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Einkaufen via Messenger: So geht das Bezahlen von morgen

Bezahlen per Virtual Reality oder Facebook-Messenger? Die Trends im mobilen Zahlen gehen längst über Apple Pay und Twint hinaus. Ein Überblick.

Karen Merkel-Gyger

Am Mobile World Congress in Barcelona werden die wichtigen Neuheiten der Branche vorgestellt: Eine Frau testet eine Virtual-Reality-Brille aus.
Der neue 3D-Modus der Handys von ZTE. Die Chinesen haben eine Spielzeuglandschaft am MWC aufgebaut, die sich für plastische Testbilder eignet.
Die Connected-Car-Simulation von BMW in Kooperation mit Intel und Ericsson. BMW ist das erste Mal am MWC.
Am Stand von IBM gibt es ein farbenfrohes Kleid zu bestaunen. Die LED-Lichter des «cognitiv dress» passen sich den Emotionen von Tweets an.
Tierisches aus Schottland: Die University of Scotland hat mit Vodafone Tracker entwickelt, die halb so gross sind wie bisher. Diese werden in den Nacken der Tiere gesetzt, um ihre Bewegung und die Entwicklung der Population zu verfolgen.
Mastercard ermöglicht eilige Menschen noch mehr Zeitersparnis. Zusammen mit GM entwickelte das Unternehmen ein System, mit dem im Auto zum Beispiel ein Kaffee im Lieblingscafé vorbestellt und bezahlt werden kann. Es soll dieses Jahr lanciert werden.
Smarte Kleidung - die Elektronen sind eingewebt und überwachen Körperfunktionen wie Temperatur und Herzschlag.
Den Spielroboter aus Korea namens Cubroid können Kinder selbst zusammenbauen und per App steuern.
Ebenfalls einen Roboter gibt es auf der Startup-Bühne «4 Years From Now» (4YFN) zu sehen, die dem Mobile World Congress angehängt ist. Pibo kommt aus Korea und soll seinen Besitzern ein Freund sein. Das Ziel ist es, diese zu mehr Emotionalität und einem besseren sozialen Miteinander zu bringen.
Für rund 950 Dollar kann Oval gekauft werden, das ein spanisches Startup an der 4YFN präsentiert. Das digitale Instrument hat die Form eines Ufos und kann ein Schlagzeug aber zum Beispiel auch eine Geige imitieren.
Ein israelisches Startup will an der 4YFN die Living Box an den Mann bringen. Damit sollen selbst Stadtbewohner ohne Balkon ihr Gemüse züchten können. Das Gewächshaus ist zusammenklappbar und wird mit Solarenergie betrieben. Natürlich gibt es auch eine passende App zum 300-Dollar-Spass.
Auch branchenfremde Unternehmen nutzen die Bühne, so werden Tech-Messen immer stärker zu Automessen. Peugeot präsentiert das Konzept «Freedom» in Kooperation mit Samsung. Es soll abgestuft autonom fahren je nach den Wünschen des Fahrers und sich zugleich mit anderen Geräten zu Hause und im Büro koppeln.
Bei Seat können Besucher der Messe gleich in den Simulator einsteigen.
«City of Tomorrow» heisst die Losung bei Ford: Damit will der Autobauer Lösungsansätze für Mobilitätsherausforderungen in Ballungsräumen wie Staus und Luftbelastungen liefern. Die Ideen drehen sich um Lieferkonzepte mit Elektroauto und Drohne.
Die Korean Telekom testet aktuell Live-Übertragung aus der Perspektive von Skifahrern und 360-Grad-Umsicht. Sie soll mit 5G-Datengeschwindigkeit funktionieren und bei der Winterolympia 2018 in Pjöngjang weltweit für Zuschauer verfügbar sein.
Für Spass ist am Stand von Noitom gesorgt: Der Cyber-Handschuh «Hi5» agiert in Kombination mit VR-Brillen. Mehrere Spieler werden in die gleiche virtuelle Landschaft projiziert und können sich so zum Beispiel virtuell Bälle zuwerfen.
LG bietet mit seinem neuen Smartphone ein neues Format: Das 5,7-Zoll-Display kommt im Verhältnis von 18:9 daher. Das hilft beim Abspielen von manchen Filmen, aber damit kann vor allem Multitasking betrieben werden. Zwei Quadrate werden nebeneinander angezeigt und erlauben so ergänzende Aufgaben, wie etwa das Fotografieren und gleichzeitige Anschauen des Ergebnisses.
Dafür hat der Neuling G6 auch eine besonders gute Kamera.
Sony wartet mit dem Xperia XA1 auf. Ein Highlight gegenüber dem Vorgänger XA ist die verbesserte Kamera, die es mit der der Premiumlinie aufnehmen kann. Dieses Modell und die Ultra-Version sollen im Frühling mit Android Nougat lanciert werden. Die Kunden können zwischen Weiss, Schwarz, Pink und Gold wählen.
Ebenfalls Neues gibt es im Hochpreissegment: Das Xperia XZ Premium hat als erstes Smartphone ein 4K HDR Display.  first 4K HDR display in a smartphone. Ein neues Kamerasystem namens «Motion Eye», das 960 Bilder pro Sekunde machen und in Superslowmotion abspielen kann.
Xperia Ear ist ein Kopfhörer mit integriertem Digitalassistenten. Damit hat man gemäss Sony freie Hände, Augen und sogar Ohren - denn die Technologie leitet den Sound direkt in den Hörkanal, Nutzen können Umgebungsgeräusche beim Musikhören oder Kommunizieren weiter wahrnehmen.
