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Standort Zug

«Wir wollen proaktiv gestalten, nicht nur verwalten»

Katharina M. Gasser ist seit 2024 Präsidentin der Zuger Wirtschaftskammer. Im Gespräch erklärt sie, was den Wirtschaftsstandort Zug im Kern ausmacht.

Florian Fels

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Merlin Photography Ltd.

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Was macht den Wirtschaftsstandort Zug erfolgreich?

Das Gesamtsystem funktioniert hervorragend – die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Bevölkerung ist wirklich einmalig. Wir sind sehr breit aufgestellt und haben mehrere erfolgreiche Cluster: Life-Sciences, Rohstoffhandel, Technologie, Finanzen, Krypto. Das ist etwas Einzigartiges. Dazu kommen sehr starke produzierende Firmen – V-Zug, Bossard –, aber auch kleinere Handwerksbetriebe. Diese Dynamik trifft auf eine fantastische Lebensqualität: Berge, See, überschaubare Gemeinden wie Zug oder Baar. Das macht einen grossen Teil der Attraktivität aus.

Zur Person

Katharina M. Gasser ist General Manager von Roche Pharma Schweiz und seit Mai 2024 Präsidentin der Zuger Wirtschaftskammer – als erste Frau in diesem Amt. Zuvor war die studierte Ärztin vier Jahre lang Geschäftsführerin von Biogen Switzerland mit Sitz in Baar. Sie lebt seit 15 Jahren im Kanton Zug und sitzt zudem im Vorstand der Zürcher Handelskammer.

Keine Probleme mit der Verwaltung oder Bürokratie?

Zug ist, glaube ich, derjenige Kanton, in dem die Wege am kürzesten sind. Wenn man etwas von der Verwaltung braucht oder mit der Regierung sprechen will, kann man einfach zum Telefon greifen. Diese Offenheit gilt auch, wenn es um Firmen geht, die neu in den Kanton kommen wollen. Es ist eine sehr zugewandte Politik und Verwaltung, die es einfach macht, sich zurechtzufinden – ich glaube, das ist ein Faktor für unseren Erfolg.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen?

Man darf sich nie ausruhen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen – nicht nur im Kanton Zug, sondern schweizweit – innovations- und wirtschaftsfreundlich bleiben, und dazu beitragen, dass wir neue Herausforderungen direkt von unseren Mitgliedern hören. Als Wirtschaftskammer können wir einen Beitrag leisten, indem wir die Anliegen unserer Mitglieder aufnehmen – ob im HR-Bereich, bei KI, beim Fachkräftemangel oder bei internationalen Themen – und Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen, vom Einzelunternehmen bis zum multinationalen Konzern. Ausserdem müssen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen. Im Kanton Zug läuft zwar vieles sehr gut, aber wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die gute Lebensqualität und die gute Wirtschaftsstandortsituation erhalten bleiben, sonst verliert die Bevölkerung ihre Offenheit gegenüber der Wirtschaft.

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Sie leben seit 15 Jahren im Kanton. Was hat sich in den letzten Jahren am meisten verändert?

Der Kanton Zug entwickelt sich analog zur Weltwirtschaft, alles wird schneller. Wir sind sicher noch internationaler geworden und konnten neue Firmen anziehen. Gleichzeitig sind wir auch finanziell viel erfolgreicher als vor zehn Jahren: Wir sind der grösste Geberkanton im nationalen Finanzausgleich, mit steigenden Beiträgen. Themen wie Krypto waren zwar bereits vor zehn Jahren präsent, sind heute aber wesentlich breiter bekannt und haben für den Wirtschaftsstandort stark an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig hat sich Zug als Finanzplatz weiter profiliert. Besonders stolz bin ich auf die ETH Learning Factory Zug, die Stadt, Kanton, ETH Zürich und Unternehmen gemeinsam vorantreiben. Sie bringt Lernende aus Zuger Betrieben mit Studierenden der ETH zusammen, um reale Fragestellungen aus Unternehmen zu bearbeiten und dabei Praxis, Forschung und Innovation direkt zu verbinden. Das ist ein Beispiel dafür, wie die bereits bestehende Durchlässigkeit zwischen den Bildungssystemen weiter verbessert werden kann.

Wo sehen Sie Risiken?

Wir haben vor anderthalb Jahren zusammen mit dem GfS-Institut eine Bevölkerungsumfrage gemacht. Sie zeigte, dass die Sorge um bezahlbaren Wohnraum auch im Kanton Zug da ist. Wir müssen dafür sorgen, dass Wohnraum ohne zu viele Einsprachen, komplexe Regulierungen oder lange Verfahren entstehen kann, damit die Menschen, die hier arbeiten, auch hier wohnen können. Ein weiteres Thema ist die Überregulierung: Die Regulierungsdichte nimmt stetig zu, und die Schweiz setzt manches bereits im Voraus um, bevor es eigentlich nötig wäre. Im Kanton Zug haben wir hier zwar einen pragmatischen Ansatz und sind entsprechend nicht negativ konnotiert, aber man muss das im Auge behalten.

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Was sind Ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre?

Wir wollen weiterhin proaktiv gestalten, nicht nur verwalten, das wäre mein Wunsch für die Zukunft – gerade auch, weil der Wettbewerb mit anderen Kantonen grösser wird. Wir wollen klar benennen, was die Wirtschaft beschäftigt – über Umfragen, Anlässe und Gespräche mit unseren Mitgliedern – und das an Politik, Verwaltung und teilweise auch an Economiesuisse als Dachverband der Wirtschaftsverbände herantragen. Ein wichtiges Thema ist der Fachkräftemangel: Wie bringen wir genug Fachkräfte in den Kanton Zug? Wir haben gute Systeme in der Bildung, gute Lehrbetriebe, und Abgängerinnen und Abgänger von Fachhochschulen oder akademischen Institutionen können bei uns arbeiten – wichtig ist, dass wir hier dranbleiben. Auch HR-seitig hat sich die Arbeitswelt verändert, Stichwort Remote Working; da müssen wir uns als Kanton laufend weiterentwickeln. Dazu kommt die geopolitische Lage: Bei den Diskussionen um Freihandelsabkommen und die Bilateralen wollen wir uns einbringen, damit der Kanton Zug auch künftig erfolgreich exportieren, wachsen und Geschäfte machen kann. Und was mir dabei sehr wichtig ist: dass wir bodenständig bleiben. Unser Vorstand ist verwurzelt, wir wollen nicht elitär oder arrogant wirken – das braucht es, um die Bevölkerung mitzunehmen.

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