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Wirtschaftsraum Baden

Powerhouse der Schweizer Industrie

Badens Geschichte ist geprägt von produktiven Brüchen. Die Stadt nutzt den Wandel seit jeher als Motor für Erneuerung.

Jasmine Alig

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In Baden verschmelzen Hightech und Lebensqualität auf engstem Raum. Keystone

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Baden ist heute weit mehr als eine historische Industriestadt; es ist das Herz eines der weltweit bedeutendsten Engineering-Cluster. Nirgendwo sonst in der Schweiz konzentriert sich so viel spezifisches Wissen über Energieerzeugung, -übertragung und -speicherung auf so engem Raum. Diese Dichte ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer fast zweitausendjährigen Geschichte der Inspiration und Transformation.
Die Wurzeln dieser Innovationskraft reichen weit zurück. Schon in der Römerzeit war Baden – damals Aquae Helveticae – ein Ort der Inspiration und des Austausches. Der Fokus auf Gastfreundschaft und Gesundheit prägte über Jahrhunderte das Image Badens als internationaler Kurort. Doch die wahre DNA der Stadt liegt tiefer: Es ist die Fähigkeit, sich radikal neu zu erfinden, ohne die eigene Identität zu verlieren.
Der fundamentale Strukturwandel vollzog sich Ende des 19. Jahrhunderts. Während der Tourismus an Glanz verlor, legten Pioniere wie Charles Brown und Walter Boveri den Grundstein für ein neues Zeitalter. Mit der Gründung von Brown, Boveri & Cie. (BBC) im Jahr 1891 transformierte sich Baden fast über Nacht vom Kurort zur globalen Schmiede für Elektrotechnik. Ingenieurwissen wurde zur neuen Leitwährung. Turbinen und Generatoren aus Baden elektrifizierten den Globus.

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Ein industrielles Ökosystem entsteht

Mit dem Aufstieg der Grossindustrie entwickelte sich in Baden ein dichtes industrielles Gefüge, das weit über die Werktore hinausreichte. Die Grossbetriebe fungierten als Anker für ein wachsendes Netzwerk aus spezialisierten Zulieferern, Bildungsstätten und Forschungseinrichtungen. Es entstand ein «Ökosystem der kurzen Wege», das bis heute das Rückgrat der Region bildet: Die unmittelbare Nähe zwischen Forschung, Prototyping und Produktion ermöglichte eine Innovationsgeschwindigkeit, die Baden früh zum exportorientierten Leader machte.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich dieses Wachstum fort. BBC – später ABB – wurde zum multinationalen Konzern, während Baden als Standort für Forschung und Unternehmenssteuerung an Bedeutung gewann. Doch die fortschreitende Globalisierung brachte auch harte Einschnitte. Ende des 20. Jahrhunderts verloren Teile der klassischen Grossindustrie an Volumen, Arbeitsplätze wurden verlagert.
Die Stadt und ihre Akteure reagierten auf diese Verwerfungen nicht mit protektionistischer Bewahrung der Vergangenheit, sondern mit strategischer Öffnung. Ehemalige Produktionsareale wurden nicht zu Industrieruinen, sondern zu lebendigen urbanen Quartieren umgenutzt. Ein prominentes Beispiel ist das Brown-Boveri-Areal: Wo früher tonnenschwere Generatoren montiert wurden, findet man heute eine Mischung aus Co-Working-Spaces, Start-ups, Eventlocations, Wohnungen und der Hightech-Produktion bzw. dem Know-how von Firmen wie Accelleron oder Hitachi Energy. Der Engineering-Cluster hat sich gewandelt – weg von der reinen Hardware-Fertigung hin zu wissensintensiven Dienstleistungen und digitaler Steuerungstechnik in Kombination mit modernster Fabrikation. Dieses Netzwerk besteht nicht nur aus globalen Playern, sondern wird von Hunderten von KMU gestützt, die als hoch spezialisierte Nischenplayer weltweit führend sind.

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Mit heute rund 140 000 Einwohnern und 66 000 Beschäftigten ist die Region Baden-Wettingen der grösste urbane Wirtschaftsraum im Aargau. Diese Fähigkeit, industrielle Hinterlassenschaften funktional neu zu verknüpfen und das Humankapital der Ingenieure für die digitale Ära zu nutzen, ist das Geheimnis der Badener Resilienz.

Ökosystem der Zusammenarbeit

Heute präsentiert sich Baden als moderner Wirtschaftsraum, der die Tradition des progressiven Wandels fortsetzt. Die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Ingenieuren und Spezialisten ist der Treibstoff des Energie-Clusters. Baden bietet hierfür die perfekte Bühne: Urbanität trifft auf Lebensqualität, internationale Offenheit auf lokale Verwurzelung. Dass Fachkräfte aus aller Welt die Region wählen, liegt auch an der engen Abstimmung innerhalb der Region, die Standortförderung, Verkehrsplanung und Lebensqualität als gemeinsame Aufgabe versteht.
Mit dieser Konzentration auf hoch spezialisierte Technologiecluster bleibt die Stadt ein Motor für den Kanton Aargau und den Metropolitanraum Zürich. Die Römer brachten den Wein und die Bäder, die Pioniere der Elektrotechnik das Licht – und die heutigen Innovatoren gestalten die Energiewende und die digitale Transformation. Diese Mischung zieht Talente aus der ganzen Welt an, die den «Badener Geist» weitertragen und immer wieder neu interpretieren.

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