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Bundesrat

Parmelin bremst ausländischen Wein

Die Themen der Woche: Parmelins No-Story, UBS-Dauerstreit, Meister Utermann, Staiblin & Keller-Busser

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Dass Guy Parmelin jetzt den Verkauf von ausländischen Weinen erschweren will, ist ordnungspolitisch keine Sternstunde. BILANZ

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Das war eine Premiere: Da meldet das Weltblatt Financial Times auf der Frontseite und prominent auf seinem Portal eine vermeintliche Skandalstory über den Schweizer Bundespräsidenten – und niemand in der Schweiz reagiert. Dass Guy Parmelin, als Weinbauer zwar im Ausstand seit seiner Wahl in den Bundesrat, durchaus noch die Nöte seines einstigen Berufsstandes im Auge hat, zeigen die zahlreichen PR-Aussagen des Mannes («Wird genug Wein getrunken? Nein»). Sein Kosename dann auch: Guy «Parle-de-vin». Allerdings: Es war auch Parmelin, der mit der Unterschrift unter das Mercosur-Abkommen der Schweiz 50 000 Hektoliter zollfreien Rotwein bescherte.
Dass er jetzt den Verkauf von ausländischen Weinen erschweren will, indem Händler nur ausländisches Trinkgut verkaufen sollen dürfen, wenn sie auch heimische Produkte in grossem Stil anbieten, ist ordnungspolitisch keine Sternstunde und angesichts des oft tristen Schweizer Rebgutes kein Beitrag zur Wein-Kultur. Jedoch: Neu ist das Begehren nicht, und Parmelin ist kaum allein. Auch Mitte-Präsident Philipp Bregy etwa, im Nebenamt Vorsteher des schönen Branchenverbands «Schweizer Reben und Weine», hat diese Massnahme schon im September in der NZZ gefordert: «Damit wollen wir den Marktanteil unserer Winzer erhöhen.»

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Merke: Es geht auch dem Weltblatt nicht um den News-Gehalt, sondern um eine schöne Story für ihre internationale Klientel, die sie ohne Zweifel kompetent und fundiert beliefert. Dass ein Ex-Weinbauer als Präsident seinen einstigen und künftigen Kollegen hilft, passt da bestens ins Klischee der bizarren Berg-Bewohner. Zum Glück blieben die Schweizer Medien resistent.

Harter Bundesrat

Einen Tag später funktionierte der Reflex aber wieder. «UBS executives reassured on capital rules» titelte die Financial Times und vermeldete, dass hochrangige Parlamentarier der UBS-Spitze versichert hätten, einen Kompromiss in dem beinharten Kampf zwischen Regulierungs-Frontfrau Keller-Sutter und Bankchef Ermotti zu finden. Auch da: Nicht ganz frisch. Schon die Vorsteher der Wirtschaftskommissionen, WAK-Ständeratspräsident Hans Wicki und WAK-Nationalratspräsident Thomas Aeschi, hatten sich in der Vernehmlassung gegen den Radikalkurs der Bundesrätin gestellt und die volle Kapital-Unterlegung der Auslandstöchter abgelehnt. Das Nein geht weit in die bürgerliche Mitte bis zur Zürcher GLP-Ständerätin Tiana Angelina Moser. UBS-Präsident Kelleher hatte schon im September öffentlich auf einen Kompromiss gedrängt.

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Doch dieses Mal folgten Schweizer Medien wieder brav und fabulierten von Ermottis «Kapitaltriumph» und «beschwichtigenden Signalen». Die Frage bleibt wieder einmal: Wem nützt’s? Die These sei gewagt: KKS mehr als der UBS. Als wahrscheinlicher Termin für den bundesrätlichen Erlass gilt der 22. April. Jetzt kann der Bundesrat noch stärker auf die harte Linie drängen, in dem Wissen, dass das Parlament mildernd einschreiten wird. Die Regierung hat dann wenigstens Härte gezeigt: Für die eigene Klientel, in der Banker grossflächig toxisch sind - und für die Geschichtsbücher bei einem weiteren Crash.

Vontobels Grosser

Die hohe Schule bleibt da: Den grossen Einfluss der globalen Wirtschaftspresse für das eigene Standing nutzen. Meister darin: Der in der Schweiz eher spärlich anzutreffende Vontobel-Präsident Andreas Utermann, hauptsächlich ansässig in London, was ihm offenbar beste Drähte zu dem dort ansässigen Wirtschaftsblatt verschafft. Magistral thronte er Mitte März über einer lachsfarbenen Seite. Zwar strichen ihm die Redaktoren seine geliebten Mittelinitialen E (Ernst) und F (Ferdinand). Doch er durfte sich fast schon im Stil eines Wirtschaftsweisen äussern zu der ewigen Frage: Kommt es auf die Grösse an?

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Natürlich nicht – «Scale is not everything for asset managers», dekretierte Utermann schon in der Überschrift wenig überraschend, schliesslich ist Vontobel nur ein Mini-Player. Die Priorität für Asset Manager sollte es sein, «Wert für Kunden und nachhaltige Erträge für Aktionäre zu schaffen». In der Tat. Doch der Auftritt macht gewiss Eindruck auf die regional verankerte Vontobel-Familie im nicht ganz so finanzmondänen Zürich und sichert damit das schöne 2,6-Millionen-Paket, geschickt bestärkt von bestellten Verwaltungsräten von JP Morgan oder Citigroup aus der grossen Finanzwelt in London und New York. Das ist die hohe Kunst des Machterhalts.

Nächste Woche: VR-Aufsteigerinnen

Die «Zürich» ist unter «Iron Mario» Greco eine veritable Erfolgsgeschichte. Auch die einst kolportierten Gerüchte über Spannungen mit weiblichen Führungskräften in der Top-Etage sind längst verstummt. An der Generalversammlung setzt Präsident Michel Liès nächsten Mittwoch ein weiteres Zeichen.
Der bisherige Vize-Präsident Christoph Franz muss nach zwölf Jahren wegen der Amtszeitlimite ausscheiden, und seine Funktionen verteilen sich auf zwei weibliche Köpfe: Die einstige ABB-Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin übernimmt das Vize-Präsidium, UBS-Schweiz-Chefin Sabine Keller-Busse den Vorsitz des Vergütungskomitees. Starke Signale.

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