Seit 1973 sind an der ETH Zürich 661 Start-ups und Spin-offs gegründet worden. Allein 2025 kamen 46 neue Ventures hinzu: 24 Spin-offs, also forschungsbasierte Jungfirmen, sowie 22 Start-ups, die gemäss hauseigener Definition auf studentischen Ideen basieren. Die Firmen sind erstaunlich robust – 93 Prozent sind auch nach fünf Jahren noch aktiv.
Verarbeitende Industrie ist ein Standortfaktor
Vergangenes Jahr kamen allein zwölf Neugründungen aus dem Technologie- und Softwarebereich, sieben aus Biotech/Pharma, fünf aus dem Bereich Medizinalgeräte und Diagnostik sowie jeweils zwei bis drei aus den übrigen Bereichen wie Umwelt, Beratung, Materialwissenschaften, Elektronik und Industrie bzw. Ausrüstung.
«Wir sehen hier die ganze Palette, die von unseren 16 Departementen kommt», sagt Frank Floessel, der an der ETH Zürich den Entrepreneur-Bereich leitet. Vielerorts sei heute die künstliche Intelligenz im Spiel. «Wir sehen aber auch viele Entwicklungen im Bereich Robotik und bei Deep Tech.» Hierbei könne die Schweiz mit ihren Universitäten und Hochschulen an die Aufbauarbeiten der Vergangenheit anschliessen. «San Francisco ist mit dem benachbarten Silicon Valley der Hotspot der Softwareentwicklung und hat rein digitale Firmen wie Facebook oder Linkedin hervorgebracht», so Floessel, «aber wenn man sich dort die Umgebung anschaut, dann findet man kaum Fabriken und Produktionsanlagen. Anders ist es hier in der Schweiz, wo wir sehr viele herstellende Unternehmen und bodenständige KMU mit Traditionen als Zulieferer für die Autoindustrie oder den Maschinenbau haben.» Damit ist das Umfeld sehr gut für neue Ideen aus dem Deep-Tech-Bereich aufgestellt, wo das Wissen über Hard- und Software gleichermassen wichtig ist.
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Wie beispielsweise bei der Robotik. «In den vergangenen Jahren hatte man sich hier mit den hundeähnlichen Robotern sowie mit Drohnen beschäftigt, jetzt stehen humanoide Roboter im Vordergrund», so Floessel. «Hier kann man die Motoren nicht beliebig gross bauen, wenn man einen definierten Druck auf bestimmten Flächen, beispielsweise einer Roboter-Hand, benötigt», schildert der Firmenförderer, der selber an der ETH studiert hatte, die Herausforderungen bei solchen Vorhaben. Hier kommen Hardwareelemente – Motoren und Sensoren – mit Software für die Steuerung zusammen.
Auch das Thema «Space» werde immer wichtiger. «Hier kommen langsam die ersten Firmen», beobachtet Floessel. Ein grosser Börsengang wie der von Space X in den USA würde den Investoren das Geld bringen, das wiederum in Start-ups aus diesem Bereich investiert werden könnte – diese Mittel sind derzeit knapp. «Und man sollte auch das Thema Quanten erwähnen.» Die ETH weist einen eigenen Forschungsbereich auf, bei dem es nicht nur um die Quantencomputer, sondern auch und gerade um weitere Bereiche wie Quanten-Sensoren geht. Solche Technologien sind laut Floessel durchaus alltagsnah: «Mit Quantensensoren lässt sich beispielsweise das Erdmagnetfeld messen und damit die genaue Position auf der Erde bestimmen – man benötigt dann kein störanfälliges GPS mehr.»
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Roboter füllen Lücken
Die genaue Position bei der Entwicklung solcher Start-ups lässt sich an den Demo-Days wie beispielsweise dem Deep Tech Investor Summit bestimmen. Hier treten dann die Vertreter der Start-ups und Spin-offs vor Peers und Investoren auf. Qendra beispielsweise kommt aus dem Quantum-Computing-Bereich – hier arbeitet man an einem Controller für Atom- und Ionen-basierte Quantum-Computer und damit an der nächsten Entwicklungsstufe von Rechnern. Oder die Firma Roboa: Sie entwickelt einen schlangenförmigen Roboter, mit dem sich Rohre besser als bisher inspizieren und reparieren lassen, und kommt auch bei Suchaktionen nach Erdbeben oder Terroranschlägen zum Einsatz. Bei Robinreal arbeitet man an einer Immobilienplattform der nächsten Generation. BLP entwickelt Lösungen, mit denen Firmen Arbeitsprozesse KI-gestützt aufbauen können. Die Venture-Experten von Goldman Sachs waren dermassen überzeugt, dass sie sich mit 50 Millionen an dem Start-up beteiligen.
Oder Mimic Robotics: Dieses Start-up entwickelt eine neue Generation von KI-Modellen für Roboter, die auf von der Firma entwickelten, sogenannten Video Action Models (VAM) basieren. «Unser Modell kann Aktionen für Roboter in der echten Welt vorhersagen und lernt direkt aus Videodaten und von menschlichen Demonstrationen», so Stefan Weirich, Co-Founder und CEO. «Dies ermöglicht es Robotern, alle möglichen Montage- und Verpackungsaufgaben ganz autonom zu lösen, die bisher zu komplex waren für konventionell programmierte Roboter, die starren Bewegungsabläufen folgen.» Aktuell implementiert das Unternehmen erste Robotersysteme bei Kunden. «Unser Ziel ist es, diesen Prozess so weit zu skalieren, dass wir komplexe Systeme innerhalb kürzester Zeit beim Kunden deployen und produktiv schalten können», sagt Weirich weiter. «Unsere Vision ist eine universelle ‹Embodied Intelligence›, bei der Roboter physikalische Aufgaben so intuitiv verstehen und ausführen, wie KI-Sprachmodelle heute Texte verarbeiten. Wir schaffen die technologische Basis dafür, dass Roboter als vielseitige Allrounder den globalen Fachkräftemangel in verschiedensten Branchen nachhaltig lösen.»
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