Abo
Elektromobilität

«Wir konkurrieren um den Platz als Familien-Zweitwagen»

Das schwedische Start-up Uniti plant ein Elektroauto für die Masse, das klimaschonend produziert wird. Mehr noch: CEO Lewis Home will Autofahrer zum unfallfreien Fahren bringen - indem er sie per Kryptowährung belohnt.

Karen Merkel-Gyger

lewis-horne-uniti.jpg
Lewis Horne: Das schwedische Start-up Uniti stellt im Dezember ein E-Auto für die Stadt vor. Keystone

Werbung

Das schwedische Start-up Uniti will ein Elektroauto für die Masse bauen und bei der Produktion den CO2-Ausstoss möglichst niedrig halten. Ein Stadtflitzer mit nur 450 Kilogramm Gewicht soll es werden, dafür 300 Kilometer Reichweite.

Die Idee findet Anklang: Das Auto wird erst im Dezember der Öffentlichkeit präsentiert, doch hat die junge Firma über Crowdfunding bereits 3,4 Millionen Euro an Kapital eingeworben. Und nicht nur das: Fast 950 Interessenten haben bereits eine Anzahlung geleistet, obwohl das Auto frühestens 2019 ausgeliefert wird.

Doch die Ideen von Uniti-Chef Lewis Horne gehen noch weiter. Er will nicht nur Autos verkaufen, sondern die Mobilität der Zukunft prägen. Wie er Autofahrer zu Beispiel zum unfallfreien Fahren bringen will, erläutert Horne im Gespräch:

Warum zahlen Leute für ein Auto, das noch nicht existiert? Sie haben bereits vor der Präsentation 950 Anzahlungen.
Offenbar sind viele Menschen dazu bereit. Das prominenteste Beispiel sind die Hunderttausenden Vorbestellungen beim Tesla Model 3. Uns hilft diese Vorgehensweise, die Nachfrage nach unserem Auto einzuschätzen und entsprechend die Produktion zu planen. Das Geld, das Käufer angezahlt haben, legen wir beiseite, sodass es jeder Zeit erstattet werden kann.

Grosse Hersteller steigen derzeit ernsthafter in den Markt für Elektroautos ein. Ford etwa investiert fast 600 Millionen Dollar in ein elektrisches Stadtauto für China. Was bedeutet für Sie der verschärfte Wettbewerb?
Ich hoffe, wir haben genau dazu beigetragen. Es ist gut, wenn die grossen Autofirmen Elektrofahrzeuge es ernst meinen mit der Produktion von E-Autos. Wir konkurrieren da niemanden. Wir gehen die Dinge auf unsere eigene Weise an. Das Wichtigste ist für uns, dass der Markt sich in Richtung nachhaltiger Mobilität entwickelt.

Wenn also grosse Hersteller mit Ihren E-Autos das Rennen machen und nicht Sie, ist das für Sie in Ordnung?
Natürlich wollen wir in unserer Kategorie das beste Elektroauto bieten. Wir gehen nur von einer anderen Grundlage aus, da unser Auto ein Leichtfahrzeug ist. Wir konkurrieren nicht mit BMW, Mercedes oder Tesla um den Platz in der Garage. Wir konkurrieren um den Platz als Familien-Zweitwagen. Da wir unsere Fahrzeuge klimaschonend produzieren, wäre das bereits eine grosse Ersparnis an CO2-Emissionen, wenn viele europäische Familien unsere Autos als Zweitwagen kaufen. Unser Ziel ist, in wenigen Jahren 50'000 Fahrzeuge jährlich zu produzieren.

Wie wollen Sie das schaffen?
Unser Auto ist anders als herkömmliche Fahrzeuge. Auch wenn es 130 Kilometer pro Stunde fahren kann, fällt es durch das geringe Gewicht in eine andere Kategorie. Die Regulierungen sind hier anders als zum Beispiel bei einem Tesla. Unser Auto ist in der Produktion viel einfacher, auch wenn es viele Herausforderungen bis zur Serienreife geben wird. Genau darum arbeiten wir mit Partnern wie Siemens zusammen. Die haben mehr Erfahrung darin, wie man die Produktion aufsetzt.

