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Manager in Dubai

«Viele wollen ­einfach weg»

Philippe Amarante, in Dubai stationierter Topmanager von Henley & Partners, spricht über die Pläne der Expats.

BIL Stehsatz / Redaktionsmitarbeiter / Erich Buergler BA 1/4rgler

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Philippe Amarante ist Head of Government Advisory von Henley & Partners, die Regierungen dabei berät, Vermögende als Einwohner zu gewinnen und einer privaten Klientel Aufenthaltsbewilligungen und Reisepässe vermittelt. PR

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Herr Amarante, wie stark sind Ihre Berater in den Vereinigten Arabischen Emiraten derzeit ausgelastet?

Sie haben an unseren drei Standorten in Dubai sehr viel zu tun. Rund 90 Prozent der Einwohner sind Expats, und viele überlegen sich, wie ein Plan B oder C bezüglich ihres Wohnortes aussehen könnte.

Welche Alternativen prüft diese Kundschaft?

Das kommt stark auf die Art ihrer geschäftlichen Aktivitäten an. Viele wollen einfach weg. Das sind Businessleute, die sehr mobil sind und Dubai oder Abu Dhabi dauerhaft verlassen wollen: «shift and lift» sozusagen. Hier stehen Länder wie Kanada und Neuseeland als Alternativen hoch im Kurs. Andere haben kapitalintensive Strukturen aufgebaut. Die können nicht einfach wegziehen, sondern suchen hybride Lösungen, zum Beispiel eine Aufenthaltsbewilligung in Portugal oder Italien. Die Seychellen, die Malediven oder Mauritius sind Lösungen ausserhalb Europas.

Wie ist die Stimmung in Dubai?

Es herrscht eine seltsame Normalität. Die Leute gehen in Restaurants, und die Supermärkte sind gut gefüllt. Es gibt auch wieder regelmässige Flüge. Bestimmt sind viele weiterhin verunsichert, und die Smartphone-Alarme wegen Luftangriffen stecken auch mir noch in den Knochen. Ich kenne aber viele Leute, die das Ganze recht gelassen nehmen, je nach Herkunft.

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Wie bitte? Die lassen Raketen- und Drohnenangriffe kalt?

Zahlreiche Menschen, die hier leben, stammen aus Ländern mit hoher Kriminalität oder haben in ihrer Heimat kriegerische Auseinandersetzungen erlebt. Sie bringt so schnell nichts aus der Ruhe, oder sie versuchen, das Ganze einfach auszublenden.

Wie nachhaltig ist der Schaden für die Emirate?

Der kurzfristige wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich, für die Region jedoch nicht existenziell. Entscheidend wird sein, wie lange es dauert, bis das Vertrauen zurückkehrt, sobald sich die Lage beruhigt. Die Verantwortlichen werden reagieren müssen. Dubai dürfte sein Modell teilweise neu ausrichten.

Wie könnte das aussehen?

Es gibt verschiedene Varianten. Derzeit gibt es in Dubai nur Aufenthaltsbewilligungen mit beschränkter Laufzeit. Vielleicht wird sich das ändern, oder es werden andere Anreize für Investitionen und eine Niederlassung geschaffen.

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