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Wirtschaftsraum Baden

«Wir bieten ein Reallabor mit 700 000 Personen»

Der HIH Aargau am KSB setzt laut Leiterin Marjan Kraak auf Vernetzung und Forschungen. Vieles erfolgt in Partnerschaft mit Start-ups.

Matthias Niklowitz

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«Der HIH Aargau wird die Health-&-Medtech-Branche in der Region sichtbar stärken», betont Marjan Kraak, Managing Director des HIH Aargau sowie Innovationsmanagerin am KSB Innovation Hub. Fiona Piola

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Was war der Auslöser für den Start des Health Innovation Hub am Kantonsspital Baden (KSB)?

Der KSB Health Innovation Hub existiert seit 2018 als Plattform für Innovationen in der Gesundheitsversorgung im KSB. Gemeinsam mit Start-ups, innovativen Unternehmen und Forschungspartnern fördern wir Innovationen und möchten das Versorgungsangebot, die Prozesse und Dienstleistungen im Spital kontinuierlich verbessern.

Warum wurde daraus ein kantonsweites Projekt?

Weil Innovationen im Gesundheitswesen am sinnvollsten mit verschiedenen Partnern und für mehrere Stakeholder entwickelt werden, wurde auf Initiative der Stadt Baden, des Kantons Aargau und des KSB im Jahr 2023 das Pilotprojekt Health Innovation Hub Aargau lanciert. Es war eingebettet in die übergeordnete Initiative Baden 4.0. Mittlerweile haben wir den Verein «Health Innovation Hub Aargau» gegründet und arbeiten heute bereits in einem Netzwerk mit 18 Partnern zusammen.

Was bieten Sie, das andere Standorte nicht haben?

Wir verfügen heute bereits über ein spannendes Netzwerk von Partnern wie Spitälern, Organisationen, innovativen Unternehmen und Start-ups. Dadurch bringen wir Gesundheitsexpertise, fachliches Know-how und praktische Erfahrungen zusammen, ermöglichen einen vereinfachten Zugang zu einem klinischen Testumfeld und zu relevanten Daten. Der HIH Aargau bietet damit ein Reallabor an, das beispielsweise auch Start-ups einen vereinfachten Zugang zu Feedback aus der klinischen Praxis und zu Patientinnen und Patienten ermöglicht. Aufgrund der Grösse des Einzugsgebiets mit rund 700 000 Einwohnerinnen und Einwohnern, zu dem unsere Hauptpartner im Gesundheitswesen, das Kantonsspital Aarau (KSA) und das KSB, gehören, decken wir eine grosse Breite an Themen ab.

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An welchen konkreten Projekten arbeiten Sie derzeit?

Wir haben verschiedene Projekte am Laufen und sind kontinuierlich daran, neue Projekte mit den Partnern aufzugleisen. Ein Projekt umfasst beispielsweise das KSB, das Start-up HeyPatient und die Firma Siemens. Es erarbeitet neue Use Cases, um Effizienzthemen und Prozessoptimierungen anzugehen und daraus auch mögliche neue Business-Cases zu entwickeln. Basis ist die Plattform Smart Hospital, die es dank 7000 Sensoren erlaubt, im Spital mit der KSB-App zu navigieren, mobile Gerätschaften aufzufinden, diese zu tracken und alle Workplaces zu managen. Ein anderes Beispiel ist ein Projekt im Aufbau mit dem KI-Start-up Drylabz und dem KSB Data Hub.

Zur Person

Seit September 2023 leitet Marjan Kraak als Managing Director die Geschicke des HIH Aargau und treibt parallel dazu als Innovationsmanagerin am KSB Innovation Hub zukunftsweisende Projekte voran. Die gebürtige Niederländerin studierte molekulare Mikrobiologie in Groningen und promovierte in Biotechnologie an der ETH Zürich. Vor ihrem Wechsel in das Innovationsmanagement sammelte sie über zehn Jahre interdisziplinäre Industrieerfahrung in den Sektoren Medizintechnik, Gesundheit und Diagnostik.

Wie stark müssen Innovationen heute auf die Rendite einzahlen?

