Dream Big» und «Feel home» – die Begrüssung bei Baden 4.0 erfolgt gleich in der Sprache der weltweiten Start-up-Szene. «Die Unternehmen profitieren von wirtschaftlicher Stärke, Innovationskraft und hoher Lebensqualität», wirbt die Initiative, die mit dem Ziel lanciert wurde, die Innovationsgeschwindigkeit in der Region zu steigern. Seit Januar dieses Jahres unterhält der neue Start-up-Inkubator Powerplant mit Fokus auf Hightech, Energie, Elektrotechnik und industrienaher ICT einen physischen Space auf dem historischen Müllerbräu-Areal direkt am Bahnhof Baden. Hackathons, Networking-Events und Innovation-Challenges gehören hier zum Programm.
«Baden ist insofern ein Hotspot, als in den Branchenschwerpunkten Energie, Elektrotechnik, Healthtech und ICT zunehmend überregional Interesse von Start-ups am Standort zu beobachten ist. Dies, weil sie hier Nähe zur international ausstrahlenden Industrie finden», beobachtet Thomas Lütolf, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft der Stadt Baden. «Wir sind mit etwa zwanzig Start-ups in regelmässigem Austausch, und erfreulicherweise sehen sich vermehrt auch ETH-Spin-offs hier um.» Einige wie Apheros oder Fen X sind bereits da.
Engineering-Power statt Massenmarkt
Eine Expertise zur Start-up-Förderung im Rahmen von Baden 4.0 zeigte auf, dass es wenig sinnvoll wäre, im Wirtschaftsraum Zürich weitere Inkubator- oder Accelerator-Programme anstossen zu wollen. «Dieses Angebot ist bereits riesig», stellt Lütolf fest. «Vielmehr soll auf die Konnektivität zwischen der Industrie und den Start-ups fokussiert werden, denn da besteht beidseitig Bedarf nach Skill-Sharing und informellem Austausch.» Die trotz 30 000 Beschäftigten überschaubare Grösse des Wirtschaftsstandorts und die scharf profilierten Branchenschwerpunkte seien für diesen Ansatz besonders geeignet. «Start-ups mit Bedarf nach Engineering-Kompetenzen finden in so einem Netzwerk einfach Orientierung», beschreibt Lütolf das Umfeld. «Man kennt sich rasch und hat kurze Wege.» Diese Balance zwischen Familiarität und Internationalität wird laut Lütolf mit dem Industry-Start-up-Connector Powerplant insbesondere für den Bereich Hightech-Energietechnik seit gut einem Jahr erfolgreich praktiziert.
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«Der kleine Heimmarkt und das beschränkte Venturecapital limitieren die Attraktivität der Schweiz vor allem für Start-ups in Expansionsphase», sagt Lütolf in Hinblick auf die kommende Entwicklung. «Umso wichtiger ist es für den Wirtschaftsstandort Baden, den Nutzen aus der angedachten Symbiose zwischen der ansässigen Industrie und der Start-up-Szene forcieren zu können», so Lütolf weiter. «Ein naheliegender Standortvorteil könnte sein, dass die Megatrends Energie und Ressourceneffizienz punktgenau zu den Badener Branchenschwerpunkten passen.»
Hightech-Erbe als Standortvorteil
Wie beispielsweise bei der Firma Crosstown H2R. «Für mich ist Baden ein Stück weit auch ein ‹Homecoming›», sagt Manoj Harasgama, Co-CEO und Gründer von Crosstown H2R. Das junge Unternehmen hat eine international patentierte Verbrennertechnologie entwickelt, mit der sich die in Gaskraftwerken installierten Turbinen auf die Verwendung von Wasserstoff umrüsten lassen. «Mit unserer Technologie kann der Versorger seine Turbinen mit Erdgas, mit Wasserstoff sowie mit allen dazwischen denkbaren Mischungen betreiben», erklärt Harasgama.
Manoj Harasgama will Gasturbinen mit Wasserstoff betreiben.RMS
Manoj Harasgama will Gasturbinen mit Wasserstoff betreiben.RMS
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Die Expertise hierzu findet er in der Region: Die ABB-Vorgängerfirma BBC hatte vor knapp hundert Jahren die weltweit ersten Gasturbinen entwickelt. Nach dem Ausstieg aus diesem Geschäft und dem Verkauf der Sparte an ein anderes Unternehmen blieb sehr viel Wissen in der Region. Dieses in der Region verankerte Know-how war auch für die erfolgreiche Finanzierungsrunde mit einem Volumen von 3,75 Millionen Dollar vom vergangenen Jahr bedeutsam. «Man kann auch vom Gasturbinen-Valley sprechen», sagt Harasgama. Crosstown H2R steht an der Schwelle zur breiten Kommerzialisierung. Am Standort will man bei der weiteren Expansion festhalten.
Medtech-Boom im ehemaligen ABB-Bau
Für Start-ups aus dem Gesundheitswesen ist der Health Innovation Hub Aargau mit Zugang zur klinischen Forschung attraktiv. Dieser vernetzt Akteure aus Klinik, Forschung und Wirtschaft – unter anderem mit der ETH Zürich und der FHNW – mit dem Ziel, eine starke Start-up- und Produktentwicklungsszene im Bereich Digital Health, Medizintechnik und Pharma zu etablieren. Das erste Start-up, das den Hub am Kantonsspital Baden bezogen hat, ist Scanvio Medical, ein Unternehmen, das gemeinsam mit der ETH an einer nicht invasiven Diagnose von Endometriose arbeitet.
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Oder das 2025 gegründete Unternehmen Nakamo mit Sitz in Baden: Es reduziert den regulatorischen Aufwand für Medtech-KMU und -Start-ups mithilfe von KI. «Wir verfolgen das Ziel, Medtech-Unternehmen in ganz Europa mit unseren KI-Companions zu unterstützen», erklärt Thierry Rietsch, Gründer und CEO der Firma. Laut Rietsch hat man Baden als Standort gewählt, da die Stadt für Arbeitnehmende alles bietet. «Wir sind mit den ÖV gut angebunden und in Kombination mit den coolen Büroräumlichkeiten in einem ehemaligen ABB-Gebäude ergibt das einen attraktiven Arbeitsort», so Rietsch. «Wir wollen uns in der Schweiz sowie in Europa etablieren und im ganzen Lebenszyklus eines Medtech-Produktes die regulatorische Arbeit mit KI unterstützen», sagt Rietsch in Hinblick auf die Pläne. «Das bedeutet, dass wir sowohl stark in die Technologie investieren werden als auch personell weiter wachsen werden – dies am Standort Baden.»