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Uhren 
Die Apple Watch holt auf – doch Taktgeber bleiben die Uhrenmacher

Die Apple Watch 3 am Handgelenk
Der Verkauf der Apple Watch zieht an – und stellt die Schweizer Uhrenindustrie vor grosse Herausforderungen.Quelle: Keystone

Einem Bericht zufolge hat Apple im letzten Quartal mehr Smartwatches verkauft als die gesamte Schweizer Uhrenbranche. Entscheidend ist aber der Umsatz, nicht die Stückzahl.

David Torcasso
Von David Torcasso
am 09.02.2018

Die Schweiz ist unbestritten ein Uhrenland und «Swiss Made» steht seit Dekaden für Qualität und Luxus. Der Schweizer Uhrenbranche geht es soweit ganz gut, wie am diesjährigen Salon International de la Haute Horlogerie SIHH zu hören war.

Die Schweizer Marken geniessen weltweit einen einmaligen Ruf, auch wenn nur rund 2,5 Prozent aller weltweit produzierten Uhren aus der Schweiz stammen. Trotzdem fliesst jeder zweite Franken, der auf der Welt für eine Uhr ausgegeben wird, in die Schweiz.

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Ist eine Smartwatch eine Uhr?

Der von den Schweizer Fabrikanten dominierte Markt hat nun einen Konkurrenten erhalten, dessen Kerntätigkeit nicht das Uhrengeschäft, sondern die Herstellung von Smartphones und Tablets ist. Als Marktführer Apple die Apple Watch präsentierte, kündigten Schweizer Uhrenhersteller wie Swatch und Tag Heuer ebenfalls neue Uhren an: Im Januar präsentierte Tag Heuer am Uhrensalon in Genf die teuerste Smartwatch der Welt.

Die Swatch-Gruppe hingegen insistiert, dass ihre Uhren sich von Smartwatches unterscheiden. «Wir führen keine smarte Uhren, die energiehungrige Betriebssysteme wie iOS oder Android benötigen, sondern vielmehr Uhren, die zum Beispiel die NFC-Technologie anbieten», sagt ein Mediensprecher auf Anfrage. Zahlen nennt der Konzern nicht. 

Mehr Uhren verkauft als alle Schweizer Hersteller zusammen

Apple ist umumstritten Marktführer bei Smartwatches. Aber mit wie viel Umsatz ist nicht bekannt. Apple veröffentlicht keine offiziellen Verkaufszahlen bei dem Uhrensegment. Deshalb versuchen Analysten zu berechnen, wie viel Apple Watches über den Ladentisch gingen. So etwa auch der «Industrie-Analyst» Canalys mit Büros in Singapur und dem Silicon Valley. In einem kürzlich veröffenlichten Bericht schreibt Canalys, Apple habe 2017 rund 18 Millionen Apple Watches abgesetzt. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. 

Ein spannnedes Detail: Im letzten Quartal 2017, also im Weihnachtsgeschäft, hat Apple am meisten zugelegt – um über 30 Prozent. Rund acht Millionen Stück habe der Konzern aus dem Silicon Valley in vierten Quartal 2017 verkauft. Die Startschwierigkeiten der AppleWatch sind anscheinend behoben. 

Wenn diese Schätzungen stimmen, hat Apple zumindest im letzten Quartal des Jahres mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenbranche im gleichen Zeitraum verkauft. Laut dem «Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie» waren es im vierten Quartal 2017 rund 6,5 Millionen Stück.

Schweizer Uhrenhersteller weiter vorne

Trotzdem gilt der Vergleich nur für das Weihnachtsquartal. Betrachtet man nämlich das gesamte, vergangene Jahr, geben die Schweizer Uhrenfabrikanten weiterhin klar den Takt an: Sie haben 2017 rund 25 Millionen Uhren verkauft, Apple laut Canalys rund 18 Millionen. Auch wenn sich Apple mengenmässig den Verkäufen der Schweizer Uhrenbranche nähert, ist der Vergleich differenziert zu betrachten.

Entscheidend ist der Umsatz und nicht die Stückzahl. Die Schweizer Uhrenbranche hat 2017 rund 20 Milliarden Franken Umsatz gemacht, während Apple im Segment «Andere Produkte» rund 15 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Dort sind aber neben den AppleWatches auch einige andere Apple-Produkte wie etwa Kopfhörer aufgeführt.

Apple Watch tritt deshalb nicht mit der gesamten Schweizer Uhrenbranche in Konkurrenz, sondern mit einem bestimmten, eher niedrigen Preissegment. Der durschschnittliche Exportpreis einer Schweizer Uhr beträgt über 700 Franken, eine Apple Watch der neusten Generation kostet rund 450 Franken. Deshalb ist Apple in punkto Umsatz noch weit entfernt von den hiesigen Uhrenherstellern. 

Auch Schweizer Hersteller halten sich bedeckt

Trotzdem kann die Schätzung von Canalys durchaus als Wink an die Schweizer Uhrenindustrie verstanden werden, die nach wie vor kein Rezept gefunden hat, um Apple die Spitzenposition bei Smartwatches streitig zu machen. Wie es zurzeit in Punkto Smartwatches bei Schweizern Herstellern aussieht, ist schwer auszumachen. Sie fahren dieselbe Strategie wie Apple und geben sich bedeckt.

«Wir geben prinzipiell keine Zahlen zu einzelnen Produkten heraus, genau wie andere Marken – beispielsweise Apple — auch nicht», sagt Jean-Claude Biver, CEO von Tag Heuer zur «Handelszeitung». Er hatte in einem Interview mit der «Handelszeitung» Apple herausgefordert. Seit dem Start der Tag Heuer «Connected» im Jahre 2015 hat der Hersteller Anfang des vergangenen Jahres eine erste Bilanz gezogen. Bis dahin seien 56'000 Smartwachtes beim Uhrenunternehmen aus La Chaux-de-Fonds verkauft worden.