmarkt von morgen wappnet», fasst Ellen Pähler zusammen. Der Anspruch der Schulleitung geht jedoch weiter. Was sich an der Sekundarschule Sandgruben zeigt, ist Teil einer Entwicklung, die in der gesamten Schweiz an Bedeutung gewinnt. Es braucht eine neue Lernkultur. Konzepte wie das altersdurchmischte Lernen oder der Clustergedanke sind hier konkrete Antworten. Ellen Pähler, die selbst einen wissenschaftlichen Hintergrund in Toxikologie hat und später als Quereinsteigerin in die Schule kam, beobachtet einen fundamentalen Wandel: «Wenn man sich heute die gesellschaftlichen Entwicklungen anschaut und bedenkt, wie schnell sich Berufsbilder verändern und wie rasch sich auch das Basiswissen wandelt, dann ist die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt.» Für sie ist die Schule von heute kein Ort des reinen Auswendiglernens mehr. «Früher war es relativ einfach: Man hat eine Liste abgearbeitet. Wenn man das konnte, hatte man eine gute Note. So geradlinig ist die Welt heute nicht mehr», sagt Ellen Pähler.

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Regionales Talentmanagement

Für den Wirtschaftsstandort Basel ist dieser Wandel von grosser Bedeutung. Es geht darum, das Potenzial der heranwachsenden Generation frühzeitig zu binden. Die Region Basel steht im Wettbewerb um die besten Köpfe – nicht nur mit internationalen Zentren, sondern auch mit den technischen Spitzenuniversitäten wie der ETH Zürich oder der EPFL Lausanne. Wenn Basler Talente bereits in der Sekundarschule für Forschung, Innovation und Gestaltung begeistert werden, steigen die Chancen, dass sie der Region auch für ihre spätere Ausbildung und Karriere erhalten bleiben.
Das Fach Mint leistet dabei wichtige Vorarbeit, indem es die Schwellenangst vor komplexen Themen abbaut. «Wir wollen die Neugier fördern und den Mut wecken, neue Wege zu gehen», betont Ellen Pähler. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jeden Schüler oder jede Schülerin zum Forscher zu machen, sondern eine Haltung zu stärken, die in der modernen Arbeitswelt unverzichtbar ist: die des Problemlösers. «Egal, ob man handwerklich arbeitet, einen Bürojob ausübt oder in einem hochkomplexen wirtschaftlichen Sektor tätig ist, überall braucht es kreative Lösungen im Team», so die Schulleiterin. Die Sekundarschule Sandgruben zeigt damit, dass Schule heute nicht nur Wissen vermittelt, sondern das Ziel verfolgt, junge Menschen zu befähigen, die dynamischen Herausforderungen der Zukunft aktiv mitzugestalten. In einer Zeit, in der Innovation zu den wichtigsten Treibern der Basler Wirtschaft gehört, ist das auch bildungspolitisch ein starkes Signal.

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