Für den dienstältesten Hotelier Zürichs spielt die Limmatstadt nicht mehr in der obersten Liga: Sie sei eine B-Destination geworden, sagt Roger Jutzi. Schuld daran sei der Gästemix.
Vor 25 Jahren war Roger Jutzi (56) der jüngste Hoteldirektor der Stadt Zürich. Heute ist er der Dienstälteste – und führt noch immer das Hotel Krone Unterstrass an der Schaffhauserstrasse 1. Obwohl das 4-Sterne-Haus im edlen Universitätsviertel der Limmatstadt steht, gibt er im Interview mit der «NZZ» zu: «Zürich ist leider eine B-Destination geworden.»
Jutzi sorgt sich vor allem um den Mix der Gäste, der sich seit der Corona-Pandemie stark verändert hat: Gemäss dem Hoteldirektor besuchten die Stadt vor acht Jahren etwa 70 Prozent Business- und 30 Prozent Freizeitgäste. Heute sei das Verhältnis umgekehrt. Das Problem: Freizeit-Touris seien viel volatiler als Geschäftsreisende. Heisst: Sie öffnen das Portemonnaie in der Regel weniger weit. Oder wie es Jutzi ausdrückt: «Als verlässliche Einnahmequelle dienen Touristen nicht.»
«Stabile Wirtschaft ist das A und O»
Sein Business-Hotel verliert dadurch jedes Jahr Kunden. Da hilft es auch nicht, dass kürzlich zwei Banken ihren Abgang aus Zürich angekündigt haben. Vontobel zieht nach Baar ZG, Cembra nach Baden AG. Zusammen gehen dem Finanzplatz Zürich damit 1500 Arbeitsstellen verloren. «Es fehlt ein Bekenntnis der Behörden zum Finanz- und Werkplatz», so Jutzi gegenüber der «NZZ».
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Thomas Wüthrich, Direktor von Zürich Tourismus, hat für Jutzis Urteil Verständnis: «Eine starke und stabile Wirtschaft ist das A und O für eine erfolgreiche Tourismusdestination. Insofern können wir die Sorgen aus der Branche nachvollziehen.» Als B-Destination würde er die Limmatstadt aber trotzdem nicht bezeichnen.
Denn: Die Logiernächte in der Tourismusregion Zürich sind zwischen 2015 und 2025 um 34,8 Prozent gestiegen. Zwar sind die Zahlen primär wegen der Freizeitgäste geklettert, die Übernachtungen der Geschäftsreisenden sind über die vergangenen zehn Jahre aber immerhin stabil geblieben.
Kongressstandort Zürich
Gemäss Wüthrich ist das eine ganz bewusste Entwicklung: «Wir wollten Zürich stärker als Ganzjahresdestination positionieren», sagt er. Der Business-Tourismus bleibe für Zürich aber dennoch ein wichtiger Markt.
Handlungsbedarf sieht der Verband trotzdem – «insbesondere bei Tagungen, Meetings und Kongressen.» Hier hapert es an der Infrastruktur. Darum setzt sich der Verband weiterhin für einen besseren Kongressstandort Zürich ein. Genau wie Hoteldirektor Roger Jutzi.