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Machtnetz Ursula Wyss: Die Unerbittliche

SP-Fraktionschefin Ursula Wyss ist im Umgang meist freundlich; in der Causa UBS ist sie aber unbeirrbar und zuweilen sarkastisch.

Urs Zurlinden

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Ihr Sitzplatz in der hintersten Reihe ist mit Bedacht gewÀhlt: Von hier aus hat Ursula Wyss den Überblick im Nationalratssaal. Sie kann, wenn zur Abstimmung geklingelt wird, sÀumige Fraktionsmitglieder in der Wandelhalle aufscheuchen und an deren PlÀtze dirigieren. Neben ihr sitzen Schwergewichte der Partei wie ihre VorgÀngerin als Fraktionschefin, Hildegard FÀssler, GewerkschaftsprÀsident Paul Rechsteiner und der frühere Parteichef Hans-Jürg Fehr. Der aktuelle ParteiprÀsident Christian Levrat sitzt gleich eine Reihe vor ihr.
Die Sitzordnung hilft der 37-jΓ€hrigen Chefin der SP-Fraktion, die Genossen unter Kontrolle zu halten. In den langen Debatten um die UBS-Steuerkrise und den Staatsvertrag mit den USA glΓ€nzte Wyss als konsequente Verfechterin der schon vor Monaten festgelegten Parteilinie: Ohne eine Boni-Besteuerung ist die SP nicht fΓΌr den Staatsvertrag zu haben.
Ihre feingliedrige Erscheinung kΓΆnnte zu FehleinschΓ€tzungen verleiten. Die promovierte Γ–konomin vertritt ihre Politik hartnΓ€ckig und kann durchaus austeilen. An der SP-Delegiertenversammlung in Frauenfeld geisselte sie die Boni der Banken so: Β«Die bΓΌrgerlichen Parteien stehen eng zusammen, wenn es darum geht, den Hunden das Bewachen der Wurstfabrik zu ΓΌberlassen.Β»

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Die Freunde
Ihr Aufstieg zur Spitzenpolitikerin war rasant und ungebremst. Schon als 16-JΓ€hrige trat sie den Jungsozialisten bei und liess sich via deren GeschΓ€ftsleitung gleich in den Parteivorstand der SP Schweiz wΓ€hlen. Mit 24 Jahren schaffte sie den Sprung ins Berner Kantonsparlament. Zwei Jahre spΓ€ter, gleichzeitig mit Simonetta Sommaruga, wurde sie als damals jΓΌngste Frau in den Nationalrat gewΓ€hlt. Als SteigbΓΌgelhalter halfen ihr die damalige Berner RegierungsrΓ€tin Dori Schaer und BundesrΓ€tin Ruth Dreifuss, als Lehrmeister agierte der spΓ€tere PreisΓΌberwacher Rudolf Strahm. Kaum im Parlament, grΓΌndete sie zusammen mit den SP-NationalrΓ€tinnen Chantal GalladΓ© und Pascale Bruderer, FDP-NationalrΓ€tin Christa Markwalder, die sie aus Uni-Zeiten kennt, sowie dem heutigen SVP-PrΓ€sidenten Toni Brunner eine Lobby-Organisation fΓΌr die Jungen.
Die Gegner
Ihr Interesse fΓΌr politische VorgΓ€nge erwachte im Alter von 13 Jahren nach der Tschernobyl-Katastrophe vom 26.  April 1986. Ursula Wyss’ Widerstand gegen die Atomkraft ist bis heute geblieben. Aktuell kΓ€mpft sie gegen den Stromkonzern BKW FMB Energie, der unter seinem VR-PrΓ€sidenten Urs Gasche, vormals Finanzdirektor des Kantons Bern, das AKW MΓΌhleberg erneuern mΓΆchte. Als langjΓ€hriges VCS-Vorstandsmitglied wehrte sich die ΓΆkologisch bewusste Γ–konomin gegen ein neues Shoppingcenter in SchΓΆnbΓΌhl, was ihr diverse Debatten mit dem VCS-Kritiker und GeschΓ€ftsfΓΌhrer von Avenir Suisse, Thomas Held, einbrachte. Auch Migros-Chef Herbert Bolliger nervte sich ΓΌber ihren Widerstand. Zu ihren Gegenspielern im Bundeshaus gehΓΆren die FDP-Parlamentarier Doris Fiala beim Thema Verbandsbeschwerderecht, Filippo Leutenegger bei der CO2-Abgabe und Rolf Schweiger als AKW-Lobbyist.

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Die Uniconnection
So streng sich Ursula Wyss auch an die sozialdemokratische Doktrin hΓ€lt – eine sture Prinzipienreiterin ist sie nicht. Kontakte ΓΌber die Parteigrenzen hinweg pflegt sie im FΓΆrderverein des Instituts fΓΌr Kommunikations- und Medienwissenschaften der Uni Bern. Im Beirat machen, unter dem PrΓ€sidium von Alt-RegierungsrΓ€tin Elisabeth ZΓΆlch (Bdp), neben Alt-Bundesrat Samuel Schmid (Bdp), Alt-Vizekanzler Achille Casanova (CVP) und Alt-StΓ€nderat Hans Lauri (SVP) auch der amtierende CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener und Nicole Loeb, CEO der Warenhausgruppe Loeb, mit. Ebenfalls pluralistisch zusammengesetzt ist das Komitee Pro Jugendschutz, eine Initiative fΓΌr die Entkriminalisierung von Cannabis. Im Co-PrΓ€sidium aktiv sind die SVP-StΓ€nderΓ€te This Jenny, Glarus, und Theo Maissen, GraubΓΌnden, sowie die frΓΌhere CVP-NationalrΓ€tin Rosmarie Zapfl.
Die Karriere
Bevor sie sich entschloss, die Politik zum Beruf zu machen, arbeitete Ursula Wyss im BΓΌro fΓΌr arbeits- und sozialpolitische Studien in Bern bei Stephan Spycher, heute Vizedirektor im Bundesamt fΓΌr Gesundheit, und Sandra Olar, heute Chefredaktorin von Β«Women in BusinessΒ». Als Projektleiterin Klima und Energie beim WWF arbeitete sie mit CEO Hans-Peter Fricker und Carol Franklin zusammen, heute Ombudsfrau bei der Schlichtungsstelle Telekommunikation und bei PostFinance. Akademisch fΓΆrderten sie Touristikprofessor Hansruedi MΓΌller, BWL-Dozent Norbert Thom und die Γ–kologin Ruth Kaufmann. Dissertationsthema: Β«Arbeitszeitformen und Freizeitverhalten. Eine Zeitbudgetuntersuchung.Β»

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Das Privatleben
Aufgewachsen ist Ursula Wyss mit drei Geschwistern in einer vΓΆllig unpolitischen Familie in der Agglomeration von Bern. Schon als Teenager engagierte sie sich fΓΌr den WWF und half FrΓΆschen ΓΌber die Strasse. Mit 17 Jahren wagte sie ihren Β«privaten AufbruchΒ» weg von Bern in ein franzΓΆsischsprachiges Gymnasium in Neuenburg. Ihr Studium begann sie in Bern, wechselte ins schottische Glasgow und dann nach Berlin, wo sie den Vater ihres inzwischen zwΓΆlfjΓ€hrigen Sohnes Julian kennen lernte. Seit 2008 lebt die passionierte Velofahrerin, die sich ebenso unmusikalisch wie unsportlich gibt, mit SP-GeneralsekretΓ€r Thomas Christen zusammen. Er hΓ€lt ihr parteiintern den RΓΌcken frei.

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