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Kommentar zur US-Verschuldung

Dem Mutterland des Kapitalismus fehlt das Kapital

Die Budgetkrise der USA ist auf einem neuen Höhepunkt, die Verschuldung erreicht Rekordwerte. Das ist keine neue, wenngleich aber eine für Europa unangenehme Lage.

Klaus W. Wellershoff

«Nicht nur die Regierung braucht Kapital, um weitermachen zu können, sondern auch die privaten Haushalte und die Unternehmen», warnt Gastkommentator Klaus Wellershoff.
«Nicht nur die Regierung braucht Kapital, um weitermachen zu können, sondern auch die privaten Haushalte und die Unternehmen», warnt Gastkommentator Klaus Wellershoff.HZ

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Die US-Regierung hat zu viele Schulden. Das war die grosse Nachricht der letzten Wochen. Echt jetzt? Ist das etwas Neues? Und ist das überhaupt ein Problem?
Für Experten ist das nicht wirklich neu. Seit 2012 sind die Schulden des Gesamtstaates inklusive Sozialversicherungen höher als das Volkseinkommen. Zurzeit sind die Schulden fast 30 Prozent höher als das Volkseinkommen, Tendenz steigend. Damit haben die USA die meisten EU-Länder überholt. In der Euro-Zone stehen nur noch Italien und Griechenland schlechter da.
Aber auch das wird nicht mehr lange so sein. Während die beiden Problemländer in Europa in den letzten Jahren ihren Verschuldungsgrad kontinuierlich verringert haben, geht es in den USA in die andere Richtung. In der öffentlichen Diskussion war in den letzten Wochen immer wieder von einer Defizitquote von 5,8 Prozent des Volkseinkommens die Rede. Das bezieht sich aber nur auf das laufende Budget des Bundesstaats. Nimmt man die Staaten, Städte und Sozialversicherungen hinzu, wird sich die Defizitquote auf 8 Prozent belaufen.
All das ist nicht neu! Seit Jahren war der Trend zu einer explodierenden Staatsverschuldung der Amerikaner erkennbar. Zur Erinnerung: Bei Einführung des Euro lag die US-Staatsverschuldung gemessen an der Verschuldungsquote einen Viertel niedriger als in der immer wieder als «Schuldenunion» gebrandmarkten Währungsunion. Heute liegt sie 40 Prozent höher.

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Ist die Verschuldung der USA ein Problem, das Finanzmärkte und Weltwirtschaft durcheinanderbringen kann? Allein betrachtet kaum. Immerhin verfügen die Amerikaner über eine eigene Währung. Das hat den Vorteil, dass bei einem Käuferstreik für US-Staatsanleihen die eigene Notenbank – ob sie will oder nicht – einspringen kann.
Der Gastautor
Der Ökonom Klaus Wellershoff ist Gründer und Verwaltungsratspräsident von Wellershoff & Partners.
Das geschieht entweder, weil die zwischenzeitlich gestiegenen Zinsen die Konjunktur in den Keller geschickt haben, oder schlicht und einfach, weil eine Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung für das Land die direkte Gefahr eines Zusammenbruchs der Staatsgewalt zur Folge hätte. Wenn Fiskalpolitik richtig aus dem Ruder läuft, kann sie die Geldpolitik zwingen, ihr zu folgen. «Fiskalische Dominanz» nennen wir Ökonomen das. An dem Punkt sind die USA nun angekommen.
Wie gesagt, das ist nur für Laien eine neue Geschichte. Besorgniserregend ist aber etwas anderes. Nicht nur die Regierung braucht Kapital, um weitermachen zu können, sondern auch die privaten Haushalte und die Unternehmen. Die Privathaushalte, weil ihre Sparquote wieder auf Werte gesunken ist, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nur unmittelbar vor der Finanzkrise gesehen haben. Die Unternehmen, weil die Investitionen in künstliche Intelligenz zu einer deutlichen Verschlechterung des Eigenfinanzierungsgrads des Unternehmenssektors geführt haben.

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Diese gleichzeitige Zunahme an Kapitalbedarf von Staat, Privaten und Unternehmen könnte durch Kapitalimporte gedeckt werden. Mehr Importe von Kapital sind jedoch definitorisch nur mit einer Verschlechterung der Handelsbilanz möglich. Genau das will der US-Präsident aber nicht.
Diese Kombination von Faktoren ist viel schlimmer für die Weltwirtschaft als die Staatsverschuldung allein, weil die Finanzierung der USA am Ende des Jahres aufgehen muss. Das ist keine Theorie! Wie sagen die Amerikaner: «Something has to give!» Die Folgen könnten sein: ein schwächerer Dollar, mehr Streit in der Handelspolitik, abgeschwächter US-Konsum oder ein Ende der wahnwitzigen KI-Investitionen. Oder von allem etwas? Was auch immer, gut ist das nicht.

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