Haben Sie keine Bedenken, dass Fahrer sich in leichtgewichtigen Autos unwohl fühlen können? Zum Beispiel auf der Stadtautobahn?
Ja, das ist ein wichtiges Thema für mich. Das Auto ist für den Stadtverkehr gedacht und nicht für die Langstrecke. Dennoch ist ein zentraler Punkt, wie das Fahrzeug sich zum Beispiel bei windigen Verhältnissen auf der Stadtautobahn verhält. Oder auch einfach, wie sicher sich Fahrer im Fahrzeug fühlen. Darüber mache ich mir viele Gedanken. Ein Leichtfahrtzeug hat aber auch viele Vorteile.

Die da wären?
Wir können zum Beispiel mit einer kleineren Batterie eine viel grössere Reichweite erzielen. Mit 22 Kilowatt/Stunde kommen unsere Autos 300 Kilometer weit. Ausserdem reichen ihm 15 Minuten an einer herkömmlichen E-Ladestation, um auf 80 Prozent aufzuladen.

Wann werden Sie die ersten Fahrzeuge liefern?
Präsentieren werden wir das Uniti-Auto im Dezember, die Lieferung ist für  2019 geplant. Direkt nach dem Launch werden wir von unserem bisherigen Geschäftssitz mit 1900 Quadratmetern in unsere Produktionsstätte bei Lund umziehen. Dort haben wir wesentlich mehr Platz. Das ganze nächste Jahr ist dann rigorosem Prototyping gewidmet, um die Serienreife zu erzielen. Wenn das Auto soweit ist, werden wir es online anbieten und an zwei Standorten in Schweden. Wir arbeiten hier mit einem grossen deutschen Vertreiber zusammen, dessen Namen wir bald bekannt geben werden. Wenn der Verkauf wunschgemäss läuft, breiten wir unsere Präsenz auf Filialen in Europa aus.

Das Interesse ist offenbar da: Ihre Crowdfunding-Kampagnen zählen zu den erfolgreichsten in Europa. Rund 3,4 Millionen Euro haben Sie auf diese Weise eingespielt.
Das ist erfreulich und trotzdem nur ein erster Schritt. In einem zweiten Schritt wollen wir uns vor allem auf die Infrastruktur konzentrieren. Wir denken, dass umweltfreundliche Autos gebraucht werden und vor allem weniger Autos in den Städten. Eines der grössten Probleme mit Privatautos ist, dass sie 96 Prozent ihrer Einsatzzeit geparkt sind. Dazu kommen Staus in Grossstädten. Je mehr Fahrer also Autos gemeinsam nutzen, desto besser. Da wollen wir hin. Uniti ist zur Hälfte eine Tech-Unternehmen und zur Hälfte ein Unternehmen, das Verhalten verändern möchte.

Sie möchten also das Verhalten der Fahrer verändern? Wie das?
Das wäre in einem zweiten Schritt der Sinn des grünen ICO, den wir lanciert haben.

Moment, das müssen Sie erklären. Das grüne Initial Coin Offering dient nicht der Kapitalaufnahme?
Doch, in erster Linie absolut. Grün ist der ICO, weil alle beteiligten Komponenten auf Nachhaltigkeit geprüft werden. Das Verfahren ist nahezu identisch mit dem für einen grünen Bond. Damit hoffen wir, das Interesse von Kapitalgebern zu wecken, die über Token bestimmte Rechte erwerben. Zum Beispiel erheben wir Daten über das Fahrverhalten – nicht-personalisierte wohlgemerkt – die für Versicherer interessant sind. Diese können sich über Token für eine bestimmte Zeit den Datenzugang sichern. Der Wert solcher Daten wird in den kommenden Jahren noch steigen.

Und wie wollen Sie das Fahrverhalten beeinflussen?
Indem wir sicheres Fahren gamifizieren. Wer sicher und unfallfrei fährt, könnte sich damit zum Beispiel Token fürs Tanken verdienen und so dort sparen.




































