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Hospitality

DAS HOTELZIMMER ALS VERSUCHSLABOR

Hotels als Testlab: Wie Südtirols Gastgewerbe zum Schaufenster für regionale Materialien, zirkuläre Prozesse und digitale Services wird.

Florian Fels

Innovativer Hotelbau: Das OLM Nature Escape im Ahrntal.
Innovativer Hotelbau: Das OLM Nature Escape im Ahrntal.zVg

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Ein Hotelzimmer zeigt, wie ein Betrieb über Komfort, Gestaltung und Gästeerlebnis denkt – und wird damit unweigerlich zum Aushängeschild. In Südtirol nutzen einige Häuser das gezielt: Sie verstehen sich nicht nur als Beherbergungsbetrieb, sondern als Testfläche für Materialien, Kreislaufkonzepte und digitale Prozesse, die weit über die eigenen vier Wände hinaus wirken sollen. Rahmen gibt dem die Initiative TourisMUT von IDM Südtirol, die aus der «Tourismus Roadmap 2030» hervorgegangen ist und Südtirols Tourismusbranche zu mutigeren, wertebasierten Entscheidungen anregen will – ein Aufruf an Etablierte wie an Newcomer, den Tourismus von morgen aktiv mitzugestalten.

Kreislauf als Architekturprinzip

Wie das konkret aussieht, zeigt das «OLM Nature Escape» im Ahrntal: das erste nahezu energieautarke Eco-Aparthotel der Alpen, kreisrund gebaut als bewusste Anlehnung an einen Mühlstein und den Kreislauf der Natur. 126 Erdwärmesonden, ein komplett der Photovoltaik gewidmetes Dach und Wasserkraft decken den Energiebedarf des Hauses, während Lärchenholz, Naturstein und mineralische Oberflächen aus der Region das Interieur prägen. Nicht nur wurden die Materialien beim Bau sorgfältig ausgewählt – mitgedacht wurde sogar die graue Energie, also der gesamte Aufwand für Herstellung und Transport der verbauten Materialien. Die Auszeichnung als «Hotel des Jahres 2026» von «GaultMillau» bestätigt, dass sich die radikale Konsequenz und Philosophie der Eigentümer auszahlt.

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Textilien und Technik als Upselling-Argument

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steva hemp: Das Meraner Start-up stellt Bett- und Tischwäsche sowie Spa-Wäsche aus 100 Prozent Hanf her.Marco Parsi
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steva hemp: Das Meraner Start-up stellt Bett- und Tischwäsche sowie Spa-Wäsche aus 100 Prozent Hanf her.Marco Parsi
Auch im Kleinen wird das Prinzip durchdekliniert. Das Meraner Start-up steva hemp stellt Bett- und Tischwäsche sowie Spa-Wäsche aus 100 Prozent Hanf her – atmungsaktiv, antibakteriell und deutlich seltener zu waschen als klassische Baumwolltextilien. 2024 gewann das Unternehmen den Hotel Sustainability Award Südtirol; inzwischen bietet es Häusern auch Miet-statt Kaufmodelle an, um Reinigung, Nutzung und Austausch der Textilien besser zu kontrollieren und zugleich das Gästeerlebnis durch die besondere Haptik der Hanftextilien zu bereichern. Auf der digitalen Seite sorgt Guestnet, eine in Südtirol entwickelte Gäste-App, für einen ähnlichen Effekt: Statt gedruckter Gästemappen bündelt die Plattform Zimmerservice, Aktivitätenbuchung und Spa-Termine in einer App – und macht dabei zusätzliche Angebote sichtbar, die sonst ungenutzt blieben. Über 2500 Hotels setzen die Lösung inzwischen ein.

Tradition trifft Ingenieurskunst

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Gasthof Kohlern: Planschen auf hohem Niveau.zVg
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Gasthof Kohlern: Planschen auf hohem Niveau.zVg
Dass Innovation in der Südtiroler Hotellerie eine grosse Tradition hat, zeigt der Gasthof Kohlern über Bozen. Schon 1908 wurde hier mit der Kohlererbahn die erste Personenschwebeseilbahn der Welt eröffnet – massgeblich mitgebaut vom jungen Unternehmen des Sterzinger Firmengründers Gabriel Leitner, aus dem später die heutige Leitner-Gruppe und die HTI Group hervorgingen. Bis heute erreichen Gäste den 1870 im alpinen Jugendstil erbauten Gasthof mit ebendieser Bahn. Hausarchitekt Zeno Bampi, seit 30 Jahren mit dem Betrieb verbunden, saniert das Haus konsequent im Bestand.

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Der gemeinsame Nenner

OLM, steva hemp, Guestnet und der Gasthof Kohlern zeigen vier unterschiedliche Spielarten derselben Idee: das Hotel als Ort, an dem sich regionale Materialien, zirkuläre Prozesse und digitale Services im Alltag bewähren müssen – und von dem aus sie sich, wenn sie funktionieren, in die ganze Branche verbreiten.
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