«Die Energie im Park nimmt spürbar zu»

Peter Bodmer, Präsident der Stiftung Innovationspark Zürich, erläutert, wie es mit dem Park weitergeht.

Florian Fels

Bodmer_Peter_32.jpg
Peter E. Bodmer soll den Innovationspark Zürich zum Erfolg führen. Michael Kessler

Werbung

Wo steht der Innovationspark Zürich heute?

Bis 2023 war es ein turbulenter Weg. Seit zwei Jahren verläuft die Entwicklung jedoch sehr planmässig. Entscheidender als die Geschwindigkeit ist aber der Fortschritt im Ökosystem selbst: Der Park beginnt zu leben. Die ETH Zürich, die Universität Zürich und die Empa bilden einen starken Nukleus, der inzwischen auch international ausstrahlt. Erste Labs und Pilotflächen sind in Betrieb, es finden Veranstaltungen statt, und immer mehr Firmen prüfen konkrete Ansiedlungen. Man kann sagen: Die Vision wird sichtbar, und die Energie im Park nimmt spürbar zu.

Was hat Sie zuletzt besonders gefreut?

Einerseits die wachsende internationale Sichtbarkeit. Das Land Bayern hat uns für seinen gesamten Space-Bereich als Partner ausgewählt – ein starkes Signal. Und das Memorandum of Understanding mit Space Florida eröffnet uns erstmals einen formellen Zugang zu Cape Canaveral. Dank solchen Kooperationen können wir künftig komplette End-to-End-Experimente realisieren, inklusive Logistik, Testflügen und wissenschaftlicher Missionen. Das zeigt, dass die Welt wahrnimmt, was hier entsteht. Andererseits zeigt die ETH Zürich in ihrem neuen Hangar, wie dank der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie ganz reale industrielle Herausforderungen gelöst werden können.

Partner-Inhalte

Innovationspark Dübendorf_Upscaled.jpeg
So soll der Innovationspark Zürich einmal aussehen.RMS
Innovationspark Dübendorf_Upscaled.jpeg
So soll der Innovationspark Zürich einmal aussehen.RMS

Der Innovationspark konzentriert sich auf drei Schwerpunkte: Robotics & Mobility, Space & Aviation und Advanced Manufacturing. Warum genau diese?

Weil diese drei Bereiche für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz entscheidend sind – und weil die Hochschulen und die Empa hier international führend sind. Robotics & Mobility kombiniert KI, Maschinenbau und autonome Systeme. Das betrifft nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Logistik, Industrieprozesse, Medtech oder Inspektionstechnologien. In Advanced Manufacturing geht es um neue Materialien, Nanotechnologien oder additive Fertigung – alles Bereiche, die unsere Industrie transformieren. Und Space & Aviation, insbesondere New Space, öffnet völlig neue Märkte: kommerzielle Raumstationen, Erdbeobachtung, Kommunikation, Materialtests in der Schwerelosigkeit. Die drei Cluster überlappen sich stark, was den Innovationsschub zusätzlich verstärkt.

Aber es gibt andere Innovationsparks.

Jeder Park hat eine eigene thematische Ausrichtung. Unser USP ist klar: die Nähe zu ETH Zürich, Universität Zürich, Empa und den Fachhochschulen, kombiniert mit dem Flugfeld und siebzig Hektaren Entwicklungsraum. Dazu die klare Fokussierung auf Robotics & Mobility, Advanced Manufacturing und Space & Aviation. Wir stellen ein Angebot bereit, das in dieser Form einzigartig ist – und das Firmen genau deshalb anzieht.

Werbung

Zur Person
Peter Bodmer ist Präsident der Stiftung Innovationspark Zürich und gilt als einer der führenden Immobilien- und Industriekenner der Schweiz. Seit 2011 ist er Chairman und CEO der Beka Group, die auf Beteiligungen in Industrie, Immobilien und Technologie fokussiert.
Innovationspark Zürich
Der Innovationspark Zürich in Dübendorf entsteht auf einer Fläche von siebzig Hektaren. Er fokussiert auf drei Cluster: Robotics & Mobility, Advanced Manufacturing und Space & Aviation. ETH Zürich, Universität Zürich und Empa bilden den wissenschaftlichen Kern. Das Flugfeld ermöglicht Tests und Logistik für Luft- und Raumfahrttechnologien. Bis 2050 sollen 10 000 bis 15 000 Arbeitsplätze entstehen.

Sind internationale Kooperationen wichtig?

Sehr wichtig. Innovation entsteht heute kaum mehr isoliert. Die Verbindung von Schweizer Forschung mit globalen Industriepartnern macht uns attraktiv. Und die Firmen schätzen, dass wir gleichzeitig die Agilität eines privaten Projekts und die akademische Tiefe von ETH Zürich und Universität Zürich bieten sowie die grosse Erfahrung der Empa. Diese Kombination gibt es so kaum ein zweites Mal.

Wie viel bauen Sie nun konkret?

