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Astronautinnen

Frauenpower im Weltall

50 Jahre nach Neil Armstrong war noch immer keine Frau auf dem Mond. Wie sieht es heute in Sachen Astronautinnen aus?

WELTRAUM RAUMFAHRT APOLLO 11 Neil Armstrong Mondlandung
Betrat 1969 als erster Mensch den Mond: Neil Armstrong. Keystone

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ZwΓΆlf Menschen waren bislang auf dem Mond - alles MΓ€nner. Vor 50 Jahren sass im Kontrollzentrum der Nasa nur eine einzige Frau. Wie sieht es 50 Jahre nach der Mondlandung in Sachen Astronautinnen aus?
Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin vor 50 Jahren den Mond betraten, waren im Kontrollzentrum der US-RaumfahrtbehΓΆrde Nasa viele aufgeregte MΓ€nner zu sehen - und genau eine Frau. Β«Ich habe einfach Raketentreibstoff in meinen AdernΒ», sagt die heute 78 Jahre alte JoAnn Morgan in einem Interview dazu. Sie erinnert aber auch an den Sexismus zur Zeit der Mondlandung - sie bekam obszΓΆne Anrufe wegen ihres Jobs. Heute arbeiten Frauen auf der Internationalen Raumstation ISS.
JoAnn Morgan kam 1958 zur Nasa und arbeitete sich bis zum Β«ApolloΒ»-Programm hoch. Ihre Anwesenheit beim Start von Β«Apollo 11Β» 1969 hatte im Vorfeld fΓΌr heftige Diskussionen gesorgt und musste offiziell vom damaligen Chef des Kontrollzentrums, Kurt Debus, abgesegnet werden. Β«Es gab WiderstandΒ», sagt Morgan. Frauen waren nicht vorgesehen - es gab im GebΓ€udeteil noch nicht einmal eine Damentoilette.
Morgans Kollegin Frances Β«PoppyΒ» Northcutt erinnert sich, wie Frauen bei der Nasa damals in einem Β«Meer an SexismusΒ» schwammen. Β«Es war ΓΌberall, immer, wie die SchwerkraftΒ», sagt sie. Gefeiert wurden ausschliesslich die Herren der SchΓΆpfung. Alle zehn US-Astronauten, die bis 1972 den Mond betraten - MΓ€nner. Auch alle 13 bisherigen Chefs der Nasa - MΓ€nner.

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Anders bei den Russen

Bei den Russen lief das ganz anders. Bereits 1963 schossen sie Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum. Die erste Nasa-Astronautin Sally Ride musste sich dagegen noch Ende der 1970er Jahre die Frage gefallen lassen, ob 100 Tampons fΓΌr den Trip ins All wohl ausreichen.
Aber auch die Vereinigten Staaten wandelten sich. Von den 347 US-Astronauten, die bislang ins All abhoben, waren immerhin 49 Frauen. Heute ist fast die HΓ€lfte des Teams weiblich, dazu ein Drittel der etwa 15'000 Nasa-Mitarbeiter. Bei der Kult-Serie Β«Star-TrekΒ» kommandierte ab 1995 Captain Kathryn Janeway. Der Erfolgsfilm Β«Hidden Figures - Unerkannte HeldinnenΒ» brachte dem Thema Frauen 2016 weltweite Aufmerksamkeit. Es ist die wahre Geschichte dreier afro-amerikanischer Nasa-Mitarbeiterinnen, die mit ihren Berechnungen die Grundlagen fΓΌr die bemannte Raumfahrt legten.
Bei der EuropΓ€ische Weltraumorganisation ESA gibt es seit 1988 gemischte Teams. Seit 20 Jahren ist der Anteil von 15 Prozent Frauen unter den Bewerbern aber gleich geblieben. JΓΌngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauen-Rekord auf.

Astronautin gesucht

In Bremen hat es Claudia Kessler gereicht, dass immer nur deutsche MΓ€nner ins All fliegen. Alexander Gerst, bekannt als Β«Astro-AlexΒ», nun sogar schon zwei Mal. Kessler, Luft- und Raumfahrttechnikerin, ist Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraum-Branche. 2016 startete sie mit Verve privat den Wettbewerb Β«Die AstronautinΒ» - mit dem Ziel, 2020 eine Frau aus Deutschland zur ISS zu schicken.

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Anfangs als PR-Gag belΓ€chelt, geriet der ungewΓΆhnliche Wettbewerb schnell zu einer Frauenpower-Schau. Mehr als 400 ernsthafte Kandidatinnen bewarben sich - darunter Ingenieurinnen, Kampfpilotinnen und Physikerinnen. 90 absolvierten in einer zweiten Runde die notwendigen psychischen und medizinischen Tests beim Deutschen Zentrum fΓΌr Luft- und Raumfahrt (DLR).
Das Rennen machten am Ende die Heidelberger Meteorologin Insa Thiele-Eich und die KΓΆlner Astrophysikerin Suzanna Randall - beide promoviert. Die Ausbildung zur Astronautin absolvieren sie gerade, Piloten- und Tauchscheine sind schon gemacht. Das Training fΓΌr die Schwerelosigkeit lΓ€uft. Eine MΓΆglichkeit zum Start gΓ€be es im Herbst 2020, sagt Astronautin-Sprecherin Inka Helmke. Β«Ein amerikanischer Startanbieter hΓ€lt zurzeit einen 'Seat' in seiner Kapsel frei.Β»

50 Millionen Dollar fehlen

Doch was der Initiative weiter fehlt, ist Geld - viel Geld. Β«Wir haben in die Ausbildung und Vorbereitungen dieser Mission bereits fast eine Million Euro gestecktΒ», berichtet Helmke. Dank vieler UnterstΓΌtzer und Kooperationspartner wie Airbus und DLR sei das mΓΆglich gewesen.
Doch der reine Flug zur ISS mit 10 Tagen Aufenthalt und dem nΓΆtigen, rund neunmonatigen Training in den USA koste rund 50 Millionen US-Dollar. Diese Summe fehlt. Β«Wir hoffen auf eine Beteiligung aus BerlinΒ», sagt Helmke. Nach elf steuerfinanzierten MΓ€nnern sollte eine Beteiligung an einer Mission der ersten deutschen Frau im All doch mΓΆglich sein, findet sie. Und wenn nicht im nΓ€chsten Jahr, dann eben spΓ€ter.

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AnlΓ€sslich des 50. JubilΓ€ums der Mondlandung will die Nasa noch einen Schritt weiter gehen. Β«Die erste Frau und der nΓ€chste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sindΒ», hat US-VizeprΓ€sident Mike Pence im MΓ€rz angekΓΌndigt. Es werde eine der 12 Frauen sein, die derzeit unter den 38 aktiven Astronauten der Nasa sind, sagte der Chef der RaumfahrtbehΓΆrde Jim Bridenstine dem TV-Sender CNN. Β«Ich denke, dass das fΓΌr junge Frauen nicht nur in unserem Land, sondern weltweit alles verΓ€ndert.Β»
(sda/ccr)

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