«Xperia Touch» ist ein interaktiver Projektor, der jede Oberfläche zum Touchscreen machen kann - Klavierspielen am Boden oder Malen an der Wand sind nicht länger unmöglich. Das Gerät soll in Europa im Frühling in den Handel kommen, günstig ist es mit 1499 Euro nicht.
Einen Assistenten gibt es ebenfalls.
Samsung hat am Mobile World Congress dieses Jahr nur Tablets vorgestellt. Das Samsung Galaxy Book richtet sich an Geschäftsleute. Es funktioniert mit dem S Pen wie auch das...
... Samsung Tab S3, über das im Vorfeld bereits viel bekannt wurde. Zum Smartphone Galaxy S8 nannte Samsung das Präsentationsdatum: der 29. März. Das Samsung Tab S3 ist eine klare Ansage an Apple: Gute Leistung, hochwertige Verarbeitung. Front und Rückseite aus Glas plant Apple erst für sein nächstes iPhone.
Der S Pen zeigt sich im Kurztest gut in der Handhabung und reaktionsschnell. Die Spitze ist 0,7 mm dünn. Nachteil: Er kann nicht am Gerät befestigt werden.
Das Galaxy Book kommt in zwei Grössen und läuft mit Windows 10. Das macht es zum direkten Konkurrenten vom Microsoft Surface, ist aber vor allem beim Gehäuse hochwertiger verarbeitet.
Das Amoled-Display der grösseren Variante gibt die Farben brillant wieder. Samsung hat bereits im Galaxy S7 auf die Technologie gesetzt.
Nachteil ist ein höherer Preis. Samsung macht noch keine Angaben, aber zwischen 700 und 800 Euro für die kleinere 10-Zoll-Variante erwartet und sogar bis zu 1600 Euro für die 12-Zoll-Variante. Preis für die Schweiz gibt es noch keine, Verkaufsstart soll im Juni sein.
Und noch eine weitere Neuheit von Samsung: Ein Controller für die VR-Brille der Koreaner. Das handliche Gerät verfügt über ein Touchpad, einen Home-Button und Knöpfe für die Lautstärke.
Die meisten anderen grossen Handyhersteller nutzen das Wochenende vor dem MWC, um ihre neuen Smartphones zu zeigen. So auch Nokia - das den Klassiker 3310 inklusive Snake wieder aufgelegt hat.
Darüber hinaus bringt Nokia und HMD Global drei Android-Smartphones auf den Markt. Das Nokia 6 war bereits bekannt, die kleineren Nokia 5 und Nokia 3 sind neu präsentiert worden. Nokia fokussiert sich mit günstigen Smartphones stark auf Schwellenländer in Afrika sowie Indien.
Richard Yu, Chef der Sparte Consumer Devices von Huawei, präsentierte das neue P10. Es glänzt...
...mit einer aussergewöhnlichen Farbenpracht. Neu gibt es die Huawei-Smartphones auch in grün und blau. Auch verfügt es erneut über eine Dual-Kamera von Leica. Huawei kooperiert für das Gerät neu mit GoPro. Der Actionkamera-Hersteller stellt eine App für Video-Editing zur Verfügung, die vorinstalliert wird.
Blackberry hat den Anfang gemacht und am Samstag das KeyONE präsentiert. Das Smartphone ist das erste, dessen Entwicklung komplett in der Hand der chinesischen Firma TLC gelegen hat. Das Gerät bringt die klassische Tastatur zurück, für die Blackberry bekannt ist. Die Kanadier haben die Entwicklung eigener Smartphones aufgegeben, nachdem der Martanteil zu sehr geschrumpft war.
Vom spanischen Telekomriesen Telefonica kommt die Plattform «Aura» mit technischer Hilfe von Microsoft. «Aura» kann als App genutzt werden und ist mit Amazons Echo kompatibel. In den nächsten 12 Monaten soll es in Spanien, Grossbritannien und Deutschland auf den Markt kommen. Die Technik soll den Nutzer die Macht über ihre Daten zurückgeben.
Über die Präsentationen von neuen Smartphones und Retro-Klassikern hinaus, beschäftigt sich die Messe mit anderen Themen. DIe Zukunft smarter Geräte und das Internet of Things stehen im Fokus in der Trendausstellung...
...bei der zahlreiche Konzerne ihre kommenden Produkte präsentieren. Auch für Autobauer ist der Mobile World Congress ein wichtiger Termin geworden. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit einem Rekord von 101'000 Besuchern. Die Messe in Barcelona hat sich zur weltgrössten Mobilfunkmesse entwickelt, sie findet dieses Jahr vom 27. Februar bis zum 2. März statt.
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Einen Kaffee bezahlen, ohne den Geldbeutel herauszuholen. Ohne mit dem Smartphone oder der Smartwatch vor einem Lesegerät zu winken. Es reicht, den Wunsch nach einem Kaffee auszusprechen. Dieses Szenario ist gar nicht so weit in die Zukunft gedacht: An einem solchen System arbeitet Mastercard zurzeit mit General Motors, es soll bis Ende des Jahres der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben die Unternehmen einen Entwurf des smarten Autocockpits gezeigt. Dort war zu sehen, wie der Fahrer im Bordcomputer seine Kreditkartendaten hinterlegen und dann per Sprachbefehl Tankstellen oder Parkplätze suchen oder eben einen Kaffee auf dem Weg ordern und bezahlen kann. Der dann idealerweise frisch gebrüht bereitsteht, just wenn das Auto vorfährt.

