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Gastbeitrag

Der KI-Investitionszyklus wird global

Der KI-Boom dürfte den globalen Wirtschaftszyklus verlängern.

Halbleiter werden in zweifacher Hinsicht zur neuen Währung.
Halbleiter werden in zweifacher Hinsicht zur neuen Währung.Getty Images

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Was in den USA begann, ist längst ein globales Phänomen: Die US-Investitionen in IT-Hardware und Software stiegen auf rund 5 Prozent des Bruttoinlandprodukts – deutlich über den Höchststand Ende der 1990er-Jahre. Europa und Asien ziehen zeitverzögert nach. Unternehmen wie auch Staaten, die ihre strategische Autonomie bei Halbleitern, Energie und Rohstoffen fördern, investieren weitgehend konjunkturunabhängig. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines verlängerten Wirtschaftszyklus. Allein für Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta und Oracle werden die Investitionsausgaben für 2027 auf rund 1100 Milliarden Dollar veranschlagt, getrieben durch KI-Infrastruktur. Im globalen Wettbewerb sehen Konzernchefs das Hauptrisiko weiterhin in der Unterinvestition.

Der Autor

Heinz Rüttimann, Leiter Investment Office, Rahn+Bodmer Co.

Der KI-Zyklus entsteht im zweiten Drittel

Erstens sind die Investitionen ungebrochen, und mit KI-Agenten, Robotik und Quantencomputing stehen die nächsten Nachfragetreiber bereit. Zweitens stehen die meisten Unternehmen oft noch relativ am Anfang bei der KI-Integration in ihre Geschäftsprozesse. Gemäss einer Umfrage von McKinsey bei zweitausend Firmen weltweit und quer durch alle Branchen haben nur 7 Prozent von ihnen KI vollständig in die Geschäftsprozesse integriert. Und rund 56 Prozent der Firmen befinden sich noch in der Experimentier- und Pilotierungsphase. Drittens sind die Auftragsbücher der sehr spezialisierten Technologieunternehmen für die nächsten zwei bis drei Quartale voll, und bei Chips und Speicherelementen herrschen weiterhin Engpässe. Ausserdem haben die grossen Tech-Konzerne solide Bilanzen und können ihre KI-Investitionen oft aus eigener Kraft finanzieren.

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Diese anhaltende Investitionsbereitschaft trifft auf ein Nadelöhr im Markt – und genau diese Knappheit führt vorübergehend zu sehr hohen Gewinnen, wie die Pandemie bei den Impfstoffen oder der Ukraine-Krieg in Sachen Energie gezeigt haben. Im KI-Zyklus profitieren heute vor allem die Halbleiterhersteller. Die Engpässe verschieben sich jedoch: Während die Aktien der Cloud-Anbieter seit Jahresbeginn verhalten laufen (Nvidia tendiert seitwärts), legten Speicherhersteller stark zu. Die Gewinner von gestern sind nicht automatisch jene von morgen.

Die eine Frage: Lohnt sich die Investition?

Dabei tragen die Cloud-Anbieter die Hauptlast: Ihre Investitionen beanspruchen inzwischen 81 Prozent des operativen Cashflows – Ende 2025 waren es noch 65 Prozent. Entscheidend wird sein, ob die Erträge im Kerngeschäft schneller wachsen als die Ausgaben. Das kräftige Plus bei den Cloud-Umsätzen ist ermutigend, doch ob neue KI-Dienste ausreichend Zusatzerträge bringen, bleibt offen. Noch belohnt der Aktienmarkt diese Investitionsbereitschaft. An Risiken fehlt es dennoch nicht: Dazu gehören ein möglicher Preiskampf durch chinesische Anbieter sowie der Faktor Zeit. Während Private KI bereits im Alltag nutzen, liegt das lukrativste Geschäft bei den Unternehmen. Dort erfordern die nötigen Prozess- und Kontrollanpassungen jedoch Zeit.

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Auch Schweizer Firmen sind als hochspezialisierte Zulieferer fest in die KI-Wertschöpfungskette eingebunden: Die VAT Group (im Kanton St. Gallen) liefert Vakuumventile für die Chipherstellung, Belimo (ZH) Lösungen für die Kühlung von Rechenzentren, und Huber+Suhner (AR) vernetzt Server, Grafikprozessoren sowie Speicher. Ihr Vorteil: Sie profitieren vom Ausbau der Infrastruktur – unabhängig davon, welcher Chiphersteller oder Cloud-Anbieter sich am Ende durchsetzt. Für Anleger und Anlegerinnen, die am KI-Zyklus teilhaben möchten, ohne auf einzelne Gewinner zu setzen, sind sie deshalb eine interessante Ergänzung. Zu beachten ist allerdings, dass diese Titel zyklisch sind und eine Abschwächung der Investitionen rasch zu spüren bekämen.

Makroökonomische Einordnung und Ausblick

Investitionszyklen im Technologiesektor verlaufen phasenweise und unterliegen mittelfristig Abschwächungen. Gemäss unserem Basisszenario dürfte die aktuelle Dynamik mindestens bis ins zweite Halbjahr 2027 anhalten. Ein zentrales Korrekturrisiko besteht in einer möglichen Entkopplung zwischen den hohen Infrastrukturinvestitionen und den tatsächlichen Ertrags- beziehungsweise Produktivitätszuwächsen bei den Endanwendern. Kurz- bis mittelfristig stellen zudem Zweitrundeneffekte bei der Inflation – getrieben von energiepreisbedingten Risiken im Kontext des Nahost-Konflikts – einen Belastungsfaktor dar. Anhaltend hohe Energiepreise könnten die Kerninflation stützen und restriktive geldpolitische Schritte der Zentralbanken veranlassen, was die Bewertungsmultiplikatoren an den Aktienmärkten unter Druck setzen würde. Trotz diesen Risikofaktoren bleibt die Übergewichtung im KI-Sektor strategisch begründet. Der Fokus liegt dabei auf einer breiten Diversifikation über die gesamte Wertschöpfungskette.

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