Abo
Gastbeitrag

Führen mit Empathie: Warum die Zukunft der Leadership leise ist

Empathie ist keine Schwäche, sondern ein Führungsprinzip. Wie ich mit neuem Stil Verantwortung übernehme und erfolgreich führe.

Kelly Vasilejadou plädiert für einen modernen Führungsstil.
Kelly Vasilejadou plädiert für einen modernen Führungsstil.zVg

Werbung

Es gibt ein hartnäckiges Klischee über Führungskräfte an der Spitze: Wer führt, müsse hart sein, emotionale Distanz wahren und stets mit fester Hand entscheiden. Wenn man über Frauen in Führungspositionen spricht, dreht sich die Debatte zudem noch immer viel zu oft darum, wie schwer der Weg nach oben ist. Ich möchte diese Perspektive ändern. Wir müssen nicht immer darüber sprechen, wie schwierig der Erfolg für Frauen ist. Wir sollten darüber sprechen, wie wir als Frauen führen – und warum genau dieser eigene Stil der Schlüssel zum Erfolg ist.
Die Autorin
Kelly Vasileiadou ist Chirurgin FMH, Unternehmerin und Gründerin der Dr. Kelly Group in Hünenberg See, Kanton Zug.
Als Schönheitschirurgin trage ich jeden Tag enorme Verantwortung. Meine Patientinnen und Patienten vertrauen mir nicht nur ihre Gesundheit und ihren Körper an, sondern oft auch ihr Selbstbewusstsein und ihr tiefstes Wohlbefinden. Im Operationssaal und in der Klinik habe ich eines gelernt: Gute Führung muss nicht laut sein.

Empathie als Stärke statt Schwäche

Ein veraltetes Führungsverständnis setzt Härte mit Stärke gleich. Doch in einer komplexen Welt greift das zu kurz. Für mich basiert erfolgreiche Führung – ob in der Chirurgie, im Unternehmen oder in der Gesellschaft – auf Prinzipien, die lange Zeit unterschätzt wurden. Noch immer hält sich die Vorstellung, Frauen seien für Führungspositionen zu emotional oder zu empathisch. Ein Satz aber, den ich tief verinnerlicht habe und der mein Handeln leitet, lautet: Empathie ist keine Schwäche – sie ist ein Führungsprinzip.

Partner-Inhalte

Zuhören zu können und sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, mindert nicht die Autorität. Im Gegenteil: Es schafft Vertrauen und baut die Grundlage für kluge, nachhaltige Entscheidungen. Dabei bedeutet Empathie keineswegs Unverbindlichkeit oder Nachlässigkeit. Führung verlangt, auch unter hohem Druck besonnen zu bleiben, klare Verantwortung zu übernehmen und für die Ergebnisse einzustehen. Ebenso schliesst Empathie höchste Exzellenz nicht aus, sondern treibt sie an. Höchste Präzision und kompromisslose Standards gehören in meinem Beruf zum Alltag. Echte Führung inspiriert das eigene Team dazu, diese hohen Ansprüche aus Überzeugung mitzutragen. Wer nur Befehle erteilt und andere übertönt, verpasst wertvolle Perspektiven. Echtes Zuhören hingegen ist ein Zeichen von wahrer Stärke und Selbstbewusstsein.

Neue Wege für moderne Führung

Frauen sind historisch in Führungsstrukturen eingetreten, deren Regeln weitgehend von traditionell männlich geprägten Führungsidealen bestimmt wurden. Gleichberechtigung sollte nicht bedeuten, dass Frauen diese Ideale übernehmen oder nachahmen müssen, um erfolgreich zu sein. Viele Frauen bringen eine ganz natürliche Balance aus hoher Fachkompetenz, emotionaler Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein mit. Genau diese Kombination wird in der modernen Arbeitswelt dringender gebraucht denn je.

Werbung

EqualVoice bedeutet für mich deshalb nicht, dass Frauen führen müssen wie Männer. Es bedeutet, dass unterschiedliche Arten von Führung den gleichen Wert haben. Ich selbst war nie die Lauteste im Raum – und musste es auch nicht sein. Mein Erfolg hat mir gezeigt, dass Klarheit, Empathie, Konsequenz und hohe Ansprüche genauso kraftvolle Führungsqualitäten sind. EqualVoice heisst nicht nur, Frauen sichtbar zu machen, sondern auch die Vielfalt der Führungsstile anzuerkennen und wertzuschätzen. Wenn wir Führung neu definieren – weg von Lautstärke und Härte, hin zu Haltung, Empathie und Präzision –, gewinnen am Ende alle: die Teams, die Unternehmen und die gesamte Gesellschaft.

Werbung