Die Hürden für mobiles Zahlen

Das ist die Zukunftsmusik, die Realität des mobilen Zahlens gestaltet sich mühsamer. In der Schweiz konkurrieren Apple Pay und Twint, wobei Apple Pay nur über Umwege mit allen Kreditkarten zu nutzen ist und Twint seinen Neustart nochmals, auf dieses Frühjahr, verschoben hat. Samsung Pay steht davor, nach Spanien auch in weiteren Ländern Europas auszurollen. Ob die Schweiz dabei ist, ist allerdings nach wie vor unklar.

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Mobiles Zahlen lebt davon, dass es für Konsumenten einfach zu nutzen und auf breiter Basis verfügbar ist. Muss der Kunde erst seinen Kreditkartenanbieter oder die Bank wechseln, ist die Hürde zu hoch. Entsprechend gering sind die Nutzerzahlen, auch wenn es bisher wenige Daten dazu gibt. Aber Schweizer sind ohnehin für ihre Liebe zum Bargeld bekannt, selbst wenn das Zahlen mit EC-Karte seit Jahren in fast allen Geschäften möglich ist.

Google-Assistent spricht jetzt Deutsch

«Digitales Zahlen wird das Bargeld an mancher Stelle ersetzen, aber nicht vollständig», sagt Kiki Del Valle, Vizepräsidentin von Digital Payments bei Mastercard. «Aber der Kunde wird mehr Wege zur Verfügung haben, digital zu zahlen.» Wichtig wird laut Del Valle in den nächsten Jahren der «Conversational Commerce». Der Kunde kauft also ein, indem er sich per Messenger unterhält. Ob er dabei mit einem Chatbot von H&M chattet oder einem Freund die Summe für den Kinobesuch am Wochenende überweist, die Transaktion findet in beiden Fällen eingebunden in einen Dialog statt, ohne den Chat zu verlassen.
Sprach- und Texterkennung ist eines der zentralen Trendthemen am Mobile World Congress. Google hat zur Messe lanciert, dass sein Assistent bald Deutsch sprechen kann. Bisher war er auf Englisch beschränkt. Andere Anbieter eifern Amazons Echo nach – so hat auch Sony den Entwurf eines digitalen Agenten gezeigt, der auf Kommando hört. Zu spüren ist, dass Anbieter viel Potenzial in den Diensten im Dialog mit dem Nutzer sehen.

