Zum Auftakt des G20-Gipfels in Hamburg zeichnet sich bei zentralen Themen wie Freihandel und Klimaschutz noch keine einheitliche Position der Teilnehmer ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-PrΓ€sident Donald Trump gelang es bei einem Treffen am Donnerstag zunΓ€chst nicht, ihre teils erheblichen Differenzen in diesen Bereichen auszurΓ€umen, wie Aussenminister Sigmar Gabriel der ARD sagte.
Mit Spannung erwartet wurde die erste persΓΆnliche Begegnung Trumps mit dem russischen PrΓ€sidenten Wladimir Putin, die am Freitag am Rande des ersten Gipfeltags geplant war. Die Beziehungen der beiden Staaten sind so angespannt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bei einem Warschau-Besuch hatte Trump Russland am Donnerstag Β«destabilisierendes VerhaltenΒ» vorgeworfen.
Β«Noch deutlich strittigΒ»
Merkel und Trump sprachen im Hotel Atlantic zunΓ€chst fΓΌr 20 Minuten unter vier Augen, danach stiessen die Aussenminister Gabriel und Rex Tillerson dazu. Die G20-Themen Handel und Klimaschutz seien Β«noch deutlich strittigΒ», sagte Gabriel. Die Kernfrage beim Handel sei, ob die USA nach wie vor dΓ€chten, dass sie immer als Gewinner aus Handelsthemen hervorgehen mΓΌssten. Man wolle die US-Regierung davon ΓΌberzeugen, dass fairer Handel gut fΓΌr alle Seiten sei - inklusive fΓΌr die Γ€rmeren Staaten auf der Welt. Finanzminister Wolfgang SchΓ€uble rief im ZDF alle beteiligten LΓ€nder zum Eintreten fΓΌr einen freien Welthandel auf. Kanadas Premierminister Justin Trudeau sagte zu Β«BildΒ», er wolle Trump Β«darauf hinweisen, dass eine Vorreiterrolle im Zusammenhang mit dem Klimawandel und das Entstehen guter ArbeitsplΓ€tze wichtig sindΒ». Auch werde er sich fΓΌr progressive Handelsabkommen einsetzen, die Β«Chancen fΓΌr kleinere Unternehmen schaffen und die Rechte von Arbeitern schΓΌtzenΒ».
Ukraine-Konflikt
Viele Gemeinsamkeiten habe es zwischen Merkel und Trump bei den aussenpolitischen Themen gegeben, sagte Gabriel. Ein Regierungssprecher hatte zuvor mitgeteilt, dass in dem gut einstΓΌndigen GesprΓ€ch auch aussenpolitische Brennpunkte zur Sprache gekommen seien, wie Nordkorea, die Lage im Mittleren Osten und der Konflikt in der Ostukraine. Am Freitag wollten sich Merkel, Putin und Frankreichs PrΓ€sident Emmanuel Macron am Rande des Gipfels treffen, um ΓΌber den Ukraine-Russland-Konflikt zu reden. Putin ist nach EinschΓ€tzung Gabriels an besseren Beziehungen zu Deutschland und Europa interessiert. Dazu mΓΌsse es aber erst zum Waffenstillstand in der Ostukraine kommen. Zwar hΓ€tten beide Konfliktparteien Verantwortung. Β«Aber Russland hat die Aggression begonnen.Β» Γndere sich die Lage in der Ostukraine, Β«dann kΓΆnnen wir uns Russland gegenΓΌber wieder ΓΆffnenΒ».
Merkel: Differenzen nicht ΓΌbertΓΌnchen
Merkel hatte die G20-GesprΓ€che ΓΌber den Klimaschutz als Β«nicht einfachΒ» bezeichnet und auf die US-Position verwiesen, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszutreten. Als Gastgeberin werde sie nach Kompromissen mit allen Seiten suchen. Meinungsverschiedenheiten will sie aber nicht ΓΌbertΓΌnchen. Belastet ist derzeit auch das VerhΓ€ltnis zur TΓΌrkei. Merkel traf am Donnerstagabend PrΓ€sident Recep Tayyip Erdogan. Dieser hatte die Bundesregierung vor seiner Reise nach Deutschland scharf kritisiert, weil sie es abgelehnt hat, dass er am Rande oder nach dem G20-Gipfel vor AnhΓ€ngern ΓΆffentlich spricht.
Gemeinsame G20-ErklΓ€rung am Samstag
Die Staats- und Regierungschef der 20 wichtigsten Industrie- und SchwellenlΓ€nder wollen auf dem zweitΓ€gigen Gipfel zunΓ€chst ΓΌber eine bessere TerrorbekΓ€mpfung beraten, bevor sie dann ΓΌber die Weltwirtschaft und Handel sprechen. Am Samstag soll eine gemeinsame G20-ErklΓ€rung verabschiedet werden. Die deutsche G20-PrΓ€sidentschaft will darin auch Schwerpunkte wie Gesundheit, die bessere FΓΆrderung von Frauen und die Entwicklung Afrikas legen. SchΓ€uble kΓΌndigte an, auf dem Gipfel werde man nach einer Umsetzung der G20-Strategie gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung auch an der Besteuerung der digitalen Wirtschaft arbeiten. Dabei werde man aber noch nicht zu einem Abschluss kommen.
Schwere ZusammenstΓΆsse zwischen Polizei und Autonomen
Begleitet wurde der Gipfel von teils schweren ZusammenstΓΆssen zwischen Polizei und Autonomen. G20-Gegner setzten ihre Proteste am Freitag fort. Unter dem Motto Β«Block G20 - Colour The Red ZoneΒ» riefen Aktivisten zu Strassenblockaden und StΓΆraktionen auf. Sie wollten die Anfahrtsrouten der Gipfelteilnehmer lahmlegen und planten auch Aktionen im Hafen. Angela Merkel sollte am Vormittag ihre GΓ€ste begrΓΌssen, unter ihnen die PrΓ€sidenten der USA, Russlands und der TΓΌrkei, Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan.
Wo Angela Merkel, Donald Trump und Co. nΓ€chtigen werden, sehen Sie in der Bildergalerie:
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