1 Gier: Übermässige Kapitalbeschaffung
Im Gegensatz zu traditionellen Private-Equity-Fonds können Evergreen-Manager den Zeitpunkt der Zeichnungen durch Anleger nicht kontrollieren. Daher ist Disziplin bei der Kapitalbeschaffung ein entscheidender Faktor. Entsprechend braucht es für die Annahme von Kundengeldern einen gut durchdachten Plan, der mit der organischen Cash-Generierung, den erwarteten Ausschüttungen, dem Transaktionstempo und prognostizierten Rücknahmen im Einklang steht. Der Schwerpunkt sollte auf nachhaltigem Wachstum und nicht auf blosser Grösse liegen.
Die Autoren: Alexander Eschmann ist Head Private Wealth Switzerland, Julia Hanmer ist VP Evergreen Solutions, beide bei Harbourvest Partners Schweiz.
2 Trägheit: Ineffiziente Kapitalallokation und Cash Drag
Eine langsame oder unregelmässige Transaktionspipeline kann zu Cash Drag führen, das heisst die Rendite des Portfolios verwässern. Eine hohe und stabile Investitionsquote ist entscheidend. Der Aufbau einer diversifizierten Pipeline und die Aufrechterhaltung eines hohen Transaktionstempos sind elementar. Manager sollten der Versuchung widerstehen, die Investmentstandards mit zunehmendem Fondsvolumen zu lockern. Stattdessen ist sicherzustellen, dass das Kapital effizient eingesetzt wird, ohne die Qualität zu beeinträchtigen. 3 Neid: Jagd nach Rabatten im Sekundärmarkt
Der Erwerb von Vermögenswerten mit einem Rabatt kann zwar die kurzfristigen Renditen steigern. Dieser Ansatz ist allerdings riskant, da er strukturell prozyklisch wirkt. Darüber hinaus kann ein übermässiges Engagement in reifen, auslaufenden Vermögenswerten das zukünftige Wertsteigerungspotenzial einschränken. Die Anleger sollten die Qualität von diskontierten Vermögenswerten genau prüfen. Eine nachhaltigere Strategie konzentriert sich auf Vermögenswerte mit langfristigem Wertsteigerungspotenzial, auch wenn die Rabatte geringer ausfallen. Eine Diversifizierung über jüngere, qualitativ hochwertigere Portfolios kann die Widerstandsfähigkeit erhöhen und hat das Potenzial, konsistentere Renditen zu erzielen. 4 Zorn: Unsachgemässe Nutzung von Fremdkapitaleinsatz
Fremdkapitaleinsatz, insbesondere durch Kreditfazilitäten auf Fondsebene, kann bei umsichtiger Handhabung ein nützliches Instrument sein. In Zeiten von Marktstress neigt die Liquidität indes dazu, zu versiegen. Eine übermässige Abhängigkeit von Kreditfazilitäten kann Fonds in Krisenzeiten gefährden. Manager sollten Kreditfazilitäten als eine Art Versicherung betrachten, sie angemessen dimensionieren und ihre Nutzung unter widrigen Marktbedingungen einem Stresstest unterziehen. 5 Selbstgefälligkeit: Verzerrung der Bewertung
Genaue NAV-Schätzungen sind entscheidend, da sie sich direkt auf die Transaktionen der Anleger auswirken. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass Bewertungen zu optimistisch ausfallen, um die Performance zu stützen. Deshalb braucht es die Einführung einer unabhängigen Überwachung der Bewertungsrichtlinien. Zentral sind transparente, wiederholbare Bewertungsmodelle, eine regelmässige Dokumentation von Anpassungen sowie eine klare Governance-Struktur im Interesse der Anleger.
6 Völlerei: Unzureichende Diversifizierung
Konzentrationsrisiken durch übermässige Exposition gegenüber einer einzigen Art oder einer einzigen Quelle von Transaktionen können die Widerstandsfähigkeit des Portfolios untergraben. Eine echte Diversifizierung sollte mehrere Faktoren berücksichtigen, beispielsweise Region, Sektor, Branche, Unternehmensgrösse sowie ein auf das Mandat des Fonds zugeschnittenes Investitionsjahr. Multi-Manager-Ansätze sind vorteilhaft, da sie Zugang zu vielfältigen Möglichkeiten bieten.
7 Stolz: Übermässiges Vertrauen in das Fondsmanagement
Übermässiges Vertrauen ist der stille Killer von Evergreen-Performance. Liquiditätsprognosen, Rücknahmetaktung und Cashflow-Timing verhalten sich selten wie modelliert. Das zentrale Risiko für Evergreen-Fonds ist die Liquidität. Erforderlich sind institutionalisierte Portfoliomanagementteams, die Annahmen laufend überprüfen und Liquiditätskennzahlen kontinuierlich überwachen. Vorausschauend handeln
Die «sieben Sünden» beim Investieren in Evergreen-Fonds sind nicht bloss Theorie. Sie manifestieren sich in realen Portfolios und können die Performance und das Vertrauen untergraben. Anleger sollten deshalb bei der Auswahl eines Fondsmanagers genau hinschauen.