In Basel ist mit der Baselworld die weltwichtigste Uhrenmesse angelaufen. Das Exportminus vom Januar spricht kaum für ein erfreuliches 2016. Ist das mehr als ein Warnschuss für die Branche?
Markus Köchli
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Die besten Eindrücke von der Baselworld 2016.RMSMehr als 1500 Aussteller aus 40 Ländern stellen in Basel auf einer Fläche von...RMS... 141'000 Quadratmetern ihre Produkte vor.RMSAlles, was in der Branche Rang und Namen hat, kommt für eine Woche ans Rheinknie.RMSDazu gehören auch die Uhrmacher selbst, die ihr Handwerk der Fachwelt präsentieren können, hier bei Blancpain.RMSDabei geht es nicht immer ganz jugendfrei zu und her.RMSFertig sehen die erotischen Unikate dann etwa so aus, wie die Uhr rechts.RMSDie offizielle Eröffnung fand im Beisein von Simonetta Sommaruga statt. Die Bundesrätin tauschte sich in Basel unter anderem mit dem Swatch-Chef Nick Hayek aus.RMSDas Messezentrum in Basel ist zwar selber eine Attraktion...RMS... doch zu bestaunen gibt es noch viel mehr. Neben Uhren ist auch Schmuck ein Thema – wie hier bei Jacob & Co...RMS... ebenso beim Stand des Edeljuweliers Graff.RMSKleine Schmuckhändler haben an der Messe ebenso ihren Platz, wie...RMS... grosse Player à la Raymond Weil, die mit den Beatles werben.RMSViele Modelle – hier: Dior – verbinden den Uhren- und Schmuckaspekt der Messe gleich miteinander.RMSGlitzersteine bei Swarovski.RMSDie Baselworld ist im digitalen Zeitalter angekommen: Neben Uhren und Schmuck wird dem technischen Fortschritt in Form von Virtual-Reality-Brillen (Tag-Heuer-Stand) Platz eingeräumt.RMSFür die sieben Tage in Basel holt die Branche alles hervor, was sie zu bieten hat.RMSDie Kosten für die Messestände gehen in die Millionen.RMSDer Druck etwas besonderes bieten zu können ist gross. Spezielles hat sich die Uhrenmanufaktur Zenith einfallen lassen. Interessierte können sich an ihrem Stand die Haare schneiden lassen.RMSBei anderen Uhrenanbietern dreht sich alles um ihre Produkte.RMSAuch ausländische Besucher kommen voll auf ihre Kosten und können sich mit einem Bernhardiner ablichten lassen.RMSAm offiziellen Eröffnungstag für Besucher sind die Hallen gut besucht.RMSTag Heuer setzt auf die Connected Watch: Bis 2017 seien 200'000 Connected Watches geplant, 20'000 seien bereits abgesetzt. Die nächste Tranche mit 60'000 Stück folge im April.RMSGrosser Andrang herrscht schon am Pressetag vor der offiziellen Eröffnung. Obwohl der Absatz in Hongkong zuletzt gewaltig schwächelte, geht der Blick der Industrie weiter nach Asien.RMSAm Tag darauf kann auch das breite Publikum die Neuheiten bestaunen.RMSIn Basel treffen sich die wichtigen Personen der Uhrenbranche. So präsentiert etwa Jean-Claude Biver, Uhrenchef beim Luxuskonzern LVMH,...RMS... unter anderem die neusten Stücke von Hublot.RMSFrédérique Constant aus Genf punktet mit einer Smartwatch im Kleid einer Luxusuhr.RMSAuch Certina hat neue Modelle zu bieten.RMSEsoterisches bei Blancpain...RMS... und Filigranes bei Jaquet-Droz.RMSNicht alle Aussteller sind bekannt. Oder haben Sie schon jemals von Vostock Europe gehört?RMSDoch der Fokus gehört natürlich den Grossen wie Swarovski.RMSBahnhofsuhrmacher Mondaine zeigt nicht nur eine neue Uhr, sondern zur Eröffnung des Gotthardtunnels auch eine Lok im Markenkleid.RMSBucherer und andere Stars in Halle 1.RMSDer gewaltige TAG-Heuer-Stand in der prestigeträchtigen Halle 1 unterstreicht sowohl die Bedeutung der Messe als auch die der Marke. Bilder: Baselworld, Keystone, Gabriel Knupfer/HZRMS
Die diesjährige Baselworld findet unter schwierigen Vorzeichen statt. Die Meldungen der letzten Wochen sprechen wenig für den drittwichtigsten Schweizer Exportwirtschaftszweig. Und schon gar nicht für ein erfolgversprechendes Jahr 2016. Als Reaktion auf die sich schleppend entwickelnde Nachfragesituation, vor allem in Hongkong, in Festland-China und in den Vereinigten Arabischen Emiraten, kündigt der in Genf beheimatete Luxusgüterkonzern Richemont (Cartier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Piaget, Montblanc, Vacheron & Constantin, Baume & Mercier usw.) das Streichen von 350 der insgesamt 9000 Arbeitsplätze an.
