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Hyundai i30/VW Golf: Vergleich

Nach nur vier Jahren schickt Hyundai einen komplett neuen i30 ins Rennen. Bei der ersten Ausfahrt trifft der kompakte Koreaner auf den Wolfsburger Bestseller VW Golf.

Autobild.de

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NatΓΌrlich funktioniert diese Geschichte auch ohne das IAA-Filmchen. Doch erst mit dem YouTube-Streifen erreicht sie eine Brisanz, die keiner hΓ€tte besser inszenieren kΓΆnnen. Wenn's ums Detail geht, kann Martin Winterkorn von geradezu erschΓΌtternder Penetranz sein. Und dass sich der VW-Lenker fΓΌr seine unfreiwillige Filmkarriere ausgerechnet den Hyundai i30 auserwΓ€hlt hat, ist alles – nur eben kein Zufall. Hyundai, der Koreaner, der EmporkΓΆmmling, der so ein unglaubliches Tempo vorlegt, der gefΓΌhlt im Wochentakt neue Produkte prΓ€sentiert und noch lange nicht satt ist, liegt den Wolfsburgern wie eine spΓ€te ΓΌppige Mahlzeit schwer im Magen. Ob der neue i30 den VW-Oberen zu Recht schlaflose NΓ€chte bereitet, haben wir bei der ersten gemeinsamen Ausfahrt mit dem Golf ΓΌberprΓΌft.

Überblick: Alle News und Tests zum Hyundai i30

Nach nur vier Jahren degradieren die Koreaner also ihren Kompaktstar schon zum Altmetall. Keineswegs wegen Misserfolgs. Gerade hat der Korea-Golf mit europaweit ΓΌber 115.000 VerkΓ€ufen 2011 sein stΓ€rkstes Jahr hingelegt, muss er auch schon einem komplett neuen Blechkameraden weichen. Modell-Konstanz sieht anders aus. Besitzer aktueller i30 fahren auf einmal einen Youngtimer. Die Dynamik Hyundais ΓΌberholt Kunden und Handel gleichermaßen. Ab MΓ€rz wird der Novize aus dem tschechischen Werk NoΕ‘ovice auf unsere Straßen rollen. Technisch sowie optisch stark am i40 orientiert – und deutlich gewachsen. Mit 4,30 Metern streckt er sich um zehn Zentimeter lΓ€nger als ein Golf, der Radstand legt auf 2,65 Meter zu, 7,2 Zentimeter mehr als beim Wolfsburger. Bei nahezu gleichbleibender HΓΆhe tendiert das Design allerdings eher in Richtung Opel Astra. Die coupΓ©hafte Linie wirkt dynamischer als beim Golf. Der Klassiker wiederum unterwirft seine optische SouverΓ€nitΓ€t keinem modischen Diktat, sondern bleibt seiner – wenn auch konservativen – Linie treu. MΓΆgen viele diese Konstanz mit Langeweile gleichsetzen, die Design-Politik der ruhigen Hand hat gleichwohl praktische Vorteile. Hinten im Golf sitzen selbst grâßere Passagiere aufrecht und ohne Angst vor einem Dachschaden.

Überblick: Alle News und Tests zu Hyundai

Der Hyundai bietet gefΓΌhlt mehr Beinfreiheit, doch der Himmel kommt einem hier schon deutlich nΓ€her, vor allem, wenn wie im Testwagen ein riesiges Panoramadach den Innenraum mit Licht durchflutet. Was das glΓ€serne Firmament dort erhellt, sind ungeahnte Lichtblicke. Zumindest fΓΌr ein Auto made in Korea. Folgten die Asiaten bislang eher der preiswerten Lehre des Pragmatismus, zeigt der neue i30 plΓΆtzlich eine geradezu verschwenderische Lust am Luxus. Hyundai hat ins WohlfΓΌhlen investiert und einen Feinschliff in Funktion und Form erreicht, der fast schon beΓ€ngstigend ist – zumindest was QualitΓ€t und Tempo angeht. Da sind SteppnΓ€hte plΓΆtzlich doppelt gestickt, Pedale mit Metall beschlagen, Leder riecht nach Leder und sieht auch so aus, Tasten wie Regler fΓΌhlen sich nicht mehr an, als seien sie gerade aus dem Überraschungsei geschlΓΌpft. Chefdesigner Thomas BΓΌrkle, ein Ex-BMW-Mann, verrΓ€t, dass es sein Ziel war, einen Schuss Noblesse und Anmutung der Bayern-Marke in den i30 zu bekommen. Nun ja, da ist sicherlich noch der Wunsch Vater des Gedankens. Aber tatsΓ€chlich fΓΌhlt sich der i30 schon wieder ein StΓΌck reifer an als der eben gerade erst vorgestellte i40. Ja, wo wollen die denn noch hin.

Zudem zieht jede Menge aktuelle Technik in den i30. Vom Spurhalteassistenten ΓΌber Start-Stopp-System bis zur RΓΌckfahrkamera, die elegant aus dem hinteren Emblem klappt. Den Beweis der Langlebigkeit allerdings muss Hyundai trotz FΓΌnfjahresgarantie erst noch antreten. Im Gegensatz zum Volkswagen, der mit dem Selbstbewusstsein des ewigen TabellenfΓΌhrers im Innenraum eine unantastbare SouverΓ€nitΓ€t ausstrahlt – und meint, auch weiterhin mit nur zwei Jahren Garantie das Volk auf seiner Seite zu haben. Zu sicher sollten sie sich nicht sein, die Herren in der Trutzburg des Wolfs. Denn im direkten Vergleich wirkt das Layout des Bestsellers doch ein wenig streng, sehr deutsch, strahlt viel Klasse, aber wenig Frische aus.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Golf

Der i30 hingegen drΓ€ngt sich mit dem jugendlichen Elan des frechen Angreifers auf die Einkaufszettel der Wechselwilligen. Ein seriΓΆser Abgleich der beiden Protagonisten nach Punkten verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt. Noch im Stadium des Prototyps lΓ€sst unser Testwagen hΓΆchstens sein Potenzial erahnen. Der Komfort ist ordentlich, erreicht allerdings noch nicht die Finesse des Golf. Die elektrohydraulische Lenkung fΓΌhrt aufmerksam auf allen Wegen, die Sechsgangschaltung hakelt noch bei schnellen Gangwechseln. Keinesfalls wie ein Provisorium fΓΌhlt sich der Motor an. Dieser neue 128-PS-Diesel mag vielleicht kein temperamentvoller DraufgΓ€nger sein, aber gute Manieren hat er. Leise ist er, laufruhig, und er brummt nicht so kernig wie der 105 PS starke TDI im Golf. Beide beanspruchen fΓΌr sich, die 100-Gramm-CO2-Grenze zu knacken, was Verbrauchswerte um vier Liter bedeuten wΓΌrde.

Beim Geld hârt die Harmonie wieder auf. Hyundai will sich zwar nicht mehr als Billigheimer verstanden wissen, preislich aber stets rund zehn Prozent unter der Konkurrenz bleiben. So wagen wir am Ende die Prognose, dass dieser i30 in Christbaum-Ausstattung knapp 20.000 Euro kosten dürfte. Nicht wenig für einen Koreaner, nicht zu viel für einen Golf-JÀger, den keiner mehr unterschÀtzen sollte. Martin Winterkorn weiß das nicht erst seit der IAA.

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