Egal, ob Dienstleister oder Hersteller mit Direktvertrieb: Wer heute Kunden gewinnt, muss dort auftauchen, wo die Kaufentscheidung fällt. Und dieser Ort verlagert sich gerade drastisch. Immer mehr Menschen lassen die klassische Suchmaschine links liegen und fragen stattdessen Chat GPT, Gemini und Co. nach dem passenden Anbieter. Das Ergebnis ist keine lange Linkliste mehr, sondern eine direkte Empfehlung mit zwei oder drei Namen. Wer dort fehlt, kommt in der Recherche schlicht nicht mehr vor. Das liegt aber selten an der Qualität des Produkts oder der Dienstleistung. Es liegt an der Art und Weise, wie Sprachmodelle Infos im Netz verarbeiten. Damit eine KI ein Unternehmen als Option in Betracht zieht, muss sie im Bruchteil einer Sekunde drei gedankliche Schritte vollziehen: erkennen, einordnen und bestätigen. Zuerst muss das System erfassen, dass die Firma als reale Organisation existiert – inklusive Name, Standort und Rechtsform. Im zweiten Schritt muss die KI begreifen, was der Betrieb konkret anbietet, für wen und in welcher Region. Und drittens vergleicht das System diese Daten. Es sucht nach unabhängigen Quellen im Netz, die diese Angaben bestätigen. Bricht diese Kette an einer Stelle ab, geht die Empfehlung an die Konkurrenz. Die Gründe dafür sind meist erstaunlich banal. Oft beschreibt die eigene Website das Angebot in blumigem Marketingsprech statt in klaren Begriffen, nach denen Kunden tatsächlich suchen. Oder die Verzeichnisse im Netz widersprechen sich. Auf der Website steht die neue Adresse, im Branchenbuch noch die alte, und der Branchencode passt nicht zur eigentlichen Leistung.
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Der Autor
Jovan Spasic, Marketing-Manager, Cohaga AG
Ein gutes Google-Ranking genügt nicht
Wer es in der klassischen Google-Suche in die Top Ten schafft, hat in KI-Antworten noch lange keinen Stammplatz. Eine Ahrefs-Analyse von 863'000 Suchanfragen und rund vier Millionen von Googles AI Overviews zitierten URLs zeigte Anfang 2026: Nur 38 Prozent der Quellen rangierten für dieselbe Suchanfrage in den organischen Top Ten. Knapp zwei Drittel der zitierten Seiten lagen ausserhalb der ersten zehn Treffer. Ein zentraler Grund dafür ist, dass KI-Systeme das Netz weit über die eigene Firmenwebsite hinaus durchkämmen. Eine Untersuchung der Genfer Agentur Repliq zu Hotelempfehlungen von vier führenden KI-Modellen offenbart das Muster sehr deutlich: Nur knapp ein Drittel der zitierten Quellen stammte direkt von den offiziellen Hotelwebsites – gut ein Viertel stützte sich stattdessen auf Buchungsplattformen. Zudem wägen die Algorithmen völlig unterschiedlich ab: Von über 3500 genannten Hotels schafften es gerade einmal 26 in die Empfehlungen aller vier Systeme.
Für Unternehmen wird Sichtbarkeit dadurch zu einer Pflichtaufgabe, die weit über klassisches Marketing hinausgeht. Es gilt, Geschäftsdaten digital so aufzubereiten, dass Maschinen sie mühelos erfassen und mit externen Quellen abgleichen können. Neben der exakten Firmenbezeichnung laut Handelsregister, dem Standort und dem Tätigkeitsgebiet erfordert dies eine präzise Beschreibung jedes einzelnen Angebots samt Spezialisierungen. Belastbare Belege wie Zertifikate, Kundenreferenzen oder Berichte in Fachmedien verankern das Unternehmen schliesslich verlässlich in den Wissensdatenbanken der Algorithmen.
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Eine einheitliche digitale Identität
Um widersprüchliche Angaben im Netz zu bereinigen, gewinnen KI-fähige Datenverzeichnisse an Bedeutung. Diese Plattformen bereiten Unternehmensdaten gezielt für Sprachmodelle auf. Sie verknüpfen offizielle Handelsregisterdaten mit Detailangaben der Firmen, prüfen sie auf Konsistenz und stellen sie maschinenlesbar bereit. Der Mehrwert liegt nicht in der Reichweite des Eintrags, sondern in der Vereinheitlichung der digitalen Identität. Die KI findet das Unternehmen an einer weiteren Stelle mit identischen Daten vor. Ein solches Verzeichnis ist jedoch kein Wundermittel. Es ersetzt weder eine gut strukturierte Website noch unabhängige Belege durch Fachmedien, Verbände oder Kundenbewertungen. Erst das Zusammenspiel aller Quellen schafft Vertrauen bei den Algorithmen. Gleichzeitig gilt: Eine Spitzenplatzierung in KI-Systemen lässt sich weder kaufen noch garantieren. Es gibt bisher keine Methode, um die Präsenz in Chat GPT oder Perplexity nachweislich und dauerhaft zu steuern. Die Modelle gewichten ihre Quellen fortlaufend neu. Was bleibt, ist der Wert klarer und vor allem überprüfbarer Fakten. Da etablierte Analysetools für KI-Antworten noch fehlen, bleibt Betrieben nur der direkte Test. Dabei stellen Mitarbeitende verschiedenen KI-Systemen typische Kundenfragen – idealerweise in mehreren Landessprachen. Da Antworten schwanken, wird der Fortschritt erst über ein fortlaufendes Monitoring sichtbar. Sichtbar ist in KI-Antworten, wer zweifelsfrei erkennbar, eindeutig eingeordnet und von unabhängigen Quellen bestätigt wird. Es geht um kontinuierliche Informationspflege. Und die beginnt mit der einfachen Frage: Sagen unsere Angaben im Netz überall exakt dasselbe, und das in klaren Worten?