Wir alle bringen Bedürfnisse, Erwartungen, Erfahrungen und Motive mit. Sie beeinflussen, was unsere Aufmerksamkeit gewinnt, was für uns Bedeutung bekommt und wie wir Marken wahrnehmen. Emotion ist deshalb kein Effekt, den Marketing einer Botschaft einfach hinzufügen kann. Gerade jetzt lohnt sich diese Unterscheidung. Daten, KI und Personalisierung machen Marketing immer präziser. Wir wissen zunehmend besser, wer wann worauf reagiert. Doch Verhalten zu kennen, bedeutet noch nicht, Menschen zu verstehen. Sichtbarkeit und Reichweite werden gerne mit Relevanz verwechselt. Auch ein Klick zeigt zunächst nur, was jemand getan hat – nicht, warum es für diesen Menschen von Bedeutung war. Die interessantere Frage lautet deshalb nicht: Wie machen wir Kommunikation noch emotionaler? Sondern: Was bewegt Menschen – und was davon ist für unsere Marke relevant? Wer Motive und Bedürfnisse versteht, hat zunächst eine Erkenntnis. Wirkung entsteht daraus noch nicht. Sie entwickelt sich erst dort, wo dieses Verständnis auf das trifft, was eine Marke glaubwürdig verspricht und erlebbar macht. Menschen mit dem gleichen Verhalten können aus völlig unterschiedlichen Motiven handeln. Wer nur auf das sichtbare Verhalten reagiert, riskiert deshalb, immer präziser am eigentlichen Bedürfnis vorbeizukommunizieren.
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Der Autor
Thomas Volprecht, Management, Standing Ovation AG
Es braucht die konkrete Erfahrung
Für Marken wird daher zukünftig nicht entscheidend sein, wie viel sie über ihre Zielgruppen wissen, sondern ob sie verstehen, was für diese Menschen wirklich relevant ist – weilgenau hier Experience beginnt. Nicht als Inszenierung einer Botschaft, sondern als Übersetzung von Relevanz in konkrete Erfahrung. Denn nicht alles, was wirkt, stärkt die Marke. Und nicht alles, was zur Marke passt, wirkt. Ein relevantes Markenerlebnis braucht beides: das «Was» der Marke und das «Warum» der Menschen. Besonders deutlich wird das dort, wo Menschen Marken unmittelbar erleben. Nicht weil physische Begegnungen automatisch emotionaler wären als digitale. Sondern weil Menschen dort nicht nur Botschaften empfangen: Sie begegnen Menschen, treten in einen Dialog, reagieren, beteiligen sich und erleben gemeinsam mit anderen. Live Communication schafft genau solche Räume. Menschen sind hier nicht nur Empfänger einer Botschaft, sondern Teil dessen, was entsteht. Sie können reagieren, mitgestalten oder auch widersprechen. Das macht diese Erfahrungen weniger kontrollierbar als die nächste perfekt personalisierte Botschaft. Und das ist kein Nachteil. Denn Resonanz lässt sich ohnehin nicht programmieren. Marketing muss Emotionen also vielleicht gar nicht erzeugen. Es sollte sie vielmehr besser verstehen.