Seine Kritiker beschreiben Donald Trump als rüpelhaften Multimilliardär mit schlechten Manieren und einem Hang zur Schadenfreude. Er provoziert und beleidigt, ist sexistisch, rassistisch und schert sich nicht um «political correctness». Und doch wird der US-Präsidentschaftskandidat als vertrauenswürdig eingeschätzt - zumindest mehr als
seine Konkurrentin Hillary Clinton. Zu diesem Ergebnis kommt das Personalberatungsunternehmen Korn Ferry, das in einer Online-Umfrage 500 amerikanische Führungskräfte zu den Führungsqualitäten der US-Präsidentschaftskandidaten befragt hat.
Wer nun der Verzweiflung nahe ist, kann beruhigt sein, denn die beiden Spitzenkandidaten schneiden im Vergleich zu anderen Kandidaten schlecht ab – vor allem in Sachen Vertrauen und Authentizität. So bewerten nur 25 Prozent aller Befragten den Immobilien-Tycoon Trump als vertrauenswürdig. Nur sieht es bei Ex-US-Aussenministerin Clinton mit gerade mal 12 Prozent noch mieser aus.
Auch in Sachen Authentizität überzeugen weder der Republikaner noch die Demokratin: Nur 43 Prozent aller Befragten schätzen Trump als authentisch ein, bei Clinton sind es lediglich 14 Prozent.
Wie erklärt sich der Erfolg?
Doch wenn er kaum authentisch und noch weniger vertrauenswürdig ist – wie erklärt sich dann die Begeisterung für Trump? Wieso sind so viele Menschen überzeugt, dass man ihn nicht ernst nehmen kann, wenn verblüffend viele sogar für ihn stimmen wollen? Die Erklärung der meisten Experten: Viele Amerikaner leiden unter dem derzeitigen Zustand ihres Landes, unter dem stagnierenden Einkommen der Mittelschicht und dem Gefühl, dass der amerikanische Traum für viele unerreichbar geworden ist. Zudem punktet Trump mit seinem Feldzug gegen Immigranten vor allem bei Weissen.
Ein Nicht-Politiker
Hinzu kommt, dass der
exzentrisch veranlagte Milliardär sich immer und überall inszeniert als einer, der nicht zum Washingtoner Polit-Klüngel gehört. Als Nicht-Politiker. Um Politik im ideellen und ideologischen Sinne geht es Trump nicht. Sein Wahlkampfprogramm hat nur drei Punkte: Me, Myself and I.
Das sehen auch die Experten in der Umfrage ähnlich: 79 Prozent sind der Meinung, dass Macht der wesentliche Motivator für Trump ist. Nur 25 Prozent aller Befragten glauben hingegen, dass Trumps Kandidatur in einem echten Interesse wurzelt, die Bevölkerung näher zusammenzubringen und das Wohlergehen des Landes zu fördern.
Was in der Umfrage zudem noch auffällt: In puncto Kommunikationsfähigkeit schneidet
der Demokrat Bernie Sanders mit 66 Prozent deutlich besser ab als Hillary Clinton mit 40 Prozent. Der wortgewaltige Milliardär Trump kommt indes nur auf 34 Prozent.
Diese Termine stehen im US-Wahlkampf noch an:
In den USA sind die Vorwahlen in vollem Gange: Das Teilnehmerfeld der möglichen Kandidaten hat sich bereits deutlich gelichtet. Bei den Demokraten kämpfen noch Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Nominierung, bei den Republikanern scheint Donald Trump als Kandidat gesetzt, nachdem sich alle übrigen Anwärter zurückgezogen haben. Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus: RMS Mitte Juni stehen die letzten Vorwahlen an, danach folgt die nächste Etappe.Offiziell auf ihre Kandidaten festlegen werden sich die Parteien an ihren Parteitagen. Stehen die jeweiligen Präsidentschaftsanwärter schon vorher fest, verkommen die Parteitage zu blossen Show-Veranstaltungen.Parteitag der Republikaner – 18. bis 21. Juli in Cleveland, Ohio RMS Parteitag der Demokraten – 25. bis 28. Juli in Philadelphia, PennsylvaniaHier bestimmen die Demokraten die möglichen Nachfolger von Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden. RMS Erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten – 26. SeptemberZum ersten Mal stehen sich die Kandidaten der beiden Parteien in Dayton, Ohio gegenüber. Zwei weitere Fernsehdebatten finden im Oktober in St. Louis, Missouri und Las Vegas, Nevada an. RMS Fernsehdebatte der Kandidaten um die Vize-Präsidentschaft – 4. OktoberAuch die beiden möglichen Vizepräsidenten müssen sich den Fragen eines TV-Moderators stellen. RMS Wahltag – 8. NovemberAnfang November wird schliesslich der nächste Präsident der USA gewählt. Gleichzeitig wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt. RMS Vereidigung des neuen US-Präsidenten – 20. Januar 2017Anfang 2017 wird der Sieger oder die Siegerin der Wahlen vereidigt und tritt damit als 45. Präsident die Nachfolge von Barack Obama im Weissen Haus an.Bilder: Keystone / Quelle: Reuters RMS