Und die Swatch Group, die Weltnummer eins im Geschäft mit tickendem Luxus, muss für 2015 zu konstanten Wechselkursen ein Umsatzminus um 0,9 Prozent auf 8,45 Milliarden Franken und einen Rückgang des Konzerngewinns – bedingt auch durch Währungsverluste – um 21 Prozent auf 1,11 Milliarden Franken vermelden.
Massiver Einbruch in Hongkong
Zu guter Letzt setzt die Schweizer Januar-Exportstatistik den Negativmeldungen aus dem Jurabogen zwischen Genf und Schaffhausen die Krone auf. Um 7,9 Prozent sind im Vorjahresvergleich die Uhrenausfuhren von 1,650 auf 1,519 Milliarden Franken eingebrochen. Am massivsten in Honkong, dem bisher wichtigsten Abnehmer, um 33,1 Prozent, in China um 13,7 Prozent, in Singapur um 22,6 Prozent und in Russland, lediglich noch Nummer 29 in der Länderstatistik, um gar 63,6 Prozent. Wenig zu trösten vermögen hier die Steigerungen in den ebenfalls wichtigen Märkten Japan (plus 35,8 Prozent), Grossbritannien (plus 10,3 Prozent) und Deutschland (plus 7,9 Prozent).
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Das bedeutet – auf den ersten Blick – wenig Verheissungsvolles für die Uhrenindustrie und ihre (noch) rund 59'000 Beschäftigten. Zumal, hörte man sich in den Tagen vor der weltwichtigsten Uhrenmesse «BaselWorld» in der Branche um, der Februar 2016 keine Besserung gebracht haben soll (Zahlen werden am 22. März publiziert).
Weitere Faktoren hemmen das Luxusgeschäft
Allen voran Hongkong (Marktanteil 13 Prozent) ist in den Tiefschlaf gefallen, die Lager in der ehemaligen britischen Kronkolonie und ihrem Vergnügungsableger Macao sind nach wie vor übervoll, das Shoppen aber als beliebtestes Freizeitvergnügen für Touristen wie Einheimische verläuft extrem schleppend. Das Einkaufsparadies in Südostasien könnte mittelfristig seine Drehscheibenfunktion verlieren, zumal sich in Festland-China, Hongkongs wichtigstem Touristikmarkt, immer mehr Aversion gegen die Sonderverwaltungszone breitmacht.
Weitere Einflussfaktoren, die dem Geschäft mit Luxus abträglich sind, sind der tiefe Rohölpreis, die Angst vor Terrorismus, die den internationalen Tourismus bremst, die fehlenden Impulse in Europa (als Konsequenz der Flüchtlingswelle) und die Wahlen in den USA.
Sich nicht von den Rekorden blenden lassen
Die «BaselWorld» (17. bis 24. März) mit ihren rund 1500 Ausstellern aus 40 Ländern und erwarteten 150'000 Besuchern wird trotz diesen Negativvorzeichen dennoch nicht zur Jammermesse. Auf den ersten Blick scheinen zwar die erneuten Minuszeichen, ununterbrochen die siebten seit Juli 2015, vor den Exportzahlen beunruhigend – und auch die Warner, die prognostizieren, der Boom bei den Smartwatches werde sich auf die helvetischen Uhrenmarken auswirken, werden sich in ihrer Vorahnung bestärkt fühlen.
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Ihnen allen sei ins Buch geschrieben: Die Schweizer Uhrenexporte bewegen sich nach wie vor auf hohem Niveau. 2015 brachte das drittbeste je erzielte Ergebnis. Die Korrekturen der Rekordwerte nach unten sind zwar schmerzlich, vor allem dort, wo bei den Marken und deren Zulieferer personelle Konsequenzen nicht auszuschliessen sind. Im Grossen und Ganzen bewegt sich aber die Branche jetzt wieder auf dem Niveau der Jahre 2011 bis 2013.
Strahlebranche muss sich mit Normalität anfreunden
Zu rasch ging nach dem Jubeljahr 2014 mit Rekordexporten von 22,3 Milliarden Franken der Vergleichswert 2010 vergessen. Damals hatte dieser bei 16,2 Milliarden Franken gelegen. Damit können aller Unbilden des Marktes zum Trotz die Uhren und ihre Industrie 2016 ganz normal ticken. Die Strahlebranche wird sich auf ein verlangsamtes Wachstumsszenario und damit auf die Rückkehr in die Normalität ausrichten. Allerdings nicht ganz freiwillig.