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Manufaktur

Suisse de luxe: Ein Velo aus Stahl statt Karbon

Wim Kolb baut Velos. Und setzt auf Stahl. Was andere zu schwer finden und durch Hightech-Material ersetzen, habe viele Vorteile, sagt er. Und seine Velos haben Stil.

Stephan Gubler

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Wim Kolb: Hat eine Vorliebe fΓΌr veraltete Materialien. Kuster Frey RMS

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Es klingt im ersten Moment nostalgisch. Velos aus Stahl? Wirklich? In einem Zeitalter, in dem ZweirΓ€der praktisch nur noch aus Kohlefaserverbundstoff gefertigt werden, ist Stahl zum Exoten geworden. Der Grund ist das hohe Gewicht. Doch ganz weg vom Fenster ist der Werkstoff noch nicht - auf keinen Fall beim ZΓΌrcher Velobauer Wim Kolb.
Das heutige Material sei nicht mit frΓΌherem Stahl zu vergleichen, sagt er: Β«NatΓΌrlich hat es auch bei Stahl eine Weiterentwicklung gegeben.Β» Es gebe heute wesentlich leichtere und auch rostfreie Legierungen sowie zum Beispiel sogenannte konifizierte Rohre, die an den Enden dicker und gegen die Mitte dΓΌnner sind und den modernen Stahlrahmen leichter machen. Der ZΓΌrcher Unternehmer muss es wissen, denn er gehΓΆrt zu den wenigen, die auch im 20. Jahrhundert noch voll auf Stahl setzen.

Puristisch, schnΓΆrkellos, individuell

Wim Kolb radelte als kleiner Junge zur Schule und flickte schon damals sein Velo selbst. Die Leidenschaft zum Zweirad ging bis heute nicht verloren. Und sie gilt dem Puristischen, SchnΓΆrkellosen, Individuellen. Nach absolvierter Kunstschule arbeitete Kolb als Grafiker und Video Editor, half aber nebenbei bei einem Velomechaniker aus. Nach dem Besuch eines Velorahmenbaukurses von Manofacto bei Bernhard Leu im Jahr 2008 fing er an, zuerst fΓΌr sich selber, dann fΓΌr Freunde Rahmen herzustellen. 2011 entschied er sich, daraus einen Beruf zu machen, und richtete sich in einer Scheune im Aargau ein.

Vor vier Monaten ist Kolb an die ZΓΌrcher Grubenstrasse umgezogen und baut dort Rahmen aus Stahlrohren, die noch immer vom italienischen Hersteller Columbus stammen. Dabei wird nicht nur geschweisst, sondern auch noch gelΓΆtet. Mit Silber oder Messinglot werden die Rohre mit den Muffen vereint. Das sieht wunderschΓΆn aus, braucht aber mehr Zeit als Schweissen. Etwa anderthalb bis zwei Tage benΓΆtigt Kolb fΓΌr den Bau eines Rahmens.

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Zeit fΓΌr ausgefallene KundenwΓΌnsche

Noch mehr Zeit in Anspruch nehmen der Austausch mit den Kunden sowie die Planung. Β«Da gehen Tage und Wochen drauf, besonders wenn es sich um ausgefallene KundenwΓΌnsche handeltΒ», sagt Kolb Und von denen hatte Kolb bereits einige: vom Bahnvelo, das 24-karΓ€tig vergoldet wurde, ΓΌber ein Velo mit 36-Zoll-RΓ€dern bis hin zum 12'000 Franken teuren Luxusbike mit Elektromotor, Nabenschaltung und Hinterradbremse.

Gerade in diesen Tagen kommt ein Kunde mit Ideen, Teilen und Naben-Elektromotor und mΓΆchte diese zu einem Stahl-E-Bike gedeihen lassen. Auch ein Projekt, die Kultmarke Cilo mit einer auf 100 StΓΌck limitierten Sonderedition wiederaufleben zu lassen, steht momentan zur Diskussion. Neben RennrΓ€dern macht Kolb auch Touren- und Bahnvelos, und selbst Kindervelos wurden in seiner Werkstatt schon gebaut.

Stahl macht das Velo komfortabel

ZunΓ€chst nur fΓΌr den Eigenbedarf hatte Kolb zudem angefangen, Schutzbleche und Lenker aus Holz herzustellen. Auch an diesen Unikaten finden immer mehr Freunde und Kunden Gefallen. Was reizt ihn denn am Arbeiten mit diesen fΓΌr moderne Velo-VerhΓ€ltnisse veralteten Materialien? Β«Die Tradition, aber auch die Eigenschaften der Materialien. Stahl ist extrem langlebig und hat eine reiche TraditionΒ», erklΓ€rt Kolb.

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Doch nicht nur das. Stahl verfΓΌgt auch ΓΌber Eigenschaften, die ein Velo nicht steinhart, sondern selbst ohne Federgabeln komfortabel machen. Wer stundenlang im Sattel sitzt, sucht genau das sowie eine auf ihn abgestimmte Rahmen-Geometrie. Und unangenehme, nervende RahmengerΓ€usche, wie sie bei Karbon-Velos gerne auftreten, gebe es bei Stahlrahmen nicht.

Jeses Rad ein Unikat

Jedes Rad, das Wim Kolbs Manufaktur verlΓ€sst, ist ein Unikat; Dimensionen und Geometrie des Rahmens werden individuell auf den Wunsch und die BedΓΌrfnisse des Kunden abgestimmt. Dagegen ist jedes noch so teure Markenvelo Massenware. Ein Rahmenset mit Gabel und Pulverbeschichtung kostet bei Kolb zirka 1900 Franken, ein komplettes Fahrrad gibts je nach Komponenten ab etwa 3700 Franken.

Wird die Tradition des Stahlrahmenbaus ΓΌberleben? Gut mΓΆglich, jedenfalls wΓ€chst das Interesse, sodass Wim Kolb sogar begonnen hat, Kurse fΓΌr Interessierte zu geben, die unter seiner Anleitung ihr eigenes Velo bauen mΓΆchten. An sechs Samstagen in Folge fertigen die Teilnehmer ihren Rahmen - von der Zeichnung bis zum fertigen EinzelstΓΌck. Und wer sich in GrossstΓ€dten umschaut, wird bemerken, wie viele Menschen sich auf den alten "Stahl-GΓΆppeln" ihrer VΓ€ter oder GrossvΓ€ter fortbewegen.

Stahl ist lΓ€ngst nicht out.



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