Das Thema Wirtschaftlichkeit hat im Spitalbereich einen hohen Stellenwert, vor allem, weil die Ebitda-Margen bei fast allen Spitälern in den vergangenen Jahren sehr unter Druck geraten sind. Sobald wir mit Innovationen eine Effizienzsteigerung oder Kostenminimierung erzielen können, haben wir gute Chancen, solche Innovationsprojekte durchführen zu können. Im Neubau des KSB wurden mehrere Innovationsprojekte mit externen Partnern umgesetzt, die einen messbaren wirtschaftlichen Impact haben. Ein Projekt wurde beispielsweise mit der Firma Trifact entwickelt und implementiert. Ein neuer Monitor am Patientenbett bietet Auswahlmöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten und kann so eine signifikante Entlastung der Pflege und eine Effizienzsteigerung bei der Hotellerie bewirken und gleichzeitig eine Steigerung der Patientenzufriedenheit bewirken.

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Haben Sie Vorbilder für Ihren Innovation Hub?

In der Schweiz gehörten wir 2018 zu den Ersten, heute gibt es einige weitere Health Innovation Hubs. Sie haben andere regionale Gegebenheiten und teilweise einen anderen Fokus gesetzt. Gewisse Hubs arbeiten für das eigene Spital, um die Translation von interner Forschung bis zum innovativen Produkt zu unterstützen; andere fungieren eher als Verband von Health- und Medtech-Firmen, wieder andere sind eher Akzeleratoren für Start-ups.

Was ist Ihr entscheidender Wettbewerbsvorteil?

Wir setzen auf starke Partnerschaften in der Region Aargau, angrenzend auch in Zürich, Basel und Bern, dies in Kombination mit der Verankerung in den beiden grossen Spitälern KSA und KSB. Das macht uns zum interessanten Reallabor für Innovationen im Gesundheitswesen und ist gleichzeitig unser USP.

Wo bringt künstliche Intelligenz (KI) schon heute einen echten Patientennutzen?

KI verändert auch im Gesundheitswesen vieles. Was vor zwei Jahren noch Wunschdenken war, ist heute schon Realität. Wir sehen viele neue Applikationen mit KI, die in der Klinik bereits eingebaut werden. Es gibt immer grössere Mengen an Daten, etwa im Bereich von Bildmaterial in der Radiologie. Dank der Unterstützung von KI-Applikationen können diese Daten schneller, zuverlässiger und mit hoher Qualität interpretiert werden. In der Praxis sehen wir durch die KI viele Fortschritte bei der Erkennung, Einordnung und Quantifizierung von Auffälligkeiten in der Radiologie. Dies verhilft sowohl den Klinikerinnen und Klinikern als auch den Patienten und Patientinnen zu einer besseren und früheren Diagnostik. In der Onkologie, der Neurologie oder der Kardiologie bedeutet dies auch höhere Heilungschancen.

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Was sehen Sie perspektivisch für das Jahr 2030 voraus?

Meine Vision ist ein Hub mit nationalen und internationalen Partnern, ein Hub mit sichtbaren Erfolgen bei der Digitalisierung, Automatisierung und Effizienzverbesserungen im Gesundheitswesen. Auf wirtschaftlicher Ebene wird der HIH Aargau dank Offenheit und Kooperationen die Health-&-Medtech-Branche in der Region sichtbar stärken. Technologisch wird sich noch vieles ändern. Ich erwarte ein starkes Wachstum in Bereichen wie der Telemedizin und der Integration von Wearables, wodurch in Zukunft ein rasch wachsendes Angebot an Dienstleistungen für den Einsatz zu Hause ermöglicht wird.

Der Hub

Der Health Innovation Hub Aargau fördert am Standort Baden Innovationen in Digital Health, Medizintechnik, Pharma und Gesundheitsversorgung und vernetzt dafür Akteure aus Klinik, Forschung und Wirtschaft, darunter ETH Zürich und FHNW. Das 2023 lancierte Pilotprojekt wurde im November 2025 in einen eigen-ständigen Verein übergeführt, getragen von Kantonsspital Baden, Kantonsspital Aarau, Kanton Aargau, Stadt Aarau und der Stadt Baden. Der Hub bietet Unternehmen direkten Zugang zum klinischen Umfeld und unterstützt sie bei Prototyp-Tests, regulatorischen Fragen sowie mit Innovationsräumen auf dem KSB-Campus.

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