Der jüngste Vorschlag der Europäischen Kommission, ihre Null-Emissions-Vorgabe für 2035 zu lockern, markiert einen symbolischen Wandel in der Automobilpolitik. Ursprünglich strebte die EU eine 100-prozentige Reduzierung der CO₂-Emissionen für Neuwagen bis 2035 an, was faktisch einem Verbot von Verbrennungsmotoren gleichgekommen wäre. Die neue Vorgabe sieht nun vor, dass die Automobilhersteller bis 2050 die Emissionen ihrer Flotte gegenüber 2021 um 90 Prozent senken. Die übrigen 10 Prozent können durch Emissionszertifikate für in der EU hergestellten kohlenstoffarmen Stahl (bis zu 7 Prozent anrechenbar) und nachhaltige Treibstoffe wie E-Kraftstoffe und fortschrittliche Biotreibstoffe (bis zu 3 Prozent) ausgeglichen werden.
Autorin Paola Basentini ScorzVg
Autorin Paola Basentini ScorzVg
Die Gastautorin Paola Basentini ist Leiterin Infrastruktur bei Scor Investment Partners.
Das bedeutet, dass Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybride überleben werden, aber nur in geringem Umfang. Analysten schätzen, dass für jedes im Jahr 2035 verkaufte Benzinauto acht Elektroautos erforderlich sein werden, um die Emissionen auszugleichen. Darüber hinaus erhalten Automobilhersteller «Super-Gutschriften» für kleine, in der EU hergestellte Elektroautos. Trotz politischen Anpassungen nimmt die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Europa rasant zu. So überholte der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen 2025 erstmals jenen von Verbrennungsmotoren, wobei E-Fahrzeuge in mehreren Märkten über 50 Prozent der Neuzulassungen ausmachten. Bis November 2025 erreichten batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) einen Marktanteil von 17 Prozent in der EU, zusätzlich zu den rund 8 Prozent an Plug-in-Hybridfahrzeugen. Norwegen führt mit einer BEV-Durchdringung von rund 96 Prozent, gefolgt von Ländern wie Dänemark (etwa 66 Prozent), Frankreich (rund 20 Prozent) oder Deutschland (gegen 19 Prozent). Inzwischen verzeichnen Länder, die von einem niedrigeren Niveau aus gestartet sind, wie etwa Spanien (8 Prozent), ein beeindruckendes Wachstum von mehr als 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Diese Entwicklung widerspiegelt strukturelle Faktoren wie sinkende Batteriekosten, den Ausbau des Ladenetzes (80 Prozent der EU-Autobahnen sind mittlerweile abgedeckt) und strenge Vorschriften für Firmenflotten. Selbst angesichts einer Lockerung der Vorschriften deuten die Trends bei den Konsumenten und Konsumentinnen sowie in der Industrie darauf hin, dass die Elektrifizierung zum dominierenden Standard wird.
Deutschland und Italien setzten sich für Flexibilität ein, um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu schützen. Unterstützt von den skandinavischen Ländern drängten Frankreich und Spanien auf Vorschriften, die vor chinesischen Importen schützen sollen. An der wirtschaftlichen Gleichung ändert sich jedoch nichts: Die Entwicklung von Verbrennungsmotoren ist kapitalintensiv und mit sinkenden Stückzahlen unvereinbar. Demgegenüber profitiert die EV-Technologie von Skaleneffekten, Software-Integration und globalen Investitionsströmen. Bis 2035 werden Elektrofahrzeuge billiger zu produzieren sein als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, sodass sie unabhängig von den Vorschriften zur ersten Wahl werden.
Wertsteigerungen im Hochzinsbereich
Klimaschützer warnen, dass die 10-prozentige Toleranz bis 2050 zu einem Anstieg der CO₂-Emissionen von bis zu einer Gigatonne führen könnte. Aber die EU strebt weiterhin eine Reduzierung der Emissionen um 66 bis 72 Prozent bis 2035 und die CO₂-Neutralität bis 2050 an. Der Übergang mag sich etwas verlangsamen, aber er wird sich nicht umkehren. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, dass Europa auf Elektromobilität umsteigen wird, sondern wie schnell es die Kosten-, Lieferketten- und geopolitischen Hürden überwinden kann, um im globalen Wettlauf die Führung zu übernehmen.
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Dies ist kein Einheitsmarkt: Die Ladegeräte reichen von langsamen bis zu ultraschnellen Modellen, und die Geschäftsmodelle variieren von dichten städtischen Netzwerken über Autobahnkorridore bis hin zu Lösungen für Wohngebiete. Der Erfolg liegt in der Sicherung von Chancen mit stabilen, vorhersehbaren Cashflows, in der Regel durch stabile langfristige Verträge oder Monopolstellungen. Der Fokus liegt auf Anbietern mit ausgewiesener Erfolgsbilanz in Bezug auf schnelle Bereitstellungsfähigkeit, zuverlässige Strombeschaffung und nachhaltige Auslastungsraten.
Da die Umstellung auf Elektrofahrzeuge länger dauern könnte als ursprünglich erwartet, könnte das derzeitige schwierige Umfeld Wertsteigerungsmöglichkeiten für Anleger im Hochzinsbereich bieten.