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Siegreich

New York macht Trump und Clinton zu Gewinnern

Die Vorwahlen im Bundesstaat New York sorgten für Favoritensiege: Donald Trump und Hillary Clinton überzeugten die Wähler. Doch während das Wahlsystem Clinton zugute kommt, muss Trump deswegen bangen.

Anfang Februar haben die Vorwahlen zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen begonnen. Bei den Demokraten sind inzwischen noch zwei Bewerber im Rennen.Hillary Clinton – «Hillary for America»Für die demokratische Präsidentschaftskandidatur gilt Hillary Clinton als Favoritin. Die 68-Jährige hat finanzkräftige Unterstützer und eine mächtige Wahlkampfmaschine – allerdings kratzt die Affäre um ihre private E-Mail-Nutzung als Aussenministerin an ihrer Glaubwürdigkeit.
Bernie Sanders – «A Political Revolution Is Coming»Von links setzt Bernie Sanders Clinton unter Druck. Der Senator aus Vermont beschreibt sich selbst als demokratischer Sozialist. Der 74-Jährige kämpft gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum und erhält mit diesem Programm insbesondere Zulauf von jungen Wählern.
Bei den Republikanern kämpfen noch drei Bewerber um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten.Donald Trump – «Make America Great Again»Der Immobilien-Magnat Donald Trump ist als Milliardär von Spenden unabhängig. Seine Erfolgsserie bei den Vorwahlen überrascht Experten und politische Gegner. Der 69-Jährige sorgt mit seiner undiplomatischen Art für Kontroversen. Viele Anhänger findet er bei Wählern, die wütend und enttäuscht von der politischen Elite sind.
Ted Cruz – «Reigniting the Promise of America»Ted Cruz, Senator aus Texas, wurde mit seinem Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform zum Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Mit dem republikanischen Establishment ist der Harvard-Absolvent zerstritten und bei seinen Kollegen im Senat wenig beliebt. Im Laufe des Wahlkampfs sah sich der 45-jährige Sohn einer US-Bürgerin und eines Kubaners damit konfrontiert, ob er wegen seiner Geburt in Kanada überhaupt Präsident werden dürfe.
John Kasich – «K for Us»Der 63-jährige Kasich ist ehemaliger Investmentbanker bei Lehman Brothers und Gouverneur von Ohio. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Politik und wird als Kandidat der politischen Elite gehandelt, inzwischen gilt er jedoch als chancenlos.
Nach dem Start der Vorwahlen haben folgende Kandidaten ihre Ambitionen begraben müssen:Martin O'Malley – «Rebuild The American Dream»Wie Sanders umgarnte Martin O'Malley den linken Flügel der Demokraten. In Umfragen war er aber stets weit abgeschlagen. Der 53-Jährige amtete Bürgermeister der Ostküstenstadt Baltimore und Gouverneur von Maryland.
Marco Rubio – «A New American Century»Der Republikaner Marco Rubio wurde im Zuge der Tea-Party-Bewegung in Florida zum Senator gewählt, dann aber machte sich der 44-Jährige mit seiner Unterstützung einer gescheiterten Einwanderungsreform bei den Erzkonservativen unbeliebt. Im Laufe der Vorwahlen ist der Hispanic zum Hoffnungsträger des republikanischen Establishments geworden. Nachdem er aber auch seinen Heimatstaat Florida nicht gewinnen konnte, zog er sich aus dem Rennen zurück.
Rand Paul – «Defeat the Washington Machine. Unleash the American Dream»Auf das Allernötigste reduzieren wollte Rand Paul den Einfluss des Staates. Zugleich vertrat der 53-jährige Senator aus Kentucky eher liberale Haltungen in der Drogenpolitik und beim Schutz der Bürgerrechte.
Mike Huckabee – «From Hope to Higher Ground»Der einstige Baptistenprediger und frühere Gouverneur von Arkansas bemühte sich besonders um den Wählerblock der evangelikalen Christen.
Rick Santorum – «Restore the American Dream for Hardworking Families»Die gleiche Zielgruppe hatte auch Ex-Senator Rick Santorum im Visier.
Carly Fiorina – «New Possibilities. Real Leadership»Carly Fiorina war die einzige Frau unter den republikanischen Bewerbern. Die 61-Jährige priess ihre Erfahrung als Topmanagerin - auch wenn sie den Computerkonzern Hewlett-Packard einst auf Druck unzufriedener Aktionäre verlassen musste.
Jeb Bush – «Jeb!» oder «Jeb Can Fix It»Dank seiner Herkunft hat Jeb Bush beste Kontakte ins republikanische Establishment und zu Geldgebern: Der Ex-Gouverneur von Florida ist der Sohn von George H.W. und Bruder von George W. Bush, die beide schon im Weissen Haus sassen. Dennoch haben sich die republikanischen Wähler nicht gross für den 62-Jährigen interessiert.
Chris Christie – «Telling it Like it Is»Als Gouverneur von New Jersey hatte Chris Christie mit zupackendem Auftreten und unverblümter Sprache auch Wähler der politischen Mitte überzeugt. An der republikanischen Basis galt der 53-Jährige vielen aber als zu liberal.
Ben Carson – «Heal. Inspire. Revive.»Der ehemalige Neurochirurg Ben Carson warb mit seinem Status als Quereinsteiger und politischer Neuling. Der 64-Jährige war der einzige Afroamerikaner im Präsidentschaftsrennen. Nach einem Höhenflug in den Umfragen im Herbst verlor er an Zustimmung und galt schnell als chancenlos.
Jim Gilmore – «Gilmore for America»Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewarb sich Virginias Ex-Gouverneur Jim Gilmore um die Republikaner-Kandidatur.Quelle: sda / Bilder: Keystone
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RMS

