Der Zinsentscheid der europäischen Währungshüter stand ganz im Zeichen des Iran-Kriegs. Wegen der blockierten Strasse von Hormus steigen die Energiepreise. Und das befeuert die Teuerung. Im Februar lag die Jahresinflation des Euro-Raums noch bei 1,9 Prozent, im Mai betrug sie bereits 3,2 Prozent. Die Teuerung ist damit deutlich über dem von der EZB angestrebten Zielband von 2 Prozent.
Steigende Inflation bereitet Sorgen
Um Gegensteuer zu geben, hat die EZB nun eben einen kleinen Zinsschritt nach oben vorgenommen – wie von Analysten im Vorfeld erwartet. Sie will verhindern, dass ihr die Inflation davongaloppiert. Höhere Zinsen drücken nämlich auf die Inflation, weil sie Kredite verteuern und Sparen attraktiver machen. Das hemmt Investitionen und senkt den Konsum. Geld landet eher auf dem Sparkonto. Die tiefere Nachfrage macht es für Unternehmen schwieriger, ihre Preise zu erhöhen. Die Inflation geht zurück.
Gleichzeitig belastet die EZB mit ihrer Zinserhöhung auch die Wirtschaft. Weniger Konsum bedeutet auch tiefere Wachstumsraten. Und diesbezüglich sieht es in der Euro-Zone ebenfalls nicht rosig aus. Der Energiepreis-Schock durch die Hormus-Blockade hat die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal schrumpfen lassen. Und fürs Gesamtjahr sind die Prognosen deutlich schlechter als auch schon. So geht etwa die Deutsche Bank noch von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus – nach 1,1 Prozent in der November-Prognose.
Die grosse Frage, die sich jetzt stellt: Hat EZB-Chefin Lagarde nun die nächste Hochzinsphase eingeleitet? Kommen also in nächster Zeit weitere Zinserhöhungen dazu? In der nächsten Woche blickt dann die Finanzwelt gespannt in die USA, wo die US-Notenbank Fed unter dem neuen Chef Kevin Warsh (56) am Mittwoch über den Leitzins befindet. Tags darauf hat auch die Schweizerische Nationalbank ihre nächste Zinssitzung.