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Meinung

Was der Philosoph Adam Smith zur Lifestyle-Teilzeit sagen würde

Mit dem Begriff «Lifestyle-Teilzeit» soll moralischer Druck auf ­Teilzeitbeschäftigte ausgeübt werden. Doch die Lösung wäre viel einfacher.

Adriel Jost

«Angebot und Nachfrage regeln auch den Arbeitsmarkt – ganz ohne moralische Belehrungen», schreibt Adriel Jost.
«Angebot und Nachfrage regeln auch den Arbeitsmarkt – ganz ohne moralische Belehrungen», schreibt Adriel Jost.BILANZ

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Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz wurde in diesem Jahr intensiv über die sogenannte Lifestyle-Teilzeit diskutiert. Ist es volkswirtschaftlich problematisch, wenn Menschen freiwillig weniger arbeiten, als sie könnten?
Die Debatte ist häufig emotional, weil sie rasch moralisiert wird. Die eine Seite argumentiert: Wer freiwillig Teilzeit arbeitet, trägt weniger zum Steueraufkommen und zur Finanzierung öffentlicher Güter wie der Sozialversicherungen bei. Die andere Seite hält dagegen: Ich engagiere mich in meiner freien Zeit für Familie, Nachbarschaft oder in der Freiwilligenarbeit – und vor allem geht es niemanden etwas an, wie ich mein Leben gestalte.
Adriel Jost ist Ex-SNB-Mitarbeiter, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern und Präsident des Thinktanks Liberethica.
Hinter dieser Debatte steckt eine grundlegende Spannung. Wirtschaftspolitik verfolgt kollektive Ziele: Wirtschaftswachstum, Preisstabilität, Vollbeschäftigung oder eine bestimmte Einkommensverteilung. Individuen hingegen verfolgen ihre eigenen Ziele: Einkommen, Sicherheit, Erholung, Familie oder Sinn.
Natürlich hängen beide Ebenen zusammen. Individuelle Entscheidungen bilden die Grundlage der Wirtschaft. Deshalb ist die Versuchung gross, den Menschen vorzuschreiben, wie sie sich verhalten sollen, damit die gewünschten wirtschaftspolitischen Ziele erreicht werden.

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Es ist aber gefährlich, aus einem wirtschaftspolitischen Ziel eine persönliche Verpflichtung zu machen. Wenn individuelle Lebensentscheidungen moralisch oder politisch vorgegeben werden, verlieren Menschen einen Teil ihrer Freiheit, das Leben zu führen, das sie selbst als gelungen betrachten.

«Die Firmen könnten einfach Löhne oder Arbeitsbedingungen verbessern, damit Vollzeitarbeit attraktiver wird als zusätzliche Freizeit.»

Konkret: Wenn eine Volkswirtschaft dank hoher Produktivität denselben Lebensstandard mit weniger Arbeitsstunden ermöglicht, dann kann es eine sehr rationale Reaktion auf Wohlstand sein, mehr nichtbezahlten Tätigkeiten nachzugehen. Und wenn Unternehmen unter Fachkräftemangel leiden, machen es sich Wirtschaftsverbände zu einfach, wenn sie moralischen Druck auf Teilzeitbeschäftigte ausüben. Die Firmen könnten einfach Löhne oder Arbeitsbedingungen verbessern, damit Vollzeitarbeit attraktiver wird als zusätzliche Freizeit. Genau dafür gibt es Märkte. Angebot und Nachfrage regeln auch den Arbeitsmarkt – ganz ohne moralische Belehrungen.
Gerade darin läge die Stärke der Marktwirtschaft. Der schottische Moralphilosoph Adam Smith beschrieb vor genau 250 Jahren die Idee der «unsichtbaren Hand»: Wenn Menschen ihre eigenen Interessen verfolgen, entsteht auch ein gesellschaftlich gutes Ergebnis.
Schwieriger wird es dort, wo der Staat in die Entscheidungen von Individuen eingreift, um übergeordnete Ziele zu erreichen. So kommt es ab und zu vor, dass sich Zentralbankenvertreter von den Arbeitnehmenden zurückhaltende Lohnabschlüsse wünschen, um den Inflationsdruck zu begrenzen. Das mag aus übergeordneter Sicht nachvollziehbar sein, ist natürlich aber ein Affront gegenüber allen Arbeitnehmenden.

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Wenn der Staat wiederum über Steuern und Transfers in die Einkommensverteilung eingreift, verändern sich die Anreize, Einkommen zu erzielen. Genau das zeigt sich nun bei der Diskussion über die Teilzeitarbeit. Wenn sich Arbeit aufgrund von Steuern und Abgaben weniger lohnt, muss der Staat als logische Konsequenz in Kauf nehmen, dass insgesamt weniger Einkommen erzielt und die Wirtschaftsleistung reduziert wird.
Will er dies verhindern, wäre die Lösung für den Staat genauso einfach wie für einzelne Unternehmen: Er müsste weder moralische Appelle an die Bevölkerung richten noch individuelle Entscheidungen detaillierter steuern, sondern einfach die Abgabenlast reduzieren.

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