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Wirtschaftsraum Baden

Die Zukunft ist hier

Mit «Baden 4.0» bündeln Stadt, Kanton und Industrie ihre Kräfte, um den Standort zu stärken.

Jasmine Alig

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Die historische Kulisse Badens bildet die Basis für ein dynamisches Netzwerk. zVg

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Baden hat eine DNA, die seit über 150 Jahren von industrieller Innovation geprägt ist. Doch wer heute durch die Stadt spaziert, merkt schnell: Hier wird nicht nur Geschichte verwaltet, hier wird die Zukunft programmiert. Zwischen den historischen Fassaden und den modernen Industriearealen herrscht eine Aufbruchstimmung, die weit über das übliche Mass hinausgeht.
Baden ist eine Stadt im Wandel, die ihr industrielles Erbe nicht als Last, sondern als Sprungbrett nutzt. «Das wirtschaftliche Erbe gehört zu unserer Identität», erklärt Regierungsrat Dieter Egli, Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Die langjährige Industrietradition zu pflegen, sei wichtig, genüge aber nicht. «Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen wir die Geschichte weiterschreiben.» Für ihn ist klar: Ein Wirtschaftsstandort muss sich laufend neu erfinden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze zu schaffen.

Brückenschlag statt Silodenken

Baden verfügt über eine aussergewöhnliche Dichte an Wissen. Weltkonzerne wie ABB, GE Vernova oder Accelleron forschen hier Tür an Tür mit Spezialisten des Paul Scherrer Instituts (PSI) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Lange Zeit existierten diese Kompetenzen oft in isolierten Bereichen nebeneinander her. Doch die Weltwirtschaft dreht sich immer schneller und Innovation entsteht heute vor allem an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Disziplinen.

Partner-Inhalte

Genau hier setzt die Initiative «Baden 4.0» an. Das Projekt wurde von der Stadt gemeinsam mit dem Kanton Aargau und über dreissig Partnern ins Leben gerufen, um diesen Austausch zu institutionalisieren. «Die Initiative vernetzt Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Forschung, Verwaltung und Bildung und schafft nachhaltige Innovation. So erkennen wir Bedürfnisse schneller und setzen Lösungen unbürokratisch um», erklärt Stadtammann Markus Schneider, einer der zentralen Enabler des Netzwerks. «Gleichzeitig stärken wir unsere zentralen Branchenschwerpunkte Hightech-Energie, Elektrotechnik, Medtech, Gesundheit und industrienahe ICT.» Davon profitieren Grossunternehmen und KMU gleichermassen.

Vernetzung als Superkraft

Der Grundgedanke ist, die Wege zwischen Verwaltung, Forschung und Wirtschaft so kurz wie möglich zu halten. Wenn ein Start-up eine bahnbrechende Idee hat, soll es in Baden sofort die richtigen Ansprechpartner in den Industriehallen oder im Kantonsspital finden. Um diese Vision greifbar zu machen, verfolgt die Initiative vier strategische Hauptziele:
1. Hightech-Energie und ICT: Diese Säule macht Baden zum europäischen Zentrum für Elektrotechnik. Mit dem neuen jährlichen Summit BadenEnergy positioniert sich der Standort ab 2027 als Treffpunkt für Führungskräfte und Talente aus ganz Europa. Die Bündelung internationaler Kompetenzen in Forschung, Produktion und Services an einer Location mit industriegeschichtlicher Strahlkraft ist in dieser Form einzigartig.

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2. Health-Innovation: Der «Health Innovation Hub Aargau» schlägt die Brücke zwischen modernster Medizintechnik und der praktischen Anwendung im klinischen Alltag des Kantonsspitals Baden (KSB).
3. Start-up-Förderung: Mit dem «Powerplant» im Müllerbräu-Areal wurde ein inspirierender physischer Raum geschaffen, in dem junge Gründer direkt von der langjährigen Erfahrung der Industrie profitieren.
4. Talentmagnetismus: Formate wie die jährliche «Summer School» bringen Studierende direkt mit den lokalen Firmen zusammen, um Fachkräfte frühzeitig für den Standort zu begeistern.

