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Gastbeitrag

Diversifikation weiterdenken

Alternative Anlageklassen ergänzen das klassische Portfolio und machen die Vermögensanlage für institutionelle Anleger robuster.

Heute fast ein Muss: Die Verteilung auf verschiedene Anlageklassen.
Heute fast ein Muss: Die Verteilung auf verschiedene Anlageklassen.Getty Images

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Die Welt war lange Zeit für Anleger vergleichsweise einfach. Ein Portfolio aus Aktien und Obligationen bot eine attraktive Kombination aus Rendite und Risiko: Aktien sorgten für Wachstum, Obligationen stabilisierten das Portfolio und lieferten laufende Erträge. Schweizer Obligationen erzielten über zwanzig Jahre mehr als 1,5 Prozent Rendite pro Jahr und damit eine positive Realrendite. Ein wesentlicher Teil entfiel auf die erste Hälfte der Periode, als das Schweizer Zinsniveau von über 3 Prozent gegen null sank. Danach war mit Franken-Obligationen kaum mehr Geld zu verdienen. Das spricht nicht gegen das klassische Portfolio. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Aktien und Obligationen auch künftig allein alle Aufgaben erfüllen können, die ihnen die Anleger zugedacht haben.

Der Autor

Daniel Breitenstein, Leiter Fund & Equity Research, Basler Kantonalbank

Diversifikation breiter verstehen

Das Jahr 2022 hat diese Frage neu aufgeworfen. Krieg, steigende Energiepreise und hohe Inflation zwangen die Zentralbanken zu einer raschen geldpolitischen Straffung. Die Zinsen legten zu – Aktien und Obligationen gerieten unter Druck. Damit fiel ein Diversifikationseffekt teilweise aus, auf den viele gemischte Portfolios vertraut hatten.
Während beide Anlageklassen weit über 10 Prozent verloren, lieferten etwa Rohstoffe und Hedgefonds-Trendfolgestrategien positive Beiträge. Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds zeigt: Seit 2020 treten gemeinsame Kursverluste von Aktien und Obligationen gerade in Stressphasen häufiger auf. Dazu trugen Inflations- und Angebotsschocks wesentlich bei. Auch das Jahr 2026 erinnert daran, wenn auch weniger ausgeprägt: Der Schweizer Aktienmarkt legte bis dato deutlich zu, Schweizer-Franken-Obligationen entwickelten sich negativ. Andere Anlageklassen lieferten ergänzende Renditebeiträge: Ucits-Cat-Bond-Fonds erzielten bis Mitte September 2026 rund 5 Prozent (währungsgesichert in Franken). Trendfolgeprogramme können in fallenden Anleihemärkten Gegenpositionen aufbauen und so den Diversifikationsbeitrag erhöhen. Das spricht nicht dafür, traditionelle Anlagen zu ersetzen, sondern Diversifikation breiter zu verstehen.

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Renditetreiber im Fokus

Immobilien, Wandelanleihen, Gold, Hedgefonds, Insurance-Linked Securities oder Senior Secured Loans reagieren teilweise anders auf wirtschaftliche Entwicklungen als Aktien und Obligationen. Ihre Renditen hängen von unterschiedlichen Faktoren ab: bei Cat Bonds von weitgehend kapitalmarktunabhängigen Versicherungsrisiken, bei Trendfolgestrategien von anhaltenden Marktbewegungen. Diese Renditetreiber können das Gesamtportfolio stärken.
Die Effizienzkurven veranschaulichen diesen Effekt. Ein Fünfzig- zu-fünfzig-Portfolio aus Aktien und Obligationen erreicht in unserer Modellrechnung 4,05 Prozent erwartete Rendite. Das Portfolio auf der erweiterten Effizienzkurve umfasst 39,5 Prozent Obligationen, 25,5 Prozent Aktien, 15 Prozent kotierte Schweizer Immobilien, 5 Prozent Wandelanleihen und 15 Prozent alternative Anlagen. Es erzielt 4,67 Prozent erwartete Rendite bei deutlich tieferem Verlustrisiko. Die rote Effizienzkurve veranschaulicht den Nutzen eines erweiterten Anlageuniversums: Es entstehen weitere Möglichkeiten, Renditequellen zu kombinieren und Risiken breiter zu verteilen.

Resilienz wird wichtiger

Ein breiter diversifiziertes Portfolio ist jedoch kein Selbstläufer. Zusätzliche Anlageklassen erhöhen den Analyse- und Überwachungsaufwand. Liquidität, Kosten, Transparenz und Umsetzbarkeit müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Ziel ist kein Portfolio, das in jedem Marktumfeld gewinnt.

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Zusätzliche Renditetreiber können die Abhängigkeit von einzelnen wirtschaftlichen Szenarien verringern und das Portfolio robuster machen. Aktien und Obligationen bleiben zentrale Bausteine. Sie müssen aber nicht die einzigen sein. Die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit sprechen dafür, klassische Diversifikation nicht aufzugeben – sondern weiterzudenken.

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