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Mit klaren Siegen im US-Bundesstaat New York haben die Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner Donald Trump am Dienstag ihre Favoritenrolle auf die Präsidentschaftskandidatur für ihre Parteien bestätigt. Vor allem Trump schnitt besser ab als erwartet.
Der Immobilientycoon liegt bei den Republikanern nach Auszählung fast aller Stimmen mit 60 Prozent vor seinen Konkurrenten John Kasich (25 Prozent) und Ted Cruz (15 Prozent). Nach ersten Berechnungen der US-Fernsehsender könnte Trump rund 90 der 95 zur Wahl stehenden Delegiertenstimmen in New York abräumen.

Sieg im ersten Wahlgang nötig

Das würde seinen Vorsprung von bisher knapp 200 Delegierten vor dem texanischen Senator Ted Cruz weiter deutlich ausbauen. Es ist aber nach wie vor keine Garantie dafür, dass der 69-Jährige nach der letzten Vorwahl in Kalifornien am 7. Juni die notwendigen 1237 Delegierten erreicht.
Diese Zahl bräuchte er, um auf dem Parteitag in Cleveland im Juli bereits im ersten Wahlgang die Kandidatur an sich reissen zu können. Experten gehen mehr und mehr davon aus, dass Trump nur dann Kandidat der Republikaner werden kann, wenn er im ersten Wahlgang gewinnt.

Cruz «mathematisch praktisch eliminiert»

In weiteren Wahlgängen wären die Delegierten nicht mehr an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden und würden eher zu Cruz oder John Kasich tendieren. Trump hatte den Prozess wiederholt kritisiert.

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Trump machte bei seiner Ansprache in seinem firmeneigenen Bürokomplex Trump Tower in Manhattan deutlich, dass er als Führender bei der Zahl der Delegierten die Nominierung auf dem Parteitag für sich beanspruchen wird. «Wir führen klar und es ist nicht möglich, uns einzuholen», sagte er. Sein Kontrahent Ted Cruz sei «mathematisch praktisch eliminiert».

Wahlsystem zuungunsten von Sanders

Bei den Demokraten sicherte sich Hillary Clinton in New York, wo sie einst als Senatorin gewirkt hatte, einen klaren Sieg gegen ihren hartnäckigen Widersacher Bernie Sanders. Die frühere Aussenministerin erreichte rund 58 Prozent der Stimmen, Sanders 42 Prozent. «Das Rennen für die demokratische Präsidentschaftskandidatur ist auf der Zielgeraden und der Sieg ist in Sicht», sagte Clinton nach ihrem Sieg.
Sanders, 74-jähriger Senator aus dem Bundesstaat Vermont, aber im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, hatte bis zuletzt grossen Zulauf im Wahlkampf erzielt und gehofft, Clinton schlagen zu können. Seine Anhängerschaft haderte mit dem Wahlsystem, das die Registrierung von Wählern bereits im vergangenen Oktober vorsah. So konnten Tausende, die erst spät zu Sanders-Fans geworden waren, nicht teilnehmen.

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Aufgrund des Wahlsystems bei den Demokraten hat Sanders keine realistische Chance mehr, Clinton einzuholen. Die meisten sogenannten Superdelegierten, die beim Parteitag im Juli in Philadelphia unabhängig vom Wahlergebnis abstimmen dürfen, haben sich für Clinton ausgesprochen.
(sda/jfr)
So geht es im Rennen um die US-Präsidentschaft weiter:
In den USA sind die Vorwahlen in vollem Gange: Das Teilnehmerfeld der möglichen Kandidaten hat sich bereits deutlich gelichtet. Bei den Demokraten kämpfen noch Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Nominierung, bei den Republikanern scheint Donald Trump als Kandidat gesetzt, nachdem sich alle übrigen Anwärter zurückgezogen haben. Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus:
Mitte Juni stehen die letzten Vorwahlen an, danach folgt die nächste Etappe.Offiziell auf ihre Kandidaten festlegen werden sich die Parteien an ihren Parteitagen. Stehen die jeweiligen Präsidentschaftsanwärter schon vorher fest, verkommen die Parteitage zu blossen Show-Veranstaltungen.Parteitag der Republikaner – 18. bis 21. Juli in Cleveland, Ohio
Parteitag der Demokraten – 25. bis 28. Juli in Philadelphia, PennsylvaniaHier bestimmen die Demokraten die möglichen Nachfolger von Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden.
Erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten – 26. SeptemberZum ersten Mal stehen sich die Kandidaten der beiden Parteien in Dayton, Ohio gegenüber. Zwei weitere Fernsehdebatten finden im Oktober in St. Louis, Missouri und Las Vegas, Nevada an.
Fernsehdebatte der Kandidaten um die Vize-Präsidentschaft – 4. OktoberAuch die beiden möglichen Vizepräsidenten müssen sich den Fragen eines TV-Moderators stellen.
Wahltag – 8. NovemberAnfang November wird schliesslich der nächste Präsident der USA gewählt. Gleichzeitig wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt.
Vereidigung des neuen US-Präsidenten – 20. Januar 2017Anfang 2017 wird der Sieger oder die Siegerin der Wahlen vereidigt und tritt damit als 45. Präsident die Nachfolge von Barack Obama im Weissen Haus an.Bilder: Keystone / Quelle: Reuters
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RMS

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