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Gastbeitrag

Fernwärme: Datenzentren heizen ganze Quartiere

Warum die Abwärmenutzung von Datenzentren Immobilien nachhaltiger macht und planbare Erträge für Investoren sichert.

Auch auf Schweizer Boden entstehen immer mehr Datenzentren.
Auch auf Schweizer Boden entstehen immer mehr Datenzentren.Shutterstock

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Die Dekarbonisierung des Gebäudesektors gehört zu den grössten Herausforderungen der Energiewende. Während sich die Diskussion häufig auf einzelne Gebäude und Technologien wie Wärmepumpen konzentriert, gewinnt mit dem Ausbau von Fernwärmenetzen ein anderer Ansatz zunehmend an Bedeutung. Dabei wird Wärme zentral erzeugt und in Städten und Quartieren über ein Leitungsnetz effizient an die angeschlossenen Gebäude verteilt. Die Transformation der Wärmeversorgung wird damit nicht primär auf Gebäude-, sondern vermehrt auf zentraler Ebene entschieden. Dadurch nähern sich zwei bislang weitgehend getrennte Anlageklassen immer stärker an: Energieinfrastruktur und Immobilien.

Die Autorin

Manuela Steiner, Infrastructure-Research-Analyst, Swiss Life Asset Managers

Fernwärme als Dekarbonisierungsplattform

Der Ausbau von Fernwärmenetzen wird von mehreren langfristigen Trends getragen. Mit rund 30 Prozent des globalen Endenergieverbrauchs liegt im Gebäudesektor einer der grössten Hebel der Energiewende. Gleichzeitig verschärfen viele europäische Länder ihre regulatorischen Anforderungen an die Energieeffizienz und Klimabilanz von Immobilien. Für Immobilieneigentümer steigt damit der Druck, bestehende Gebäude nachhaltiger zu betreiben. Fernwärme ermöglicht die Dekarbonisierung ganzer Quartiere und Städte, ohne Gebäude einzeln umzurüsten. Erneuerbare Wärmequellen lassen sich zentral integrieren, sodass angeschlossene Gebäude von einem zunehmend klimafreundlichen Energiemix profitieren. Fernwärmenetze sind nicht nur energiepolitisch, sondern auch aus Investorensicht attraktiv. Sie zeichnen sich durch dauerhaft abgesicherte Marktstellungen, hohe Markteintrittsbarrieren sowie kontrahierte, langfristig planbare Erträge aus. Der Investitionsbedarf ist erheblich: Laut der Universität Aalborg wären bis 2050 rund 1,16 Billionen Euro für den Ausbau der europäischen Fernwärmeinfrastruktur erforderlich.

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Der Ausbau digitaler Infrastruktur eröffnet neue Möglichkeiten für die Wärmeversorgung. Datenzentren zählen dabei zu den am schnellsten wachsenden Infrastruktursegmenten und erzeugen gleichzeitig beträchtliche Mengen an Abwärme, deren Potenzial bislang vielfach ungenutzt bleibt. In der öffentlichen Diskussion wird die Nutzung von Datenzentrumsabwärme häufig als technisches Problem verstanden. Tatsächlich ist sie vor allem eine infrastrukturelle und organisatorische Herausforderung. Die verfügbaren Wärmemengen eines modernen Datenzentrums sind oft so gross, dass einzelne Gebäude oder Quartiere sie nicht vollständig aufnehmen können. Die wirtschaftliche Nutzung von Datenzentrumsabwärme setzt eine ausreichend grosse und langfristige Abnehmerschaft voraus. In der Praxis stellt die Koordination einer Vielzahl von Eigentümern, Mietern und weiteren Anspruchsgruppen oft eine zentrale Herausforderung dar.

Das Quartier Frankfurt Westside

Mit Frankfurt Westside entsteht eines der grössten Stadtentwicklungsprojekte im Raum Frankfurt. Das Projekt basiert auf einem quartiereigenen Fernwärmenetz, das durch die Abwärme zweier benachbarter Datenzentren versorgt wird. Der Erfolgsfaktor liegt in der integrierten Planung. Infrastruktur und Immobilie werden gemeinsam entwickelt. Dadurch können Wärmequelle und Wärmebedarf von Beginn an aufeinander abgestimmt werden. Das Quartier fungiert als grosser, langfristiger Abnehmer der verfügbaren Datenzentrumsabwärme und macht deren Nutzung wirtschaftlich attraktiv. Das Projekt zeigt, dass die Nutzung von Datenzentrumsabwärme also eher eine infrastrukturelle, organisatorische und wirtschaftliche Aufgabe darstellt. Besonders erfolgversprechend sind deshalb Modelle, bei denen Fernwärmenetz, Wärmequelle und Abnehmer innerhalb eines integrierten kommunalen Systems entwickelt werden. Die Zukunft der Fernwärme wird somit nicht allein durch den Netzausbau bestimmt, sondern vor allem durch die Fähigkeit, bislang voneinander getrennte Systeme miteinander zu verbinden: Dekarbonisierung, Urbanisierung und Digitalisierung treffen hier unmittelbar aufeinander. Für Immobilieneigentümer wird Fernwärme zu einem zentralen Instrument zur Erreichung regulatorischer und klimabezogener Ziele. Ungenutzte Energie wird für Datenzentren zur wertvollen Ressource, und für Infrastrukturinvestoren eröffnet sich ein Markt mit langfristigem Wachstum und planbaren Erträgen. Kaum ein Infrastruktursegment zeigt so deutlich, wie eng die Zukunft von Energie, Immobilien und digitaler Infrastruktur verknüpft ist.

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