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Suchmaschinen

KI lässt Suchmaschinen-Traffic einbrechen

Während der organische Traffic im DACH-Raum um mehr als 20 Prozent einbricht, bleibt er in der Schweiz vorerst stabil.

Einst Wunderwaffe, ist die Google-Suche heute schon fast ein alter Schuh.
Einst Wunderwaffe, ist die Google-Suche heute schon fast ein alter Schuh.Shutterstock

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Der Suchmaschinen-Traffic war für Onlinehändler lange eine der wichtigsten Kennzahlen: Ein blauer Link ganz oben bei Google galt als messbarer Umsatztreiber. Der Siegeszug generativer KI ändert diese Gleichung nun grundlegend. Eine aktuelle Traffic-Studie von D-Dialog liefert erstmals Zahlen für den DACH-Raum: Auf der Basis von 1,2 Milliarden analysierten Websitebesuchen (Sessions) zwischen Anfang 2024 und Mitte 2026 zeigt sich, dass der Traffic-Einbruch da ist – wenn auch ungleich verteilt.

Die Autorin

Kristina Niederer-Nierlich, Director Digital Analytics, E-Dialog

Mehr als 20 Prozent Traffic verloren

Im zweiten Quartal 2026 blickte die E-Commerce-Branche auf einen historischen Wendepunkt. Der organische Suchmaschinen-Traffic im DACH-Raum brach um 20,3 Prozent ein. Zwar verdreifachten sich im selben Zeitraum die Zugriffe über KI-Interfaces wie Chat GPT, Perplexity oder den Google AI Mode, doch fangen diese das Minus bei weitem nicht auf – ihr Anteil am Gesamt-Traffic verharrt weiterhin unter der 1-Prozent-Marke. Ursache für diese Verschiebung ist das veränderte Suchverhalten. Antworten werden direkt im Chat geliefert, anstatt Nutzer über klassische Linklisten in die Shops zu leiten. Die zeitaufwendige Websiterecherche weicht einer dialogischen KI-Beratung. Für Onlinehändler bleibt oft nur noch der finale Klick zur Transaktion – zumindest so lange, bis autonome KI-Agenten auch den Kaufprozess direkt übernehmen.

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Dass die Handelsbranche auf diese Dynamik reagiert, belegt die Entwicklung der Marketingbudgets. Im Jahr 2025 versuchten viele Akteure, den organischen Verlust (minus 12 Prozent zum Vorjahr) noch durch massiven Mitteleinsatz im Performance-Marketing auszugleichen – die Klicks über Paid Search stiegen um 18 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 setzte jedoch ein Umdenken ein. Zwar verlangsamte sich der Rückgang beim organischen Traffic auf minus 8 Prozent, zeitgleich fuhren die Händler ihre bezahlten Klicks aber um fast 20 Prozent zurück. Dieser Wandel ist nur teilweise auf allgemeine Budgetkürzungen im Zuge der Konjunktur zurückzuführen. Strategisch wiegt eine andere Erkenntnis schwerer: Der klassische Reflex, verlorene organische Reichweite schlicht über SEA zurückzukaufen, funktioniert in einer KI-zentrierten Suche nicht mehr rentabel. Gefragt sind neue Ansätze für Marketingkanäle, die nicht auf dem Modell des wiederkehrenden Klicks basieren – von der Optimierung für KI-Suchsysteme (GEO/LLMO) bis zum Ausbau von Direktkundenzugängen und Markenloyalität.

Es gilt, jetzt zu handeln

Auf den ersten Blick trifft dieser Umbruch die Schweiz deutlich schwächer als Deutschland. Während das Nachbarland im ersten Halbjahr 2026 einen Einbruch des organischen Traffics um 19,2 Prozent verzeichnete, fiel das Minus in der Schweiz mit 3,5 Prozent vergleichsweise moderat aus. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Zum einen wurde der Schweizer Wert durch Ausreisser nach unten verzerrt und für die Analyse bereinigt; zum anderen deutet vieles auf einen zeitversetzten Effekt hin. Der mit rund 68 Millionen Internetnutzern wesentlich grössere deutsche Markt treibt das Training und den Roll-out von KI-Features schneller voran, wodurch generische Suchanfragen dort früher in Chat-Antworten abgefangen werden. In der Schweiz schützen lokalisierte und regionale Suchanfragen derzeit noch häufiger die klassische Trefferliste – ein Vorsprung, der jedoch schmelzen dürfte.

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Die Befunde der Studie sind daher kein Signal zur Entwarnung, sondern ein strategisches Zeitfenster für den Schweizer Handel. Da KI-Modelle wie Gemini, Claude oder Chat GPT zunehmend die Rolle des digitalen Einkaufsberaters übernehmen, verlagert sich die Markenpräsenz von der klassischen Suchmaschinenoptimierung hin zur Sichtbarkeit innerhalb synthetischer Antworten (Generative Engine Optimization). Da diese KI-Empfehlungen weder so transparent noch so einfach messbar sind wie traditionelle Google-Rankings, erfordert dies ein Umdenken im Monitoring. Für Unternehmen geht es jetzt darum, den eigenen Status quo zu bestimmen: Neben der genauen Analyse bisheriger Traffic-Verluste steht die Überprüfung der eigenen digitalen Kanäle auf Machine-Readability, Entitätenklarheit und KI-Relevanz im Vordergrund. Nur auf dieser Datenbasis lassen sich Marketingstrategien entwickeln, die unabhängig von reinen Klickzahlen nachhaltige Kundenbeziehungen sichern.

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