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Gastbeitrag

Nachfolge ist ein Prozess, kein Ereignis

Wer die Nachfolge zu lange aufschiebt, bezahlt dafür – mit weniger Handlungsspielraum, höherer Steuerbelastung und einer Übergabe, die unnötig schwer zu finanzieren ist.

Davide Coppola,

Nadia Bögli

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Mit einer frühzeitigen Planung glückt die erfolgreiche Schlüsselübergabe im Unternehmen. Getty Images

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Viele Unternehmerinnen und Unternehmer behandeln die Nachfolge wie einen Schlusspunkt. Erst wenn der Rückzug konkret wird, rücken Fragen zu Käuferkreis, Transaktionsstruktur, Bewertung und Timing in den Fokus. Die entscheidenden Weichen für eine erfolgreiche Nachfolgelösung werden jedoch deutlich früher gestellt – oft unbemerkt: beim Umgang mit Liquidität, in der privaten Vorsorge, in der Unternehmensstruktur und im trügerischen Vertrauen darauf, dass ein späterer Verkaufserlös allfällige Vorsorge- oder Vermögenslücken schliessen wird.
Die Autoren
Nadia Bögli und Davide Coppola, Co-Regionenleiter Mittelland bei PensExpert
Gerade bei KMU zeigt sich ein typisches Muster: Gewinne werden über Jahre im Unternehmen thesauriert, um Eigenkapital und Bilanz zu stärken. Gleichzeitig bleibt die berufliche Vorsorge auf Minimalniveau, freiwillige Einkäufe werden aufgeschoben, und überschüssige Liquidität wird als vermeintliche Sicherheitsreserve in der Gesellschaft belassen.
Aus finanzökonomischer Sicht ist diese Entwicklung jedoch oft problematisch, denn ein Unternehmen wird nicht automatisch attraktiver, nur weil es bilanziell «schwerer» wird. Im Gegenteil: Nicht betriebsnotwendige Substanz erhöht die Unternehmensbewertung – und damit den Kaufpreis, den Nachfolger finanzieren müssen. Die Folge sind Transaktionen, die kapitalintensiver, steuerlich ineffizienter und operativ schwerer umsetzbar werden. Gleichzeitig bleiben Potenziale in der privaten Vorsorge und bei der Steueroptimierung ungenutzt. Das Resultat ist eine Übergabe, die sowohl den Käufer als auch den Verkäufer unnötig belastet.

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Die eigene Vorsorge aktiv steuern

Ein Praxisbeispiel aus dem Mittelland verdeutlicht diese Ausgangslage: Ein Unternehmen mit rund vierzig Mitarbeitenden plante die Nachfolge innerhalb von fünf Jahren im Rahmen eines Management-Buy-outs an drei langjährige Kadermitarbeitende. Operativ war die Firma solide aufgestellt – mit stabilen Kundenbeziehungen und kontinuierlicher Gewinnentwicklung.
Die vertiefte Analyse zeigte jedoch ein strukturelles Problem: Die Bilanz war zu schwer. Hohe liquide Mittel, über Jahre aufgebautes Eigenkapital und eine sehr schlanke Vorsorgelösung für die Inhaber führten zu einer unausgewogenen Ausgangslage. Für die potenziellen Nachfolger hätte dies einen überhöhten Finanzierungsbedarf bedeutet. Ein erheblicher Teil des gebundenen Kapitals war für den operativen Betrieb nicht erforderlich. Gleichzeitig war die private Vorsorge der Eigentümer unzureichend aufgebaut: Es gab keine gezielten Pensionskasseneinkäufe, keine steuerlich optimierten Entnahmen und auch keine abgestimmte Planung der Einkommens- und Vermögenssituation nach der Übergabe.
In solchen Konstellationen scheitern Nachfolgelösungen besonders häufig – nicht wegen des Geschäftsmodells, sondern wegen einer fehlenden Abstimmung zwischen Unternehmensstruktur, Finanzierungsfähigkeit und privater Vermögens- und Vorsorgeplanung. Wer über Jahre primär in die Firma investiert und gleichzeitig Vorsorge und Liquiditätsabbau vernachlässigt, reduziert die eigenen strategischen Optionen erheblich.

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Eine tragfähige Lösung entsteht nur selten durch eine einzelne Massnahme, sondern durch einen strukturierten, mehrjährigen Prozess. Dazu zählen der gezielte Abbau überschüssiger Liquidität, die Optimierung der Vorsorgestruktur, gestaffelte Pensionskassen- einkäufe, eine steuerlich abgestimmte Lohn- und Dividendenpolitik sowie – je nach Ausgangslage – rechtliche oder finanzielle Restrukturierungen.
Ebenso zentral für eine gute Nachfolgeplanung ist eine integrierte Finanzplanung: Sie zeigt auf, wie sich unterschiedliche Bewertungen, Übergabezeitpunkte, Einkommensstrategien und steuerliche Effekte über mehrere Jahre hinweg auswirken. Erst diese Gesamtsicht schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Frühzeitiges Planen schafft Optionen

Der wichtigste Hebel ist der Faktor Zeit. Viele Massnahmen – von Pensionskasseneinkäufen über Anpassungen in der Kaderstruktur bis hin zu steueroptimierten Entnahmestrategien oder rechtlichen Umstrukturierungen – benötigen mehrere Jahre Vorlauf. Gesetzliche Sperrfristen und steuerliche Rahmenbedingungen lassen sich nicht kurzfristig umgehen.
Hinzu kommt ein zunehmend anspruchsvolles Umfeld: Fachkräftemangel, strengere Finanzierungsanforderungen, steigende Erwartungen an Governance und Digitalisierung sowie veränderte Ansprüche jüngerer Generationen erhöhen die Komplexität zusätzlich. Eine Nachfolgeplanung, die sich primär am Verkaufspreis orientiert, greift in diesem Kontext zu kurz.

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Eine frühzeitige Nachfolgeplanung erweitert den Handlungsspielraum. Sie verschiebt den Fokus weg vom reinen Verkaufserlös hin zur zentralen Frage: Welche Kombination aus Struktur, Vorsorge, Steuern und Finanzierung macht eine Übergabe nachhaltig tragfähig? Wer diese Fragen fünf bis zehn Jahre vor dem geplanten Rückzug angeht, schafft die Voraussetzungen für eine Lösung, die finanziell funktioniert – und den eigenen Lebensentwurf nach der Übergabe ebenso berücksichtigt wie die Perspektiven der Nachfolgenden.

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