Mit dem gesprochenen Bankenkredit von rund 445 Millionen Franken können wir die erste Neubauetappe von rund 100 000 Quadratmetern realisieren. Das ist ein Meilenstein. Die Finanzierung zeigt, dass nicht nur die Vision überzeugt, sondern auch das Geschäftsmodell. Wir stehen bei mehreren grossen Mietinteressenten kurz vor dem Abschluss. Insgesamt würde ich sagen: Für rund einen Drittel der Flächen führen wir vertiefte Gespräche, und bei drei bedeutenden Interessenten sind wir weit fortgeschritten.

Bauen Sie erst, wenn Sie Mieter haben?

Bei uns gibt es kein spekulatives Bauen. Ein zentrales Element des Masterplans sind vier klar definierte Gebäudetypen, die wie ein modulares «Lego-System» funktionieren. Sie reichen von hochflexiblen Büro- und Laborgebäuden über spezialisierte Hightech-Labors bis zu Industrieund Prototypenhallen sowie einem grossen Mobility-Hub für Logistik und Infrastruktur. Welche Typologie zuerst realisiert wird, hängt direkt vom Bedarf der Firmen ab. Gebaut wird grundsätzlich nur, wenn für jedes Gebäude mindestens 60 Prozent der Fläche vorvermietet sind – ein bewusst gesetzter finanzieller Sicherheitsmechanismus. Einige wenige Bauten wie der Mobility-Hub müssen für die Erschliessung vorgezogen werden, doch die grossen Gebäude entstehen erst dann, wenn die Ankermieter fixiert sind.

Werbung

2027 soll das erste Gebäude stehen. Wird das eingehalten?

Ja, das muss es sogar. Im August 2027 eröffnet ein Gebäude, das der Kanton Zürich als Provisorium für ein Gymnasium nutzt. Das Projekt bringt junge Menschen ganz direkt mit dem Thema Innovation in Kontakt – und es stabilisiert gleichzeitig die Finanzierung der weiteren Bauetappen. Für uns ist das ein Glücksfall.

Der Park liegt am Flugfeld Dübendorf. Warum ist das ein Vorteil?

Das Flugfeld ist ein unterschätzter, aber enormer Trumpf. Wir haben eine zivile Mitbenutzung des militärischen Flugplatzes und positionieren ihn als Forschungs- und Werkflugplatz. Das bedeutet:
– Testflüge für Drohnen, neue Mobilitätsformen oder autonome Systeme.
– Parabelflüge für Materialforschung, Medtech oder neue Produktionsverfahren.
– Direkte logistische Anbindung an internationale Forschungspartner.
In Kombination mit den Hochschulen ermöglicht dies ein Testumfeld, das hier in Europa fast einzigartig ist. Wer in den Bereichen Space, Aviation, Robotics oder Mobility arbeitet, findet hier Bedingungen, die normalerweise nur in den USA vorhanden sind.

Wie erfolgt der Austausch im Park?

Räumliche Nähe erzeugt zufällige Begegnungen – aber das reicht nicht. Wir investieren aktiv in die Community: Wissenstransfer-Events, Entrepreneurship-Programme, Industrie-Days der Hochschulen, Pilotprojekte zwischen Start-ups und Corporates. Kürzlich hatten wir einen grossen internationalen Kongress zur automatisierten Mobilität. Im Herbst starten wir das «8th Continent Lab» und nächstes Frühjahr das «8th Continent Forum» zur New-Space-Economy – ein Kongress, der Wissenschaft, Regulatoren, Investoren und die Industrie zusammenbringt. Genau solche Orte des Austauschs erzeugen Momentum.

Werbung

Wie stark beeinflusst die Schweizer Neutralität den Bereich Defense-Tech?

Für den Park selbst hat das kaum Auswirkungen – viele Technologien im Deep-Tech-Bereich sind Dual Use. Für die Schweiz insgesamt hingegen hat das Kriegsmaterialgesetz die Industrie geschwächt. Schlüsseltechnologien wandern ab, Unternehmen suchen Standorte, von denen aus sie global agieren können. Wir möchten zumindest Teile davon wieder zurückholen. Innovation entsteht dort, wo Unternehmen testen, exportieren und wachsen dürfen.

Ihre grössten Herausforderungen?

Die Dimension: Wir bauen ja im Prinzip eine ganze Stadt. Und die Komplexität: Viele Akteure, viele Interessen, lange Horizonte. Die Stabilität der politischen Rahmenbedingungen ist zentral – in den Bewilligungsverfahren, im Umweltrecht, im Umgang mit ausländischen Unternehmen. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, schnell und pragmatisch zu handeln. Wenn Politik, Industrie, Wissenschaft und Investoren zusammenarbeiten, entsteht enormes Potenzial.

Ihre Ziele bis Ende des Jahres?

Zwei bis drei grosse Mieter verbindlich gewinnen und öffentlich machen. Das «8th Continent Forum» erfolgreich lancieren. Und das Ökosystem weiter aktivieren – Start-ups, Forschung und Industrie noch enger vernetzen. Wenn diese drei Elemente greifen, haben wir die nächste Stufe erreicht.

Werbung

Über die Autoren

Relevante Themen

Werbung