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Zahlen per Facebook-Messenger

Für das digitale Zahlen bietet Facebook diese Möglichkeit seit 2016 in den USA testweise in seinem Messenger an, richtig erfolgreich ist damit Wechat, das chinesische Äquivalent zu Whatsapp. 2016 nutzten bereits 650 Millionen Menschen Wechat zum Online-Shoppen. In China ist es mittlerweile Alltag, per Messenger zu zahlen und zu überweisen.
Eine weitere Möglichkeit bietet das Shoppen per Virtual Reality. Hier kann sich der Kunde nicht nur virtuell in den Shop begeben, sondern die ausgewählte Kleidung per Sprachbefehl mit einem Augenzwinkern bezahlen, ohne die VR-Brille abzunehmen. Hier steckt die Technik allerdings in den Anfängen. Die Online-Bank Swissquote bietet in der Schweiz zum Beispiel eine entsprechende Möglichkeit zum Aktienkauf, verknüpft allerdings keine Umsatzhoffnungen damit.

Physische Kreditkarte wird seltener gebraucht

Was der Kunde bei solchen Diensten immer seltener braucht, ist eine physische Kreditkarte. Seine Daten sind schliesslich virtuell hinterlegt. Wird es in Zukunft keine Kreditkarten mehr geben? Kiki Del Valle sagt: «Digital wird die Marke Mastercard präsent bleiben, indem das Logo zu sehen ist.»
Eine Frage, die sich mit den zunehmenden Angeboten aus Konsumentensicht aufdrängt, ist die nach der Datensicherheit. Nicht nur die Kundendaten werden gespeichert, durch Online-Käufe und Themensuchen der Nutzer wächst auch stets das Wissen über die einzelne Person. Enthusiasten erwarten die Antwort auf diese Fragen von der Blockchain. Diejenigen, die vom Nutzen der Blockchain überzeugt sind, sehen darin die nächste Generation des Internets. «Im Moment kennen wir die Blockchain als Zahlungsmittel, vor allem den Bitcoin», sagt Burak Yetiskin, Blockchain-Experte bei Accenture.

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Der Nutzen von Blockchain

«Der Nutzen der Technologie ist aber viel weiter gefasst», so Yetiskin. Verträge aller Art könnten damit sicher und unverwechselbar abgeschlossen werden und vor allem, ohne dass die Identität des Einzelnen preisgegeben werden muss. Vom Durchbruch in der breiten Masse sind Blockchain-Lösungen aber noch entfernt. Zu kompliziert ist es für den Endkonsumenten, sie zu verwenden, und da sie vielen unverständlich sind, mangelt es auch noch an Vertrauen. Real betrachtet sind Blockchain-Lösungen derzeit eine Technologie einer kleinen, äusserst technikaffinen Elite.
«Bis die Blockchain-Technik für die breite Masse attraktiv wird, dauert es. Airbnb etwa ist heute weltweit etabliert, obwohl es nur ein Jahr älter ist als der Bitcoin», sagt Yetiskin. «Dennoch haben die Investitionen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, auf über 1 Milliarde Dollar jährlich. Diese enormen Summen an Risikokapital lassen einen schnellen Fortschritt erhoffen.»
Am interessantesten ist die Blockchain derzeit für Unternehmen, um die Technologie für ihre Dienstleistungen zu nutzen. Visa zum Beispiel will noch dieses Jahr eine Plattform starten, auf der Unternehmen ihre Zahlungen via Blockchain abwickeln können. Blockchain als die Hintergrundtechnologie für bekannte Marken – das erscheint in den kommenden Jahren als das wahrscheinliche Szenario.

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Supercomputer Watson im Dialog mit dem Menschen

Entscheidend für den Endkonsumenten ist, dass die Technologie im Hintergrund sicher ist und die Oberfläche im Vordergrund komfortabel zu bedienen. Rob High, CTO vom Supercomputer Watson, sieht ein noch breiteres Szenario: «In der Zukunft wird es digitale Assistenten geben, die uns in allen Lebenslagen begleiten. Sie werden unsere Vorlieben kennen, mit uns in Dialog treten und alle möglichen Dienste auf Zuruf übernehmen, auch das Bezahlen.» Die Dienste von Watson sollen mit dem Menschen in einen echten Austausch treten. Dagegen erscheint die Kaffeeorder aus dem Auto fast schon wie eine Selbstverständlichkeit.
So zahlen wir in der Zukunft:

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