Tradition als Nährboden

Die Umsetzung ist im Jahr 2026 längst in der heissen Phase angekommen. Baden hat bewiesen, dass es mehr ist als eine idyllische Bäderstadt. «Tradition und Hightech schliessen sich nicht aus, sie ergänzen sich», hält Dieter Egli fest. Das Pflegen von Traditionen halte Orte lebendig, gebe ihnen eine Seele und mache sie attraktiv zum Wohnen und Arbeiten. «Solch ein vitales Umfeld ist dann wieder ein idealer Nährboden – für neue Ideen, für regen Austausch und für die Entstehung innovativer Technologien.»
Baden ist bereit, seine Rolle als industrielles Herz der Schweiz neu zu definieren. Die Initiative hat die Stadt zu einem Reallabor für die Wirtschaft von morgen gemacht – zentral in Europa, im innovativsten Land der Welt und mit einer Standortkompetenz, die weit über die Landesgrenzen hinaus strahlt. Wer wissen will, wie die Energiewende und die digitale Transformation praktisch umgesetzt werden, kommt an Baden nicht mehr vorbei. In dieser Stadt wird das nächste Kapitel der Industriegeschichte bereits heute geschrieben.

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NACHGEFRAGT

«Baden 4.0 zeigt, wie viel durch vernetztes Know-how möglich wird»

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[C]Geri_Krischker
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Baden investiert viel Geld in diese Initiative. Welchen direkten Nutzen haben die lokalen Firmen und die Einwohner davon?
Baden 4.0 stärkt den ganzen Wirtschaftsstandort. Die Initiative fördert den Austausch entlang der Wertschöpfungsketten, unterstützt Innovationen und wirkt dem Fachkräfte­mangel entgegen. Dies mit dem klaren Ziel, den Wirtschaftsstandort Baden und darüber hinaus zu stärken. Das sichert Arbeitsplätze, erleichtert Unternehmensansiedlungen und stärkt das lokale Gewerbe – wovon auch die Bevölkerung direkt profitiert.
Wo mussten Sie hinter den Kulissen am meisten Überzeugungsarbeit leisten – eher bei den skeptischen Bürgern oder bei den traditionellen Unternehmen?
Beide Gruppen hatten unterschiedliche ­Fragen, aber das ist normal bei einem Projekt dieser Grössenordnung. Den Bürgerinnen und Bürgern wollen wir mit Baden 4.0 aufzeigen, welchen konkreten Mehrwert die Initiative für die Region stiftet. Die Unternehmen interessierte insbesondere, wie sie vom gemeinsamen Vorgehen direkt profitieren. Mit der Umsetzung verschiedener Massnahmen konnten zahlreiche Partner aktiv eingebunden und ihre Vernetzungen gezielt gestärkt werden.
Sie gelten als der grosse Brückenbauer hinter diesem Netzwerk. Welches konkrete Projekt der Initiative begeistert Sie persönlich am meisten?
Die Initiative Baden 4.0 zeigt, wie viel durch vernetztes Know-how möglich wird und wie dies die Wirtschaft und die Stadt stärkt. Einige Initiativen, die alle ihren besonderen Reiz haben, wurden schon um­gesetzt. Besonders freue ich mich auf den Baden- Energy-Summit. Dieses Projekt wird führende Akteurinnen der Energie- und Elektrotechnik verbinden und sie jährlich zu einem internationalen Treffen zusammenbringen. So entsteht eine starke Community für die Zukunft der Energieindustrie – weit über die Schweiz hinaus.

Baden 4.0 – das Netzwerk auf einen Blick

Die Initiative wird von über dreissig Partnern getragen, die das Rückgrat des Innovationsstandorts bilden.
Wirtschaft:
ABB Schweiz AG, Accelleron Switzerland AG, Aarg. Industrie- und Handelskammer AIHK, Aveniq AG, Autexis Holding AG, Axpo Holding AG, city com baden, Data Unit AG, Dectris AG, Eglin Immobilien AG, GE Vernova, Harting, Hitachi Energy Ltd., Infosys Ltd., Kantonsspital Baden, nadlo GmbH, Regionale Verkehrsbetriebe Baden Wettingen (RVBW) AG, Schneider Electric, Trafo Baden Betriebs AG, Varian Medical Systems Imaging Lab, ein Unternehmen von Siemens Healthineers
Forschung:
Digitalswitzerland, Hightech Zentrum Aargau, Park Innovaare, Paul Scherrer Institut (PSI)
Bildung:
ABB Technikerschule, Berufsfachschule BBB, Bildungsnetzwerk Aargau Ost, FHNW, Libs
Eigentümer:
Konnex, Kirkbi
öff. Hand:
Kanton Aargau, Stadt Baden
Politik:
Ständerätin Marianne Binder, Ständerat Thierry Burkart, Nationalrätin Stefanie Heimgartner, Regierungsrat Dieter Egli, Einwohnerratspräsidentin Denise Zumbrunnen, Stadtammann Markus Schneider, Stadtrat Dr. Benjamin Steiner

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