Abo
Kleiner Schritt auf 2,5 Prozent

EZB-Präsidentin Lagarde erhöht erneut den Leitzins

Nach dem kleinen Zinsschritt im Juni schraubt die Europäische Zentralbank erneut am Leitzins. Dieser klettert um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Der Ölschock infolge des Iran-Kriegs befeuert die Inflation im Euroraum.

Michael Hotz

Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde erhöht den Leitzins des Euroraums um 0,25 Prozent.
Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde erhöht den Leitzins des Euroraums um 0,25 Prozent.imago/Hannelore Förster

Werbung

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf die steigende Teuerung: Das EZB-Gremium um Präsidentin Christine Lagarde (70) beschliesst einen kleinen Zinsschritt nach oben. Es ist die zweite Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr – nach dem Entscheid im Juni. Der für Sparer und Anlegerinnen relevante Einlagenzins steigt damit auf 2,5 Prozent.

Bereits im Juni hatte die EZB angedeutet, dass in diesem Jahr noch weitere Zinserhöhungen möglich sind. Nun hat sich diese Prognose bewahrheitet – wie im Vorfeld des Entscheids von den Marktbeobachtern und Finanzanalystinnen erwartet. Denn die Teuerung im Euroraum ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. Im August kletterte die Inflation auf 3,3 Prozent, im Juli betrug sie noch 2,9 Prozent. Damit liegt die Teuerung deutlich über dem EZB-Ziel von 2 Prozent.

Energiekrise treibt Inflation nach oben

Es ist vor allem der Energiemarkt, der die Inflation nach oben treibt. Für Haushalte zeigt sich das nicht abstrakt in Prognosekurven, sondern ganz konkret an den Heizölpreisen und an den Säulen der Tankstellen. Damit rückt die Notenbank in ein klassisches Dilemma: Sie muss preisliche Zweitrundeneffekte eindämmen, während höhere Zinsen gleichzeitig die Konjunktur und die Investitionsbereitschaft belasten können. Der durch den Irankrieg ausgelöste Ölschock drückt die Energiepreise nach oben. Am Mittwoch kletterte der Preis für ein Barrel Öl der Nordsee-Sorte Brent wieder über die Marke von 100 Dollar.

Partner-Inhalte

Autofahrer merken die Energiekrise an den Tankstellen, Hausbesitzer bei den Heizölpreisen. Und die Energiekrise dürfte weiter anhalten, eine Lösung des Irankriegs zeichnet sich nicht ab. Darum reagiert nun die EZB mit einer Zinserhöhung. Damit will sie verhindern, dass ihr die Inflation davongaloppiert. Höhere Zinsen dämpfen laut ökonomischem Lehrbuch die Teuerung, weil sich für Unternehmen Kredite für Investitionen verteuern und gleichzeitig die Nachfrage gebremst wird. Das gibt weniger Anreize, um die Preise zu erhöhen.
Am Finanzmarkt rechnet man damit, dass gegen Ende Jahr ein weiterer Zinsschritt nach oben folgen könnten – oder sogar mehrere. Während hierzulande also immer noch Nullzinsen gelten, könnten sich die europäischen Währungshüter also immer mehr dem Zinsniveau in den USA annähern. Dort liegt der Leitzins derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Nächste Woche steht dann der Entscheid des neuen Notenbankpräsidenten Kevin Warsh (56) und seiner Kollegen an. Die Schweizerische Nationalbank gibt unseren neuen Leitzins in zwei Wochen bekannt.
Über die Autoren
Michael Hotz
Michael Hotz
Michael Hotz ist Ressortleiter bei Ringier Medien Schweiz

Werbung