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Kommentar zu künstlicher Intelligenz

Die Bombe tickt!

KI hat das Risiko für Unternehmer drastisch erhöht. Was ist zu tun?

Klaus Wellershoff

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«KI wird in der Unternehmenswelt keinen Stein auf dem anderen lassen», schreibt Gastautor Klaus Wellershoff. HZ

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Künstliche Intelligenz (KI) verändert unser Leben. Nicht erst morgen. Heute schon. Vor zwei Jahren haben wir noch «gegoogelt». Heute fragen wir die KI. Wollen Sie nach Peking, zum Himmelstempel? Mit einem guten Prompt haben Sie den Fahrplan in zehn Sekunden über alle Verkehrsmittel hinweg. Wollen Sie eine Fritteuse kaufen? Die Testsiegerin und wo Sie sie kaufen können, kriegen Sie genauso schnell. Es ist nur noch ein kleiner Schritt, und ein KI-Agent schafft die Fahrkarten oder das Haushaltsgerät nach einer Rückfrage für Sie an!
Auch in der Unternehmenswelt wird KI keinen Stein auf dem anderen lassen. Das wissen die Unternehmen und versuchen händeringend zu verstehen, was KI für sie bedeutet. Die meisten Unternehmen wollen mit KI Kosten sparen. Produktivitätssteigerung nennt sich das. Die Börse freuts. Die Gewerkschaften reden von Massenarbeitslosigkeit. Die wenigsten Unternehmen verstehen, dass das Kostensparen aber nicht der Haupteffekt der KI-Revolution sein wird.
Was dann? Die Tatsache, dass sich unser Verhalten, das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten, ändert. Damit ändert sich die Nachfrage nach Produkten, Dienstleistungen und Distributionskanälen. Und zwar rasend schnell. Nicht erst morgen. Heute schon.

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Der Gastautor

Der Ökonom Klaus Wellershoff ist Gründer und Verwaltungsratspräsident von Wellershoff & Partners.
Und sind unsere Unternehmen darauf vorbereitet? Natürlich nicht. Wie könnten sie es sein? Die heutige Angebotslandschaft ist für die alte Welt des Googelns gebaut. Keine Frage, wir werden heute und auch morgen noch reisen oder Pommes frites essen wollen. Aber das Wie des Einkaufs wird sich ändern. Wer braucht noch einen Vermittler wie die bei Hoteliers sehr kritisch betrachteten Hotelbuchungsplattformen?
Doch nicht nur in der virtuellen Welt wird es ein bitteres Erwachen geben. Generell sind unsere Vertriebskanäle bedroht. Beratung, die nichts anderes war als Verkauf, wird noch mehr unter die Räder kommen als jetzt schon. Beratung, die nichts anderes war als ein der Spezialisierung geschuldeter Informationsvorsprung, wird es schwer haben. Und auch die Bedeutung des Verkaufs wird sich generell verändern. Produktorientierter Verkauf wird nicht mehr bestehen. Und damit stellt sich auch die Frage, ob es ein One-Stop-Shopping im Warenhaus oder bei der Universalbank überhaupt noch braucht.
Und die Produkte selbst? Sind zur Lotterie geworden. Wenn unsere Firmen heute ihre neue Produktentwicklung vorantreiben, brauchen sie dafür Zeit. Zeit, die sie nicht haben. Die Produktentwicklung in einem Industriebetrieb oder in einer Bank dauert Jahre. Jahre, in denen sich die Kundennachfrage aufgrund von KI grundlegend verändert. Wer da die Bedürfnisse der Kunden trifft, hat eben einfach nur Glück gehabt.

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Das Risiko von Unternehmertum ist also deutlich gestiegen: veränderte Nachfrage, neue Konkurrenten und grosse Investitionen, um beim KI-Wettlauf mithalten zu können. Das ist für Unternehmen eine grosse Herausforderung. Auch an der Börse müsste sich das ausdrücken: Die Risikoprämie für Anlagen in Unternehmen sollte steigen. Wer weiss schon, ob das heutige Geschäftsmodell von Google, das auf Werbeeinnahmen beruht, in ein paar Jahren noch funktioniert. Hier tickt eine Zeitbombe.
Was tun als Unternehmer? Mehr denn je gilt es, das Kundenerlebnis zu pflegen. Ja, auch und gerade mit KI. Damit die Kunden und Kundinnen spüren, dass sich die Welt auch bei ihren Anbietern verändert. «Low Hanging Fruit» heisst das, nicht Effizienzsteigerung hinter den Kulissen. Die kommt von allein. Veränderung im Tandem mit denen, auf die es ankommt – und nicht als isoliertes Effizienzprojekt hinter den Kulissen.

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