Partner-Inhalte

Autobauer und Zulieferer, oft flankiert von IT-Konzernen, arbeiten auf Hochtouren daran, die Technik des computergesteuerten Fahrens weiterzuentwickeln. Das sind die Pläne der deutschen Autobauer fürs autonome Fahren:Audi: Die Ingolstädter VW-Tochter bringt zum Jahresende die Neuauflage ihres Flaggschiffs A8 auf den Markt, das unter bestimmten Bedingungen automatisiert fahren kann.
Der Mensch am Steuer kann sich vom Verkehr abwenden und anderen Dingen zuwenden - so lange, bis das Auto ihn zum Übernehmen der Kontrolle auffordert. Diese Stufe des autonomen Fahrens, die als Level 3 bezeichnet wird, beherrschen andere Hersteller auch, bieten sie allerdings noch nicht in Serienmodellen.
Volkswagen: Der Wolfsburger Mutterkonzern hat die Studie eines selbstfahrenden Wagens bereits im Frühjahr auf der Genfer Automesse gezeigt. Der an einen futuristischen Minibus erinnernde «Sedric» soll auf Knopfdruck heranrollen und seine Passagiere automatisch ans Ziel bringen.
Sedric steht für self-driving car und ist Teil eines umfassenden Konzepts von VW für die Mobilität von morgen, bei der es nicht mehr darauf ankommt, ob man einen Wagen besitzt oder sich für kurze Zeit ausleiht. Es wird die Grundlage für eine komplette Modellfamilie sein. Mit einem kleinen Bedienelement, das in jede Hosentasche passt, sollen Nutzer in Zukunft überall auf der Welt einen Roboterwagen von VW ordern können, der sie anhand einer Mobilitäts-ID erkennt.
Porsche: Porsche-Chef Oliver Blume nannte das autonome Fahren im vergangenen Jahr noch «so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen.» Der Porsche-Fahrer werde aus Spass am Fahren nie das Lenkrad aus der Hand geben. Doch autonome Komfortfunktionen, wenn ein Sportwagen etwa im Stau auf der Autobahn rollt, sollen mittlerweile auch die Porsche-Kunden nicht missen. Mit der Konzernschwester Audi will die Sportwagenschmiede die Technologie gemeinsam voranbringen.
BMW: Der weiss-blaue Oberklasse-Hersteller testet das autonome Fahren im Jahresverlauf mit rund 40 Fahrzeugen in seiner Heimat München und in anderen Städten in Europa und den USA. Auch in Jerusalem sollen computergesteuerte Wagen an den Start gehen. Hinter jedem Steuer sitzt dabei nach BMW-Angaben ein trainierter Testfahrer, der bei Bedarf eingreifen und das Auto per Hand lenken kann. Zur Sicherheit ist jeweils ein Folgefahrzeug dabei.
Die Testflotte entwickelte BMW gemeinsam mit dem US-Chipriesen Intel und dem israelischen Kameratechnik-Spezialisten Mobileye. Mit diesen Partner wollen die Münchner 2021 selbstfahrende Autos auf den Markt bringen. Auf der IAA geben die Bayern mit dem «i Vision Dynamics» darauf einen Vorgeschmack.
Daimler: Auch der Stuttgarter Autobauer entwickelt Schritt für Schritt die Technik weiter bis zum völligen Verzicht auf Lenkrad und Pedale. Zusammen mit dem grössten Autozulieferer Bosch wollen die Schwaben schon im kommenden Jahr eine solche Testflotte im Strassenverkehr in den USA erproben. In Serie gehen sollen «Robotaxis» dann ab 2022. Bis dahin werden in jeder Neuauflage der Oberklassemodelle die Assistenzsysteme verbessert.
So wird die überarbeitete S-Klasse im Herbst automatisch überholen, Abstand halten, Tempolimits einhalten oder eine Notbremsung hinlegen. Auf der IAA startet eine mit neuesten autonomen Funktionen ausgestattete S-Klasse eine Testfahrt über fünf Kontinente. Auf der Langstrecke wie im dichten Stadtverkehr will der Autobauer so Erfahrungen mit der Technik sammeln.Keystone
1 / 9
Autobauer und Zulieferer, oft flankiert von IT-Konzernen, arbeiten auf Hochtouren daran, die Technik des computergesteuerten Fahrens weiterzuentwickeln. Das sind die Pläne der deutschen Autobauer fürs autonome Fahren:Audi: Die Ingolstädter VW-Tochter bringt zum Jahresende die Neuauflage ihres Flaggschiffs A8 auf den Markt, das unter bestimmten Bedingungen automatisiert fahren kann. RMS

Werbung