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Meinung

Wie Währungen an Vertrauen verlieren

Der Dollar ist stark, obwohl die Inflation in den USA hoch ist. Der Yen ist trotz tiefer Inflation schwach. Wie lässt sich das erklären?

Adriel Jost

«Folgen die Währungen grosser Währungsräume dem ­Beispiel des Yen, drohen der SNB gewaltige Verluste», schreibt Adriel Jost.
«Folgen die Währungen grosser Währungsräume dem ­Beispiel des Yen, drohen der SNB gewaltige Verluste», schreibt Adriel Jost.zVg

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Währungen können auf zwei Arten das Vertrauen verlieren. Einerseits, wenn die Menschen im Währungsraum selbst an der Kaufkraft ihrer Währung zweifeln. Das zeigt sich an den steigenden Preisen für Waren und Dienstleistungen: Die Inflation nimmt zu. Andererseits können globale Akteure am Devisenmarkt den Wert einer Währung infrage stellen: Das Austauschverhältnis gegenüber anderen Währungen ändert sich, der Wechselkurs sinkt.
Seit der Corona-Krise haben sowohl der US-Dollar als auch der japanische Yen an Vertrauen verloren, allerdings auf unterschiedliche Weise. In den USA hat der Dollar vor allem im Inland an Glaubwürdigkeit verloren. Ein vergleichbarer Warenkorb kostet rund 30 Prozent mehr als Anfang 2020. Im Aussenwert zeigt sich dieser Vertrauensverlust dagegen nur teilweise. Gegenüber dem Franken hat der Dollar gut 15 Prozent an Wert verloren.
Beim Yen ist es genau umgekehrt. Das internationale Vertrauen ist weit stärker erodiert als das inländische. Zwar liegt auch in Japan die Inflation höher, als sie es jahrelang war. Aussergewöhnlich hoch ist sie aber nicht. Der inländische Kaufkraftverlust des Yen beläuft sich seit der Corona-Krise auf knapp 15 Prozent. Seine Achillesferse ist vielmehr der Wechselkurs. Gegenüber dem Franken ist der Yen fast um die Hälfte eingebrochen.

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Die Folge: Weil die Preise in Japan vergleichsweise wenig gestiegen sind und der Yen gleichzeitig billig geworden ist, können Besucher in Japan derzeit ausgesprochen günstig einkaufen. Andersherum ist es in den USA, wo die Besucher über die hohen Preise staunen.
In einem normalen Umfeld könnte man erwarten, dass der Yen sich wieder erholt. Ein solches Ungleichgewicht kann nicht ewig bestehen. Doch es gibt eine andere Möglichkeit: Der Markt könnte mit der Abwertung bereits einen Vertrauensverlust im Inland, also deutlich höhere Preise in Japan, vorwegnehmen – eine rationale Erwartung angesichts der Tatsache, dass die japanische Zentralbank die Staatsschulden massiv monetarisiert und eine fiskalpolitische Umkehr nicht absehbar ist.
Adriel Jost ist Ex-SNB-Mit­arbeiter, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern und Präsident des Thinktanks Liberethica.
Der Dollar wiederum profitiert von seinem Privileg als wichtigste Währung für den internationalen Handel und als zentrale Reservewährung. Doch wie lange kann der Dollar seine globale Glaubwürdigkeit und damit seine Stärke erhalten? Auch die US-Zentralbank Federal Reserve steht angesichts der gewaltigen amerikanischen Schulden unter fiskalischem Druck. Unabhängig davon, wie sich der neue Fed-Präsident Kevin Warsh positioniert: Der Spielraum für deutlich höhere Zinsen ist begrenzt. Jeder zusätzliche Viertelprozentpunkt erhöht die Zinslast des US-Staates um rund 100 Milliarden pro Jahr.

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Wie angespannt die Lage inzwischen ist, zeigt auch der jüngste Versuch der USA, Japan bei der Stabilisierung des Yen zu unterstützen. Der Hauptgrund lag darin, einen Verkauf von US-Staatsanleihen und damit einen weiteren Anstieg der US-Zinsen zu verhindern.
Aber auch die Schweiz ist betroffen. Der Grund sind die Währungsreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Verluste auf den japanischen Anleihen fielen bisher nicht auf, weil die SNB nur 7 Prozent ihrer Anlagen in Japan investiert. Doch was passiert, wenn die Währungen der grossen Währungsräume dem Beispiel des Yen folgen und abwerten? Dann drohen der SNB bei ihren ausländischen Anleihen Verluste von über 300 Milliarden Franken.
Auch beim Franken würde sich die Frage der Glaubwürdigkeit stellen. Die einzige Hoffnung läge in den Währungsreserven der SNB, die nicht in Staatsschulden investiert sind: Aktien und Gold.

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